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Gürtelrose-Impfung: Nutzen & Risiken verständlich erklärt

Aktualisiert: 6. Jan.

Patientin Impfspritze

Nutzen und Risiken – evidenzbasiert & verständlich

Gürtelrose (Herpes Zoster) ist mehr als „nur ein Ausschlag“: Die Erkrankung entsteht durch eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus (Windpockenvirus) und kann sehr schmerzhaft sein. Besonders gefürchtet sind lang anhaltende Nervenschmerzen (postherpetische Neuralgie) und – je nach Lokalisation – Komplikationen an Auge, Ohr oder Nervensystem. Genau hier setzt die Impfung an: Sie soll Gürtelrose verhindern oder den Verlauf deutlich abmildern und Komplikationen vermeiden.

In Deutschland empfiehlt die STIKO die Gürtelrose-Impfung seit Jahren für ältere Menschen. Neu ist eine wichtige Erweiterung (2025): Personen mit deutlich erhöhtem Risiko sollen bereits ab 18 Jahren geimpft werden (Indikationsimpfung). (Robert Koch-Institut)

Dieser Beitrag erklärt, wer profitiert, wie wirksam die Impfung ist, welche Nebenwirkungen zu erwarten sind und welche Risiken realistisch sind.


1) Was ist Gürtelrose – und warum kann sie problematisch sein?

Nach einer Windpockeninfektion (meist in der Kindheit) bleibt das Virus lebenslang im Körper und „schlummert“ in Nervenknoten. Jahre oder Jahrzehnte später kann es sich reaktivieren – dann entsteht Gürtelrose: typischerweise einseitige, gürtelförmige Bläschen auf gerötetem Grund, oft begleitet von Brennen, Stechen oder starken Nervenschmerzen.

Warum steigt das Risiko mit dem Alter?

Mit zunehmendem Alter nimmt die zelluläre Immunabwehr gegen das Varizella-Zoster-Virus ab. Dadurch wird eine Reaktivierung wahrscheinlicher. Zusätzlich erhöhen bestimmte Erkrankungen oder Therapien (z. B. Immun­sup­pression) das Risiko für Gürtelrose und Komplikationen. (Robert Koch-Institut)

Häufige und wichtige Komplikationen

  • Postherpetische Neuralgie (PHN): Nervenschmerz, der Wochen bis Monate (selten länger) nach Abheilung der Hautläsionen bestehen bleibt.

  • Zoster ophthalmicus: Befall im Bereich des Auges – potenziell mit Sehstörungen.

  • Disseminierter Zoster: Ausbreitung über mehrere Körperregionen, v. a. bei stark geschwächtem Immunsystem. (Ärzteblatt)


2) Welcher Impfstoff wird verwendet?

In Deutschland wird für die Gürtelrose-Impfung der adjuvantierte rekombinante Herpes-zoster-Subunit-Impfstoff (HZ/su, Handelsname: Shingrix) empfohlen. Es handelt sich um einen Totimpfstoff (kein Lebendimpfstoff). (Robert Koch-Institut)

Vorteil: Totimpfstoffe können grundsätzlich auch bei vielen chronischen Erkrankungen eingesetzt werden; bei schwerer Immunsuppression gilt dennoch: Timing/Indikation individuell ärztlich planen.


3) Für wen wird die Gürtelrose-Impfung empfohlen?

Standardimpfung (Regelimpfung)

  • Alle Personen ab 60 Jahren: Standardimpfung gegen Herpes zoster und postherpetische Neuralgie. (Robert Koch-Institut)

Indikationsimpfung (bei erhöhtem Risiko)

  • Risikopersonen: Seit der Erweiterung empfiehlt die STIKO die Impfung bereits ab 18 Jahren, wenn eine deutlich erhöhte Gefährdung für Herpes zoster besteht (z. B. angeborene/erworbene Immunschwäche oder schwere Ausprägungen chronischer Grunderkrankungen). (Gemeinsamer Bundesausschuss)

Beispiele für Risikokonstellationen (je nach STIKO-Begründung/Einzelfall):

  • relevante Immunsuppression (z. B. bestimmte Krebstherapien, nach Transplantation)

  • HIV-Infektion, bestimmte Autoimmunerkrankungen unter Immuntherapie

  • schwere chronische Erkrankungen (in den STIKO-Dokumenten beispielhaft genannt) (Gemeinsamer Bundesausschuss)

Kostenübernahme: In der Regel übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Impfung entsprechend der Schutzimpfungs-Richtlinie; der G-BA hat die STIKO-Erweiterungen zu Schutzimpfungen in der Kommunikation aufgegriffen. (Gemeinsamer Bundesausschuss)


4) Wie läuft die Impfung ab?

