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Müdigkeit, Gewichtszunahme, Frieren: Steckt die Schilddrüse dahinter?


Grafik Schilddrüse

Müde, antriebslos, ständig kalt – und die Waage zeigt nach oben? Viele Menschen denken dann sofort: „Das muss die Schilddrüse sein.“ Tatsächlich kann eine Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) solche Beschwerden verursachen. Gleichzeitig sind genau diese Symptome sehr unspezifisch: Sie kommen auch bei Schlafmangel, Stress, Depression, Eisenmangel, Vitaminmangel, Diabetes, Medikamentennebenwirkungen, Wechseljahresbeschwerden oder Schlafapnoe vor.

Die gute Nachricht: Mit einer gezielten Diagnostik lässt sich meist schnell klären, ob die Schilddrüse beteiligt ist – und wenn ja, welche Form vorliegt und ob eine Behandlung sinnvoll ist. Genau dabei hilft ein strukturierter Ansatz, wie ihn Hausarzt-Leitlinien und internationale Empfehlungen beschreiben.


1) Was macht die Schilddrüse – und warum merkt man Störungen oft zuerst „im Alltag“?

Die Schilddrüse steuert über ihre Hormone (v. a. T4/Thyroxin und T3) den Stoffwechsel vieler Organe: Herz, Darm, Gehirn, Muskeln, Haut, Temperaturregulation. Geregelt wird das über ein „Thermostat“ im Gehirn: TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon). Wenn zu wenig Schilddrüsenhormon vorhanden ist, steigt TSH – die Schilddrüse soll „mehr arbeiten“. (AAFP)


2) Typische Symptome – aber: keines davon beweist eine Unterfunktion

Häufige Beschwerden bei Hypothyreose:

  • Müdigkeit, Leistungsknick, Konzentrationsprobleme

  • Frieren, Kälteempfindlichkeit

  • Gewichtszunahme (oft moderat)

  • trockene Haut, Haarausfall, brüchige Nägel

  • Verstopfung

  • depressive Verstimmung

  • bei ausgeprägter Hypothyreose: verlangsamter Puls, Heiserkeit, Schwellungen (AAFP)

Wichtig: Leitlinien betonen ausdrücklich: Symptome allein sind nicht handlungsleitend, weil sie unspezifisch sind – entscheidend sind die Blutwerte (TSH, fT4).


3) Wann ist die Schilddrüse wahrscheinlicher die Ursache?

Die Wahrscheinlichkeit steigt, wenn zusätzlich einer dieser Punkte zutrifft:

  • bekannte Schilddrüsenerkrankung oder Operation / Radiojod / Bestrahlung im Halsbereich

  • Autoimmunerkrankungen (z. B. Typ-1-Diabetes) oder Schilddrüsenerkrankungen in der Familie

  • bestimmte Medikamente (z. B. Amiodaron, Lithium)

  • deutlich erhöhte TSH-Werte im Verlauf


4) Welche Diagnostik ist sinnvoll?

Schritt 1: TSH messen – und bei Erhöhung fT4 dazu

Der Standard ist:

  • TSH als erster Marker

  • bei erhöhtem TSH: fT4 (freies Thyroxin) zur Einordnung (latent vs. manifest)

Schritt 2: Antikörper nur gezielt (z. B. TPO-AK)

Wenn ein erhöhtes TSH bestätigt ist, kann TPO-Antikörper helfen, eine Hashimoto-Thyreoiditis als Ursache zu stützen. Umgekehrt gilt: Keine TPO-Bestimmung bei normalem TSH „auf Verdacht“.

Schritt 3: Ultraschall nicht routinemäßig

Ein Schilddrüsen-Ultraschall ist sinnvoll bei Knoten, Struma, auffälligem Tastbefund oder speziellen Fragestellungen – aber nicht als Routine, nur weil Symptome bestehen.


5) Befunde richtig einordnen: latent vs. manifest – und Alter beachten

Manifeste Hypothyreose

  • TSH erhöht + fT4 erniedrigt→ Das ist eine klare Unterfunktion und wird in der Regel mit Levothyroxin behandelt.

Latente (subklinische) Hypothyreose

  • TSH erhöht + fT4 normal→ Hier ist die Lage differenzierter: Nicht jeder profitiert sofort von einer Therapie.

Ein häufiger Schwellenwert in Leitlinien:

  • Bei TSH > 10 mU/l wird eine Therapie oft empfohlen/erwogen (je nach Alter, Beschwerden, Wunsch, Schwangerschaft).

  • Bei Älteren kann man – gut aufgeklärt und mit Verlaufskontrollen – teils auch zunächst abwarten (Leitlinie nennt z. B. >75 Jahre und TSH <20 mU/l als Konstellation, in der Verzicht möglich sein kann).

