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Medikamentencheck: Entresto®

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Medikamentencheck

Herzinsuffizienz gehört zu den häufigsten und prognostisch bedeutsamsten Erkrankungen in der hausärztlichen und kardiologischen Praxis. Trotz moderner Therapie leiden viele Betroffene unter Luftnot, Leistungsminderung und häufigen Krankenhausaufenthalten. Mit Entresto® (Wirkstoffkombination Sacubitril/Valsartan) wurde ein Medikament eingeführt, das die Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion grundlegend verändert hat.

Doch was genau steckt hinter Entresto? Für wen ist es geeignet, wie wirkt es, welche Vorteile zeigt die Studienlage – und worauf sollte man in der Praxis achten? Dieser Medikamentencheck gibt einen strukturierten Überblick.


Was ist Entresto®?

Entresto® ist ein sogenannter ARNI (Angiotensin-Rezeptor–Neprilysin-Inhibitor). Es kombiniert zwei Wirkprinzipien in einem Medikament:

  • Sacubitril: Neprilysin-Hemmer

  • Valsartan: Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB)

Damit vereint Entresto zwei therapeutische Ansätze:

  • Hemmung schädlicher neurohormoneller Systeme (RAAS)

  • Verstärkung körpereigener, herzschützender Peptide

➡️ Entresto ersetzt in geeigneten Fällen einen ACE-Hemmer oder ARB – es wird nicht zusätzlich, sondern anstelle dieser Medikamente eingesetzt.


Für welche Patientinnen und Patienten ist Entresto zugelassen?

Entresto ist zugelassen zur Behandlung der:

  • chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (HFrEF)

  • meist definiert als LVEF ≤ 40 %

  • bei symptomatischen Patientinnen und Patienten (NYHA II–IV)

Typische Symptome:

  • Belastungsdyspnoe

  • Müdigkeit, reduzierte Leistungsfähigkeit

  • Ödeme

  • nächtliche Luftnot

In Leitlinien wird Entresto heute als zentrale Säule der modernen Herzinsuffizienztherapie empfohlen.


Wie wirkt Entresto im Körper?

3.1 Der klassische Weg: RAAS-Hemmung

Bei Herzinsuffizienz ist das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) dauerhaft aktiviert. Das führt zu:

  • Gefäßverengung

  • Salz- und Wasserretention

  • strukturellem Umbau des Herzens

Valsartan blockiert den Angiotensin-II-Rezeptor und wirkt:

  • blutdrucksenkend

  • entlastend für das Herz

  • remodellierungshemmend

3.2 Der neue Ansatz: Neprilysin-Hemmung

Neprilysin baut normalerweise günstige körpereigene Substanzen ab, darunter:

  • natriuretische Peptide (ANP, BNP)

  • Bradykinin

  • Adrenomedullin

Sacubitril hemmt dieses Enzym – die Folge:

  • Gefäßerweiterung

  • vermehrte Natriumausscheidung

  • Senkung der Vor- und Nachlast

  • antifibrotische Effekte

➡️ Entresto greift damit gleichzeitig in „schädliche“ und „schützende“ Systeme ein.


Was zeigt die Studienlage?

Der Durchbruch für Entresto kam mit der PARADIGM-HF-Studie, einer der wichtigsten Herzinsuffizienzstudien der letzten Jahrzehnte.

Zentrale Ergebnisse:

  • signifikante Reduktion der kardiovaskulären Mortalität

  • weniger Krankenhausaufenthalte wegen Herzinsuffizienz

  • Verbesserung der Lebensqualität

  • Vorteile gegenüber Enalapril (ACE-Hemmer), dem damaligen Therapiestandard

➡️ Aufgrund dieser Daten wurde Entresto frühzeitig in Leitlinien aufgenommen.


Stellenwert in aktuellen Leitlinien

Aktuelle europäische und deutsche Leitlinien empfehlen:

  • Entresto anstelle eines ACE-Hemmers oder ARBs

  • möglichst früh im Therapieverlauf, nicht erst als „letzte Option“

In Kombination mit:

  • Betablocker

  • Mineralokortikoid-Rezeptorantagonist

  • SGLT2-Inhibitor

spricht man heute von der „Vier-Säulen-Therapie“ der Herzinsuffizienz.


Dosierung und Einnahme

Entresto wird in verschiedenen Dosierungen angeboten. Die Therapie erfolgt meist einschleichend.