  • 2 Impfstoffdosen (Grundimmunisierung)

  • üblicherweise im Abstand von 2 bis 6 Monaten (je nach Situation/Empfehlung; bei besonderer Dringlichkeit kann der Abstand teils verkürzt werden – ärztlich festlegen)

  • optimaler Schutz nach vollständiger 2-Dosen-Serie (Robert Koch-Institut)

Wichtig: Auch wer bereits Gürtelrose hatte, kann später erneut erkranken – eine Impfung kann weiterhin sinnvoll sein (Timing individuell klären).


5) Nutzen: Wie gut schützt die Impfung?

Schutz vor Gürtelrose

Die großen Zulassungsstudien zeigen eine sehr hohe Wirksamkeit:

  • In der Altersgruppe ≥70 Jahre senkte der Impfstoff das Risiko für Herpes zoster und PHN deutlich (NEJM-Studie). (nejm.org)

  • In den ZOE-Studien wurde insgesamt eine Impfwirksamkeit von über 90 % gegen Herpes zoster in verschiedenen Altersgruppen berichtet (je nach Studie/Alter). (nejm.org)

Schutz vor postherpetischer Neuralgie (Nervenschmerz)

Gerade dieser Punkt ist für viele Betroffene entscheidend: Die Impfung reduziert nicht nur Gürtelrose-Fälle, sondern senkt damit auch das Risiko für lang anhaltende Nervenschmerzen deutlich. (nejm.org)

Wie lange hält der Schutz?

Langzeitbeobachtungen zeigen, dass der Schutz über Jahre hoch bleibt:

  • Eine Follow-up-Analyse über mehrere Jahre berichtete anhaltend hohe Wirksamkeit (z. B. ~84 % in Jahren 5–7 nach Impfung). (PMC)

  • Eine weitere Auswertung berichtete anhaltende Wirksamkeit bis in sehr späte Zeitpunkte nach der Impfung (Daten bis ~11 Jahre). (ScienceDirect)

Praktische Bedeutung: Für viele Menschen – besonders in höheren Altersgruppen – ist das ein relevanter Vorteil, weil das Gürtelrose-Risiko mit dem Alter weiter steigt.


6) Risiken und Nebenwirkungen: Was ist häufig – was ist selten?

Häufige Nebenwirkungen (erwartbar, meist harmlos)

Die Gürtelrose-Impfung ist bekannt dafür, relativ reaktogen zu sein: Das heißt, das Immunsystem reagiert spürbar – was zwar unangenehm, aber meist ein Zeichen der Aktivierung ist.

Sehr häufig / häufig:

  • Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle

  • Müdigkeit, Kopf-/Muskelschmerzen

  • Fiebergefühl, Schüttelfrost, allgemeines Krankheitsgefühl (meist 1–3 Tage)

Diese Reaktionen sind in Studien und in der Praxis häufig, klingen aber in der Regel rasch ab. (nejm.org)

Seltene/abklärungsbedürftige Ereignisse

Wie bei jeder Impfung sind schwere allergische Reaktionen sehr selten – aber sie sind der Grund, warum nach Impfungen meist eine kurze Beobachtung erfolgt.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat zudem Verdachtsmeldungen zu bestimmten Hautreaktionen und Ereignissen im zeitlichen Zusammenhang wissenschaftlich untersucht und publiziert (Pharmakovigilanz). (Paul-Ehrlich-Institut) In Pharmakovigilanz-Berichten wird auch auf ein besonderes Augenmerk bei Verdachtsmeldungen bestimmter neurologischer Ereignisse (z. B. Guillain-Barré-Syndrom) hingewiesen; hierbei handelt es sich um sehr seltene Ereignisse, die weiter beobachtet und bewertet werden. (Paul-Ehrlich-Institut)

Wichtig für die Einordnung:

  • „Verdachtsmeldung“ bedeutet nicht automatisch „bewiesene Ursache“.

  • Behörden überwachen Impfstoffe fortlaufend, um seltene Risiken früh zu erkennen und Empfehlungen ggf. anzupassen. (Paul-Ehrlich-Institut)

Wer sollte (vorübergehend) nicht geimpft werden?

