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Medizin und Gesundheit – Was ändert sich 2026 für Patientinnen und Patienten?

Aktualisiert: 18. Jan.


Einleitung: 2026 wird das Jahr, in dem „digital & strukturiert“ im Alltag ankommt


Viele Reformen im deutschen Gesundheitswesen sind nicht als einzelner „Stichtag“ spürbar, sondern wirken schrittweise: Technik wird ausgerollt, Prozesse werden angepasst, und erst im Praxisalltag merkt man, dass es schneller, transparenter – manchmal aber auch komplexer – wird. 2026 dürfte für Patientinnen und Patienten besonders dadurch auffallen, dass die Digitalisierung von Medizin und Gesundheit 2026 (ePA, E-Rezept, Online-Terminwege) nicht mehr „Pilot“ ist, sondern zunehmend Routine – und parallel die Krankenhausreform in den Ländern sichtbarer wird. (BMG)

Damit dieser Wandel Ihnen nützt, lohnt es sich, zwei Leitfragen im Kopf zu behalten:

  1. Wo werden meine medizinischen Informationen künftig gespeichert und geteilt?

  2. Wie finde ich schneller die passende Versorgung (ambulant/stationär, Hausarzt/Facharzt/Klinik)?

Die folgenden Abschnitte erklären, was sich 2026 voraussichtlich im Alltag verändert – mit konkreten Tipps, worauf Sie achten sollten.


1) Digitalisierung von Medizin und Gesundheit im Versorgungsalltag 2026: ePA wird „normal“


1.1 Elektronische Patientenakte (ePA): Mehr Dokumente an einem Ort – aber mit Steuerungsmöglichkeiten

Die ePA für alle ist in Deutschland seit 15.01.2025 gestartet (Opt-out: Wer nicht widerspricht, erhält eine ePA). Seit 29.04.2025 kann sie bundesweit genutzt werden; für Einrichtungen wurde die Integration in den Alltag ab 01.10.2025 verpflichtend. Das bedeutet: 2026 werden Patientinnen und Patienten deutlich häufiger erleben, dass Befunde, Arztbriefe, Medikationslisten oder Entlassunterlagen in der ePA auftauchen (je nach Einrichtung/Softwarestand auch schrittweise). (BMG)

Was ist der praktische Nutzen für Sie?

  • Weniger „Zettelwirtschaft“: Befunde müssen seltener ausgedruckt, kopiert oder per Hand weitergereicht werden.

  • Bessere Anschlussversorgung: Nach Krankenhausaufenthalt oder Facharzttermin können Hausarztpraxis und Apotheke schneller sehen, was gemacht wurde (wenn freigegeben/abrufbar).

  • Medikationssicherheit: Eine gepflegte Medikationsliste hilft, Wechselwirkungen und Doppelverordnungen zu vermeiden.

Wichtig: Die ePA ist kein „Alles-oder-nichts“-Tool. Versicherte können (je nach Kasse/Technik) Widerspruch einlegen oder Zugriffe steuern (z. B. welche Inhalte geteilt werden). (BMG)


1.2 E-Rezept: 2026 ist Papier die Ausnahme – aber nicht verboten

Das E-Rezept ist für verschreibungspflichtige Arzneimittel in der GKV seit 01.01.2024 verpflichtend. Patientinnen und Patienten lösen Rezepte z. B. mit Gesundheitskarte (eGK), E-Rezept-App oder per Papierausdruck (Code) ein. 2026 ist daher weniger ein „Neustart“, sondern ein Jahr, in dem viele Abläufe rund ums Rezept noch routinierter werden – besonders in Kombination mit Medikationsübersichten und der ePA. (BMG)

Was Sie 2026 konkret merken könnten:

  • Mehr „familientaugliche“ Abläufe (Abholen für Angehörige, digitale Weitergabe) – je nach App/Apotheke.

  • Weniger Wege „nur fürs Rezept“, vor allem bei Dauertherapien (wenn die medizinische Situation es zulässt).


2) Termine, Wege, Orientierung: Mehr digitale Lotsenfunktionen

116117 - Terminservice: Online-Buchung wird verbreiteter

Der Terminservice der 116117 ist als Plattform für gesetzlich Versicherte etabliert und wird von KVen/KBV bereitgestellt. 2026 dürften mehr Patientinnen und Patienten diesen Weg nutzen – insbesondere, wenn es um dringliche Facharzttermine geht oder wenn Praxen freie Slots digital bereitstellen. (116117-termine.de)

Praxis-Tipp für Patient:innen (einfach merken):

  • 116117 ist nicht nur „ärztlicher Bereitschaftsdienst“, sondern auch Terminvermittlung / Online-Buchung (je nach Region/Angebot).


