Medikamentencheck: Entresto®
- Gesundheits-Doc
- 31. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
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Herzinsuffizienz gehört zu den häufigsten und prognostisch bedeutsamsten Erkrankungen in der hausärztlichen und kardiologischen Praxis. Trotz moderner Therapie leiden viele Betroffene unter Luftnot, Leistungsminderung und häufigen Krankenhausaufenthalten. Mit Entresto® (Wirkstoffkombination Sacubitril/Valsartan) wurde ein Medikament eingeführt, das die Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion grundlegend verändert hat.
Doch was genau steckt hinter Entresto? Für wen ist es geeignet, wie wirkt es, welche Vorteile zeigt die Studienlage – und worauf sollte man in der Praxis achten? Dieser Medikamentencheck gibt einen strukturierten Überblick.
Was ist Entresto®?
Entresto® ist ein sogenannter ARNI (Angiotensin-Rezeptor–Neprilysin-Inhibitor). Es kombiniert zwei Wirkprinzipien in einem Medikament:
Sacubitril: Neprilysin-Hemmer
Valsartan: Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB)
Damit vereint Entresto zwei therapeutische Ansätze:
Hemmung schädlicher neurohormoneller Systeme (RAAS)
Verstärkung körpereigener, herzschützender Peptide
➡️ Entresto ersetzt in geeigneten Fällen einen ACE-Hemmer oder ARB – es wird nicht zusätzlich, sondern anstelle dieser Medikamente eingesetzt.
Für welche Patientinnen und Patienten ist Entresto zugelassen?
Entresto ist zugelassen zur Behandlung der:
chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (HFrEF)
meist definiert als LVEF ≤ 40 %
bei symptomatischen Patientinnen und Patienten (NYHA II–IV)
Typische Symptome:
Belastungsdyspnoe
Müdigkeit, reduzierte Leistungsfähigkeit
Ödeme
nächtliche Luftnot
In Leitlinien wird Entresto heute als zentrale Säule der modernen Herzinsuffizienztherapie empfohlen.
Wie wirkt Entresto im Körper?
3.1 Der klassische Weg: RAAS-Hemmung
Bei Herzinsuffizienz ist das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) dauerhaft aktiviert. Das führt zu:
Gefäßverengung
Salz- und Wasserretention
strukturellem Umbau des Herzens
Valsartan blockiert den Angiotensin-II-Rezeptor und wirkt:
blutdrucksenkend
entlastend für das Herz
remodellierungshemmend
3.2 Der neue Ansatz: Neprilysin-Hemmung
Neprilysin baut normalerweise günstige körpereigene Substanzen ab, darunter:
natriuretische Peptide (ANP, BNP)
Bradykinin
Adrenomedullin
Sacubitril hemmt dieses Enzym – die Folge:
Gefäßerweiterung
vermehrte Natriumausscheidung
Senkung der Vor- und Nachlast
antifibrotische Effekte
➡️ Entresto greift damit gleichzeitig in „schädliche“ und „schützende“ Systeme ein.
Was zeigt die Studienlage?
Der Durchbruch für Entresto kam mit der PARADIGM-HF-Studie, einer der wichtigsten Herzinsuffizienzstudien der letzten Jahrzehnte.
Zentrale Ergebnisse:
signifikante Reduktion der kardiovaskulären Mortalität
weniger Krankenhausaufenthalte wegen Herzinsuffizienz
Verbesserung der Lebensqualität
Vorteile gegenüber Enalapril (ACE-Hemmer), dem damaligen Therapiestandard
➡️ Aufgrund dieser Daten wurde Entresto frühzeitig in Leitlinien aufgenommen.
Stellenwert in aktuellen Leitlinien
Aktuelle europäische und deutsche Leitlinien empfehlen:
Entresto anstelle eines ACE-Hemmers oder ARBs
möglichst früh im Therapieverlauf, nicht erst als „letzte Option“
In Kombination mit:
Betablocker
Mineralokortikoid-Rezeptorantagonist
SGLT2-Inhibitor
spricht man heute von der „Vier-Säulen-Therapie“ der Herzinsuffizienz.
Dosierung und Einnahme
Entresto wird in verschiedenen Dosierungen angeboten. Die Therapie erfolgt meist einschleichend.