Typische Kontraindikationen/Gründe zu warten sind:

  • akute schwere Erkrankung mit Fieber (Impfung verschieben)

  • bekannte schwere allergische Reaktion auf Bestandteile des Impfstoffs

  • spezielle Situationen (z. B. Schwangerschaft): individuell ärztlich klären


7) Nutzen-Risiko-Abwägung: Für wen lohnt sich die Impfung besonders?

Besonders hoher Nutzen

  • Menschen ab 60 Jahren (Standardimpfung) (Robert Koch-Institut)

  • Personen mit erhöhtem Risiko durch Immunschwäche oder relevante Grunderkrankungen – jetzt auch ab 18 Jahren empfohlen (Gemeinsamer Bundesausschuss)

  • Menschen, die Angst vor postherpetischer Neuralgie haben oder bereits starke Nervenschmerzen kennen (z. B. nach früherer Gürtelrose)

Was spricht typischerweise gegen die Impfung?

Meist nicht „Risiko“, sondern eher:

  • starke Sorge vor kurzfristigen Impfreaktionen

  • organisatorische Gründe (2 Termine notwendig)

  • fehlende Information, dass die Impfung ab 60 Standard ist bzw. für Risikogruppen früher empfohlen wird (Robert Koch-Institut)


8) Praktische Tipps für Patientinnen und Patienten

  • Plane die Impfung nicht auf einen Tag mit wichtigen Terminen: Manche fühlen sich am Folgetag „grippig“.

  • Trinken, Ruhe, ggf. ein übliches Schmerzmittel nach Rücksprache (z. B. Paracetamol/Ibuprofen, sofern verträglich) können helfen.

  • Wichtig: Zweite Dosis einplanen – ohne sie ist der Schutz unvollständig. (Robert Koch-Institut)


Empfehlung von Gesundheits-Doc

Gesundheits-Doc empfiehlt: Wenn du 60 Jahre oder älter bist, ist die Gürtelrose-Impfung mit dem adjuvantierten Totimpfstoff eine sehr sinnvolle Präventionsmaßnahme, weil sie das Risiko für Gürtelrose und insbesondere für lang anhaltende Nervenschmerzen deutlich senkt. (nejm.org)

Wenn du zu einer Risikogruppe gehörst (z. B. Immunschwäche oder Immun-suppression oder schwere chronische Grunderkrankung), solltest du die Impfung auch schon ab 18 Jahren aktiv ansprechen und gemeinsam mit deiner Ärztin/deinem Arzt das beste Timing planen. (Gemeinsamer Bundesausschuss)

Die häufigsten Nebenwirkungen sind zwar unangenehm, aber meist kurz und harmlos – dem steht ein hoher, lang anhaltender Nutzen gegenüber. (nejm.org)


Checke jetzt dein Gürtelrose-Risiko: Bist du ≥60 oder gehörst du zu einer Risikogruppe?


➡️ Sprich die Gürtelrose-Impfung beim nächsten Arztbesuch aktiv an und plane gleich beide Termine (2 Dosen).


📌 Tipp: Speichere diesen Artikel oder teile ihn mit Angehörigen – gerade bei Eltern/Großeltern wird die Impfung häufig vergessen.


Praxisbezug & Disclaimer

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.


Quellenangabe (Auswahl)
  1. STIKO am RKI – Empfehlungen zur Impfung gegen Herpes zoster (Gürtelrose) inkl. Standard- und Indikationsimpfung (laufend aktualisiert).
  2. Epidemiologisches Bulletin (RKI) – Veröffentlichung/Begründung zur Erweiterung der Indikationsimpfung (u. a. Impfung bei erhöhtem Risiko bereits ab 18 Jahren).
  3. Lal H. et al. Efficacy of an adjuvanted herpes zoster subunit vaccine in older adults. New England Journal of Medicine (ZOE-50).
  4. Cunningham A.L. et al. Efficacy of the herpes zoster subunit vaccine in adults ≥70 years. New England Journal of Medicine (ZOE-70).
  5. Langzeit-Wirksamkeit / Follow-up der ZOE-Studien (Wirksamkeit über mehrere Jahre nach Impfung).
  6. Fachinformation Shingrix (GSK) – Indikation, Dosierung (2 Dosen), Nebenwirkungen, Kontraindikationen.
  7. Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – Sicherheitsberichte/Pharmakovigilanz zu Verdachtsmeldungen nach Herpes-zoster-Impfung (laufende Überwachung).
  8. PEI / Sicherheitskommunikation – Einordnung sehr seltener Ereignisse im Rahmen der Sicherheitsüberwachung (z. B. GBS als seltenes Signal unter Beobachtung).

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