Altersabhängige TSH-Grenzen

TSH steigt im höheren Alter oft etwas an. Die DEGAM/AWMF-Leitlinie beschreibt altersadjustierte Grenzwerte (z. B. >70–80 Jahre andere Schwellen als 18–70 Jahre).

Schwangerschaft/Kinderwunsch

In der Schwangerschaft gelten besondere Bedingungen – hier sollte die Steuerung ärztlich eng begleitet werden. Die Leitlinie betont außerdem: kein routinemäßiges TSH-Screening bei asymptomatischen Schwangeren ohne bekannte Schilddrüsenerkrankung.


6) Therapie: Was hilft wirklich?

Levothyroxin (L-Thyroxin) ist Standard

Internationale Empfehlungen betonen: Levothyroxin bleibt Standardtherapie der Hypothyreose. (PMC)

Praktisch wichtig: Einnahme und Wechselwirkungen

Damit es zuverlässig wirkt:

  • morgens nüchtern (mind. 30 Minuten vor dem Frühstück) oder abends vor dem Schlafengehen

  • Abstand zu Eisen, Calcium, Antazida etc., weil diese die Aufnahme stören können

Kontrolle nach Dosisstart/-änderung

TSH reagiert verzögert. Üblich ist eine Kontrolle nach einigen Wochen, bis stabile Werte erreicht sind; danach seltener. Die DEGAM-Leitlinie nennt z. B. eine TSH-Kontrolle nach 8 Wochen nach Beginn/Anpassung. Auch NICE beschreibt in seinen Empfehlungen, dass TSH zunächst häufiger kontrolliert wird, bis es stabil ist. (Guideline Central)

Was ist mit „Kombi-Therapie“ (T4+T3)?

Viele fragen danach, weil sie sich trotz normalem TSH nicht gut fühlen. Leitlinien sehen jedoch keine konsistent starke Evidenz, dass Alternativen einer Levothyroxin-Monotherapie überlegen sind. (PubMed)(Manchmal braucht es statt Therapiewechsel eher die Suche nach anderen Ursachen der Beschwerden.)


7) Wenn TSH normal ist – warum man trotzdem müde sein kann

Ist TSH (und bei Bedarf fT4) normal, ist eine relevante Hypothyreose eher unwahrscheinlich. Dann lohnt der Blick auf häufige „Doppelgänger“:

  • Schlafmangel/Schlafapnoe, Stress, depressive Episode

  • Eisenmangel/Anämie, Vitamin-D/B12-Mangel (je nach Kontext)

  • Diabetes/Insulinresistenz

  • Nebenwirkungen von Medikamenten (z. B. Betablocker, sedierende Mittel)

  • Bewegungsmangel, Alkohol, chronische Entzündungen

Genau hier ist der große Mehrwert einer strukturierten hausärztlichen Abklärung.


Empfehlung von Gesundheits-Doc

Gesundheits-Doc empfiehlt: Bei Symptomen wie Müdigkeit, Frieren und Gewichtszunahme ist die Schilddrüse ein wichtiger, aber nicht der einzige Verdacht. Sinnvoll ist ein klarer Diagnostikpfad: TSH → bei Erhöhung fT4 → je nach Befund gezielte Antikörperdiagnostik, statt „großer Rundumschläge“. Bei bestätigter Hypothyreose ist Levothyroxin die etablierte Standardtherapie – mit korrekter Einnahme und Verlaufskontrollen.


Hast du diese Beschwerden seit >4–6 Wochen? Dann nimm dir 2 Minuten für eine kleine Vorbereitung und sprich es beim Arzttermin gezielt an:

  1. Liste deine 3 Hauptsymptome + seit wann

  2. Gewichtsverlauf (z. B. +4 kg/6 Monate)

  3. Medikamente & Nahrungsergänzungen (Eisen/Calcium!)

  4. Bitte um TSH + fT4 (und nur bei Bedarf weitere Diagnostik)


📌 Tipp: Speichere diesen Beitrag und teile ihn mit jemandem, der „ständig müde“ ist – oft bringt eine strukturierte Abklärung schnell Klarheit.


Quellenbox (Auswahl)
  • DEGAM/AWMF S2k-Leitlinie „Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis“ – Diagnostikpfad, altersadjustierte TSH-Schwellen, Hinweise zu TPO/Ultraschall, Therapieüberlegungen (inkl. TSH >10).
  • American Thyroid Association Task Force: Guidelines for the Treatment of Hypothyroidism (2014) – Levothyroxin als Standard, Einordnung alternativer Therapien. (PMC)
  • AAFP (2021): Hypothyroidism: Diagnosis and Treatment – Symptome unspezifisch, Diagnostik über TSH/fT4, Therapieprinzipien. (AAFP)
  • NICE NG145 / Surveillance (2023) – Empfehlungen zur Abklärung/Überwachung (TSH/FT4) und Monitoring-Grundsätze. (NICE)

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