3) Chronische Erkrankungen: DMP-Programme werden aktualisiert und ab 2026 umgesetzt

Für viele Menschen mit chronischen Erkrankungen (z. B. KHK, COPD, Diabetes Typ 2) sind strukturierte Behandlungsprogramme (DMP) ein wichtiger Rahmen: regelmäßige Kontrollen, definierte Qualitätsziele, koordinierte Versorgung.

Laut KBV wurden DMP zuletzt 2024/2025 überarbeitet; das aktualisierte DMP soll ab 2026 in den Praxen umgesetzt werden. (KBV - Startseite)

Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?

  • In vielen Fällen: klarere Abläufe, aktualisierte Inhalte (z. B. Leitlinienbezug, moderne Diagnostik/Therapiepfade).

  • Potenziell: mehr Fokus auf strukturierte Verlaufsdokumentation und abgestimmte Kontrollintervalle.

  • Je nach Programm: stärkere Einbindung patientenrelevanter Ziele (Belastbarkeit, Lebensqualität, Risikofaktoren).

Wenn Sie in einem DMP eingeschrieben sind, lohnt es sich 2026, aktiv nachzufragen:

  • Gibt es neue DMP-Abläufe oder neue Untersuchungsintervalle?

  • Welche Ziele sind für mich 2026 besonders wichtig (Blutdruck, LDL, HbA1c, Rauchstopp, Bewegung)?

4) Krankenhausreform: 2026 wird die Umstrukturierung spürbarer – vor allem über Leistungsangebote


4.1 Worum geht es?

Die Krankenhausreform zielt auf mehr Spezialisierung, Qualität und planbare Finanzierung. Kernbegriffe, die Patientinnen und Patienten 2026 häufiger hören könnten:

  • Leistungsgruppen (welche Klinik darf was anbieten?)

  • Struktur- und Qualitätsanforderungen

  • Vorhaltevergütung (Bezahlung auch für das Vorhalten notwendiger Strukturen)

Das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) ist im Bundesgesetzblatt veröffentlicht (BGBl. 2024 I Nr. 400). Das BMG führt zur Reform eine Informationsseite und beschreibt Anpassungen/Umsetzungsschritte. (Bundesrecht)


4.2 Was merken Patient:innen 2026 in der Praxis?

2026 dürfte weniger durch „ein neues Formular“ auffallen, sondern durch Veränderungen im Angebot vor Ort:

  • Bestimmte Eingriffe/Behandlungen werden stärker auf Kliniken konzentriert, die die Anforderungen erfüllen.

  • Manche Häuser entwickeln sich in Richtung Grundversorgung plus definierte Schwerpunkte, andere werden spezialisierter.

Einige Länder planen, Leistungsgruppen-basierte Krankenhausplanung bereits ab 01.01.2026 einzusetzen (Beispiel Saarland laut Ärzteblatt-Bericht). (Ärzteblatt)

Chancen

  • Mehr Routine und Qualität bei komplexen Eingriffen (weil sie häufiger in spezialisierten Zentren stattfinden).

  • Klarere Zuständigkeiten.

Mögliche Nebenwirkungen

  • Je nach Region: längere Wege für spezielle Leistungen.

  • Übergangsphasen mit Unsicherheit, bis Planung und Prüfungen abgeschlossen sind.

Merksatz: 2026 ist für viele Regionen ein „Übergangsjahr“ – fragen Sie bei planbaren Eingriffen gezielt nach Erfahrung, Spezialisierung und Alternativen.


5) Europa 2026: Gesundheitsdaten werden stärker „grenzüberschreitend“ gedacht (EHDS)

Mit dem European Health Data Space (EHDS) hat die EU eine Regulierung geschaffen, die den Rahmen für Nutzung und Austausch elektronischer Gesundheitsdaten in Europa weiterentwickeln soll. Laut EU-Kommission wurde die EHDS-Verordnung im Amtsblatt veröffentlicht, trat am 26.03.2025 in Kraft und startet eine Übergangsphase bis zur Anwendung wichtiger Teile. (Public Health)

Mehrere Einordnungen gehen davon aus, dass zentrale Anwendungen schrittweise folgen und ein Teil der Regelung voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2026 praktisch „zu greifen“ beginnt (mit abgestuften Einführungen). (ehtel.eu)

Was könnte das für Patient:innen bedeuten?