Typisches Vorgehen:

  • Start mit niedriger Dosis

  • langsame Aufdosierung im Abstand von Wochen

  • Ziel: höchste verträgliche Dosis

Einnahme:

  • in der Regel 2× täglich

  • unabhängig von den Mahlzeiten

⚠️ Wichtig: Zwischen Absetzen eines ACE-Hemmers und Beginn von Entresto muss eine 36-stündige Pause eingehalten werden (Angioödem-Risiko!).


Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie jedes wirksame Medikament kann auch Entresto Nebenwirkungen verursachen.

Häufige Nebenwirkungen:

  • Blutdruckabfall (Schwindel)

  • Hyperkaliämie

  • Verschlechterung der Nierenfunktion

Seltene, aber wichtige Nebenwirkung:

  • Angioödem (v. a. bei entsprechender Vorgeschichte)

➡️ Regelmäßige Kontrollen von:

  • Blutdruck

  • Nierenwerten

  • Kalium

sind daher fester Bestandteil der Therapie.


Für wen ist Entresto nicht geeignet?

Entresto sollte nicht eingesetzt werden bei:

  • Schwangerschaft

  • bekannter Angioödem-Anamnese unter ACE-Hemmern/ARB

  • schwerer Leberinsuffizienz

  • gleichzeitiger Einnahme eines ACE-Hemmers

  • ausgeprägter Hypotonie

Die Entscheidung erfolgt immer individuell und ärztlich begleitet.


Entresto im Praxisalltag – was ist wichtig?

Aus hausärztlicher Sicht besonders relevant:

  • rechtzeitige Identifikation geeigneter Patientinnen und Patienten

  • Aufklärung über Wirkung und mögliche Nebenwirkungen

  • strukturierte Laborkontrollen

  • enge Zusammenarbeit mit Kardiologie

Viele Patientinnen und Patienten berichten unter Entresto über:

  • bessere Belastbarkeit

  • weniger Luftnot

  • weniger Krankenhausaufenthalte


Prognose und Nutzen für Betroffene

Entresto ist kein Heilmittel, aber:

  • senkt nachweislich das Sterberisiko

  • verbessert Symptome

  • reduziert Hospitalisierungen

➡️ Damit trägt es wesentlich zu einer besseren Lebensqualität und Prognose bei Herzinsuffizienz bei.


Empfehlung von Gesundheits-Doc

Entresto® ist ein zentraler Baustein der modernen Herzinsuffizienztherapie mit klar belegtem Nutzen. Bei geeigneten Patientinnen und Patienten kann es die Prognose deutlich verbessern. Entscheidend sind eine sorgfältige Auswahl, eine langsame Aufdosierung und regelmäßige Kontrollen. Als Teil eines ganzheitlichen Therapiekonzepts leistet Entresto einen wichtigen Beitrag zu mehr Stabilität und Lebensqualität.


Nimmst du Entresto ein oder wurde dir das Medikament neu empfohlen? Nutze unseren Gesundheits-Doc-Medikamentencheck Herzinsuffizienz und sprich gezielt mit deiner Hausarzt- oder Kardiologie-Praxis über Wirkung, Dosierung und Kontrollen.


FAQ – Häufige Fragen (6)

1) Ist Entresto besser als ein ACE-Hemmer? Bei geeigneten Patientinnen und Patienten ja – Studien zeigen Vorteile gegenüber ACE-Hemmern.

2) Darf man Entresto mit einem ACE-Hemmer kombinieren? Nein. Es darf nur anstelle, nicht zusätzlich eingenommen werden.

3) Wie schnell wirkt Entresto? Symptomverbesserungen können innerhalb von Wochen auftreten.

4) Muss man Entresto lebenslang einnehmen? In der Regel ja, solange es gut vertragen wird und kein Gegenargument entsteht.

5) Ist Entresto auch bei normaler Ejektionsfraktion sinnvoll? Der Hauptnutzen besteht bei reduzierter Ejektionsfraktion; bei erhaltener EF ist die Evidenz begrenzter.

6) Wer kontrolliert die Therapie? In der Regel Hausarztpraxis in enger Abstimmung mit der Kardiologie.


Quellenbox (Auswahl)
  • ESC-Leitlinie zur Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz
  • PARADIGM-HF-Studie
  • Deutsches Ärzteblatt: ARNI in der Herzinsuffizienztherapie
  • Fachinformation Entresto®

Die auf der Seite Gesundheits-Doc wiedergegebenen Inhalte dienen der allgemeinen Information zu gesundheitsbezogenen Themen und ersetzen keine ärztliche Konsultation.

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