Typisches Vorgehen:
Start mit niedriger Dosis
langsame Aufdosierung im Abstand von Wochen
Ziel: höchste verträgliche Dosis
Einnahme:
in der Regel 2× täglich
unabhängig von den Mahlzeiten
⚠️ Wichtig: Zwischen Absetzen eines ACE-Hemmers und Beginn von Entresto muss eine 36-stündige Pause eingehalten werden (Angioödem-Risiko!).
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Wie jedes wirksame Medikament kann auch Entresto Nebenwirkungen verursachen.
Häufige Nebenwirkungen:
Blutdruckabfall (Schwindel)
Hyperkaliämie
Verschlechterung der Nierenfunktion
Seltene, aber wichtige Nebenwirkung:
Angioödem (v. a. bei entsprechender Vorgeschichte)
➡️ Regelmäßige Kontrollen von:
Blutdruck
Nierenwerten
Kalium
sind daher fester Bestandteil der Therapie.
Für wen ist Entresto nicht geeignet?
Entresto sollte nicht eingesetzt werden bei:
Schwangerschaft
bekannter Angioödem-Anamnese unter ACE-Hemmern/ARB
schwerer Leberinsuffizienz
gleichzeitiger Einnahme eines ACE-Hemmers
ausgeprägter Hypotonie
Die Entscheidung erfolgt immer individuell und ärztlich begleitet.
Entresto im Praxisalltag – was ist wichtig?
Aus hausärztlicher Sicht besonders relevant:
rechtzeitige Identifikation geeigneter Patientinnen und Patienten
Aufklärung über Wirkung und mögliche Nebenwirkungen
strukturierte Laborkontrollen
enge Zusammenarbeit mit Kardiologie
Viele Patientinnen und Patienten berichten unter Entresto über:
bessere Belastbarkeit
weniger Luftnot
weniger Krankenhausaufenthalte
Prognose und Nutzen für Betroffene
Entresto ist kein Heilmittel, aber:
senkt nachweislich das Sterberisiko
verbessert Symptome
reduziert Hospitalisierungen
➡️ Damit trägt es wesentlich zu einer besseren Lebensqualität und Prognose bei Herzinsuffizienz bei.
Empfehlung von Gesundheits-Doc
Entresto® ist ein zentraler Baustein der modernen Herzinsuffizienztherapie mit klar belegtem Nutzen. Bei geeigneten Patientinnen und Patienten kann es die Prognose deutlich verbessern. Entscheidend sind eine sorgfältige Auswahl, eine langsame Aufdosierung und regelmäßige Kontrollen. Als Teil eines ganzheitlichen Therapiekonzepts leistet Entresto einen wichtigen Beitrag zu mehr Stabilität und Lebensqualität.
Nimmst du Entresto ein oder wurde dir das Medikament neu empfohlen? Nutze unseren Gesundheits-Doc-Medikamentencheck Herzinsuffizienz und sprich gezielt mit deiner Hausarzt- oder Kardiologie-Praxis über Wirkung, Dosierung und Kontrollen.
FAQ – Häufige Fragen (6)
1) Ist Entresto besser als ein ACE-Hemmer? Bei geeigneten Patientinnen und Patienten ja – Studien zeigen Vorteile gegenüber ACE-Hemmern.
2) Darf man Entresto mit einem ACE-Hemmer kombinieren? Nein. Es darf nur anstelle, nicht zusätzlich eingenommen werden.
3) Wie schnell wirkt Entresto? Symptomverbesserungen können innerhalb von Wochen auftreten.
4) Muss man Entresto lebenslang einnehmen? In der Regel ja, solange es gut vertragen wird und kein Gegenargument entsteht.
5) Ist Entresto auch bei normaler Ejektionsfraktion sinnvoll? Der Hauptnutzen besteht bei reduzierter Ejektionsfraktion; bei erhaltener EF ist die Evidenz begrenzter.
6) Wer kontrolliert die Therapie? In der Regel Hausarztpraxis in enger Abstimmung mit der Kardiologie.
Quellenbox (Auswahl)
ESC-Leitlinie zur Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz
PARADIGM-HF-Studie
Deutsches Ärzteblatt: ARNI in der Herzinsuffizienztherapie
Fachinformation Entresto®
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