Diabetische Retinopathie: Wie häufig ist sie & was kann man tun?
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- vor 5 Tagen
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Die diabetische Retinopathie ist eine der häufigsten Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus und weltweit eine der führenden Ursachen für Sehverlust im erwerbsfähigen Alter. Besonders tückisch ist, dass die Erkrankung über Jahre unbemerkt verlaufen kann. Viele Betroffene haben lange keinerlei Beschwerden, obwohl sich im Hintergrund bereits relevante Schäden an den feinen Blutgefäßen der Netzhaut entwickeln.
Dieser Beitrag erklärt, wie häufig die diabetische Retinopathie ist, warum sie entsteht, wie sie verläuft und welche Möglichkeiten es heute gibt, das Sehvermögen zu schützen oder zu erhalten.
Was ist die diabetische Retinopathie?
Die diabetische Retinopathie ist eine mikrovaskuläre Folgeerkrankung des Diabetes. Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die kleinen Blutgefäße der Netzhaut (Retina), die für die Versorgung der lichtempfindlichen Sinneszellen verantwortlich sind.
Durch diese Gefäßschädigung kommt es zu:
Durchlässigkeit der Gefäßwände
Minderdurchblutung
später zu krankhaften Gefäßneubildungen
Die Netzhaut reagiert empfindlich auf Sauerstoffmangel und Durchblutungsstörungen, weshalb selbst kleine Veränderungen langfristig erhebliche Auswirkungen auf das Sehvermögen haben können.
Wie häufig ist die diabetische Retinopathie?
Die Häufigkeit hängt stark von Dauer und Einstellung des Diabetes ab. Studien zeigen, dass:
nach etwa 10 Jahren Diabetes ein erheblicher Teil der Betroffenen erste Netzhautveränderungen aufweist
nach 20 Jahren Diabetes die Mehrheit zumindest milde Zeichen einer Retinopathie entwickelt
Menschen mit Typ-1-Diabetes sind aufgrund des meist früheren Erkrankungsbeginns häufiger betroffen, bei Typ-2-Diabetes wird die Retinopathie jedoch oft später entdeckt, da der Diabetes lange unerkannt bestehen kann.
Wichtig ist: Eine gute Stoffwechseleinstellung kann das Risiko deutlich senken, aber nicht vollständig ausschließen.
Warum schädigt Diabetes die Netzhaut?
Der zentrale Mechanismus ist die dauerhafte Hyperglykämie. Erhöhte Blutzuckerwerte führen zu biochemischen Veränderungen in den Gefäßwänden. Diese verlieren ihre Stabilität, werden durchlässig und können sich verschließen.
Die Folge ist ein Teufelskreis aus Durchblutungsstörung, Sauerstoffmangel und Entzündungsreaktionen. Die Netzhaut versucht, den Sauerstoffmangel durch die Bildung neuer Gefäße zu kompensieren. Diese neu gebildeten Gefäße sind jedoch instabil und neigen zu Blutungen.
Stadien und Verlauf
Die diabetische Retinopathie verläuft typischerweise in mehreren Stadien.
In der frühen Phase, der nicht-proliferativen Retinopathie, finden sich kleine Gefäßaussackungen, punktförmige Blutungen oder Flüssigkeitsansammlungen. Das Sehvermögen ist oft noch unbeeinträchtigt.
Im weiteren Verlauf kann sich eine proliferative Retinopathie entwickeln. Dabei wachsen neue, krankhafte Gefäße in die Netzhaut und den Glaskörper ein. Diese können zu Blutungen, Narbenbildung und im schlimmsten Fall zu einer Netzhautablösung führen.
Eine besondere Rolle spielt das diabetische Makulaödem, bei dem sich Flüssigkeit im Bereich der Stelle des schärfsten Sehens ansammelt. Es ist eine der häufigsten Ursachen für Sehverschlechterung bei Diabetes.
Symptome – warum die Erkrankung oft spät auffällt
Ein großes Problem der diabetischen Retinopathie ist der lange symptomlose Verlauf. Viele Betroffene bemerken erst dann Veränderungen, wenn:
das Sehen unscharf wird
Verzerrungen auftreten
dunkle Flecken oder Schleier wahrgenommen werden
Zu diesem Zeitpunkt bestehen oft bereits fortgeschrittene Veränderungen. Deshalb ist die regelmäßige augenärztliche Kontrolle entscheidend – auch ohne Beschwerden.