  • Langfristig bessere Möglichkeiten, Gesundheitsinformationen EU-weit nutzbar zu machen (z. B. bei Versorgung im Ausland).

  • Mehr Diskussionen über Datenschutz, Zugriff, Sekundärnutzung (z. B. Forschung, Qualitätsverbesserung).

Wichtig ist: 2026 ist hier eher ein „Rahmenjahr“, in dem technische und organisatorische Umsetzung an Fahrt gewinnt – nicht zwingend das Jahr, in dem alles schon im Alltag perfekt funktioniert.


6) KI in der Medizin: 2026 kommen strengere Regeln näher – Transparenz wird wichtiger

KI-Systeme halten in Medizin und Versorgung weiter Einzug (z. B. Befundunterstützung, Triage, Dokumentation). In Europa wird der rechtliche Rahmen durch den EU AI Act stufenweise umgesetzt. Mehrere Quellen beschreiben, dass wesentliche Vorschriften ab 02.08.2026 gelten sollen – gleichzeitig gab es 2025 politische Diskussionen über mögliche Verschiebungen einzelner „High-Risk“-Pflichten. (Deloitte United Kingdom)

Was ist für Patient:innen 2026 relevant – ganz praktisch?

  • Sie dürfen häufiger erwarten, dass erklärt wird, ob und wie KI in einem Prozess genutzt wurde (z. B. in der Analyse, Priorisierung, Dokumentation) – vor allem dort, wo es risikorelevant ist.

  • Einrichtungen werden stärker auf Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und Datenschutz achten müssen.


7) Was Sie 2026 konkret tun können: 7 einfache Schritte

Damit die neuen Strukturen wirklich helfen (und nicht nur „mehr Technik“ bedeuten), sind diese Punkte besonders sinnvoll:

  1. ePA einrichten (oder Ombudsstelle nutzen, wenn kein Smartphone vorhanden ist). (BMG)

  2. Medikationsliste prüfen (inkl. Allergien/Unverträglichkeiten) – das ist einer der größten Sicherheitsgewinne. (BMG)

  3. Wichtige Dokumente sammeln: Arztbriefe, Impfungen, Labor, Bildgebung (als Bericht).

  4. Bei Fachärzten aktiv fragen: „Können Sie den Befund in meine ePA einstellen?

  5. E-Rezept routiniert nutzen (eGK oder App). (BMG)

  6. 116117 kennen (Terminservice online/telefonisch – je nach Region hilfreich). (116117-termine.de)

  7. Bei planbaren Klinikbehandlungen: nach Spezialisierung/Leistungsangebot fragen (Reformphase!). (Bundesrecht)

Fazit

2026 wird für Patientinnen und Patienten vor allem ein Jahr der praktischen Umsetzung: Die ePA wird häufiger befüllt und genutzt, das E-Rezept ist etabliert, Terminwege werden digitaler, und die Krankenhausreform zeigt zunehmend Auswirkungen auf regionale Leistungsangebote. Gleichzeitig werden EU-Regeln (EHDS, KI-Regulierung) den Rahmen für Datenschutz, Datennutzung und Transparenz weiter schärfen.

Wenn Sie nur einen Punkt mitnehmen: Eine gepflegte Medikationsliste und zentrale Befunde (ePA) erhöhen Sicherheit und sparen Wege – gerade in Übergangszeiten.




Quellen (Auswahl)

  • Bundesgesundheitsministerium (BMG): ePA für alle – Start, Nutzung, Pflichten. (BMG)

  • gematik: ePA für alle – Pflicht zur Integration ab 01.10.2025. (gematik.de)

  • BMG: E-Rezept – verpflichtend seit 01.01.2024, Einlösewege. (BMG)

  • gematik: E-Rezept – Pflicht für Ärzt:innen seit 01.01.2024. (gematik.de)

  • KBV: DMP – aktualisierte Programme werden ab 2026 in Praxen umgesetzt. (KBV - Startseite)

  • BMG: Krankenhausreform-Info (Umsetzung/Anpassung). (BMG)

  • Bundesgesetzblatt: KHVVG (BGBl. 2024 I Nr. 400). (Bundesrecht)

  • Europäische Kommission: EHDS – Inkrafttreten 26.03.2025, Übergangsphase. (Public Health)

  • EHTEL: EHDS – erwartete Anwendung ca. 24 Monate nach Inkrafttreten (Tendenz 2. Halbjahr 2026). (ehtel.eu)

  • Reuters / Deloitte (Einordnung Zeitplan): AI-Act-Phasen und Debatte um Verschiebungen. (Reuters)


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