Diagnostik: Wie wird die diabetische Retinopathie erkannt?
Die wichtigste Maßnahme ist die regelmäßige Augenhintergrunduntersuchung. Dabei kann der Augenarzt Veränderungen der Netzhaut frühzeitig erkennen.
Je nach Fragestellung kommen ergänzende Verfahren zum Einsatz, etwa spezielle bildgebende Untersuchungen, mit denen Gefäßveränderungen und Flüssigkeitseinlagerungen sichtbar gemacht werden. Diese Diagnostik erlaubt eine genaue Stadieneinteilung und Therapieplanung.
Was kann man tun? – Prävention und Therapie
Der wichtigste Schutzfaktor ist eine konsequente Einstellung des Diabetes. Gute Blutzuckerwerte, stabile Langzeitwerte und die Vermeidung starker Schwankungen reduzieren das Risiko deutlich.
Ebenso entscheidend ist die Kontrolle weiterer Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen. Sie beeinflussen den Verlauf der Retinopathie maßgeblich.
Ist bereits eine diabetische Retinopathie vorhanden, richtet sich die Therapie nach Stadium und Befund. Moderne augenärztliche Behandlungsverfahren ermöglichen es heute, das Fortschreiten häufig zu bremsen und das Sehvermögen zu stabilisieren. Entscheidend ist, dass die Erkrankung frühzeitig erkannt wird.
Rolle der hausärztlichen Betreuung
Hausärztinnen und Hausärzte spielen eine zentrale Rolle in der Prävention. Sie koordinieren:
die Stoffwechseleinstellung
die Kontrolle von Blutdruck und Begleiterkrankungen
die regelmäßige Überweisung zur augenärztlichen Kontrolle
Die diabetische Retinopathie ist ein klassisches Beispiel dafür, wie wichtig eine interdisziplinäre Betreuung ist.
Prognose
Die Prognose der diabetischen Retinopathie hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Bei frühzeitiger Diagnose, guter Stoffwechseleinstellung und moderner Therapie lassen sich schwere Sehverluste heute häufig verhindern oder zumindest deutlich hinauszögern.
Unbehandelt bleibt die Erkrankung jedoch eine der häufigsten Ursachen für Erblindung bei Menschen mit Diabetes.
Empfehlung von Gesundheits-Doc
Die diabetische Retinopathie ist häufig, lange symptomlos und potenziell folgenreich. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen, eine gute Blutzucker- und Blutdruckeinstellung sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Hausarzt, Diabetologie und Augenheilkunde sind der wirksamste Schutz für das Sehvermögen. Wer früh handelt, kann viel sehen – im wahrsten Sinne des Wortes.
Lebst du mit Diabetes oder hast du erhöhte Blutzuckerwerte? Nutze die Gesundheits-Doc-Checkliste „Augen schützen bei Diabetes“ und sprich mit deiner Hausarztpraxis über regelmäßige augenärztliche Vorsorge.
FAQ – Häufige Fragen (6)
1) Wie häufig ist die diabetische Retinopathie? Sie betrifft einen großen Teil der Menschen mit langjährigem Diabetes.
2) Kann man eine Retinopathie rückgängig machen? Strukturelle Schäden meist nicht, das Fortschreiten aber oft bremsen.
3) Ab wann sollte man zur Augenuntersuchung? Ab Diagnosestellung des Diabetes regelmäßig, auch ohne Beschwerden.
4) Ist gutes Sehen ein Zeichen, dass alles in Ordnung ist? Nein, frühe Stadien verlaufen oft symptomlos.
5) Spielen Blutfette und Blutdruck eine Rolle? Ja, sie beeinflussen den Verlauf erheblich.
6) Kann man trotz Retinopathie gut leben? Ja, bei früher Diagnose und konsequenter Behandlung häufig ohne relevante Einschränkungen.
Quellenbox (Auswahl)
Deutsches Ärzteblatt: Diabetische Retinopathie – Diagnostik und Therapie
Nationale VersorgungsLeitlinie Diabetes mellitus
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Leitlinien der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft
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