top of page

Erkältung, Grippe, COVID-19 oder RSV?

Menschen mit Virusinfekten


So ordnest du Symptome besser ein – und erkennst Warnzeichen rechtzeitig

Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen: Viele Atemwegsinfekte starten ähnlich – und gerade im Winter zirkulieren oft mehrere Erreger parallel. Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet in seinen wöchentlichen ARE-Berichten regelmäßig über gleichzeitig ansteigende bzw. zirkulierende Influenza-, RSV- und SARS-CoV-2-Nachweise. (Robert Koch-Institut)

Für Betroffene ist deshalb nicht die „perfekte Selbstdiagnose“ entscheidend, sondern drei praktische Fragen:

  1. Wie schwer krank fühle ich mich – und wie entwickeln sich die Symptome?

  2. Gehöre ich zu einer Risikogruppe?

  3. Gibt es Warnzeichen (Red Flags), die sofortige Abklärung brauchen?

Dieser Artikel hilft dir, typische Muster einzuordnen (ohne Scheinsicherheit) und zeigt klar, wann du ärztliche Hilfe suchen solltest.


1) Warum man Erkältung, Grippe, COVID-19 und RSV an Symptomen oft nicht sicher unterscheiden kann

Viele Symptome sind unspezifisch: Schnupfen, Husten, Halsschmerzen und Abgeschlagenheit kommen bei allen genannten Infekten vor. Auch Fieber ist möglich – je nach Erreger, Alter, Immunstatus und Impfstatus unterschiedlich ausgeprägt. Das RKI beschreibt für COVID-19 eine breite Symptompalette (Atemwegssymptome, teils auch neurologische Symptome wie Geruchs-/Geschmacksstörungen). (Robert Koch-Institut)

Merke: Symptome geben Hinweise, aber keinen sicheren Beweis. Wenn es für dich oder dein Umfeld wichtig ist (z. B. Risikopersonen, Pflege/Medizin, enges Zusammenleben), kann Testen sinnvoll sein – vor allem, um andere zu schützen.


2) Typische Muster: Was spricht eher wofür?

A) Erkältung (banaler Atemwegsinfekt)

Typisch:

  • schleichender Beginn

  • Schnupfen, Halskratzen/-schmerzen, Husten

  • eher kein oder nur leichtes Fieber

  • allgemeine Abgeschlagenheit

Erkältungen sind meist viral und selbstlimitierend; der Husten kann allerdings länger anhalten.

Eher dafür spricht: Du bist „angeschlagen“, aber nicht „schlagartig richtig krank“, und du kannst grundsätzlich noch Alltag bewältigen (wenn auch reduziert).

B) Grippe (Influenza)

Typisch:

  • plötzlicher Krankheitsbeginn

  • oft Fieber, deutliches Krankheitsgefühl

  • Kopf- und/oder Muskelschmerzen, Gliederschmerzen

  • trockener Husten, Halsschmerzen möglich

Der RKI-Ratgeber beschreibt die influenza-typische Symptomatik mit abruptem Beginn, Fieber sowie Husten/Halsschmerzen und Muskel-/Kopfschmerzen. (Robert Koch-Institut)

Eher dafür spricht: „Von jetzt auf gleich“ schwer krank, starkes Krankheitsgefühl, Bettlägerigkeit.

C) COVID-19 (SARS-CoV-2)

Typisch (häufig, aber variabel):

  • Schnupfen, Husten, Halsschmerzen, Kopf-/Gliederschmerzen

  • Fieber möglich (teils häufiger als bei Erkältungen)

  • teils Kurzatmigkeit/Atemnot

  • ggf. Geruchs-/Geschmacksstörungen (nicht immer)

Infektionsschutz.de und das RKI beschreiben COVID-19 als Atemwegserkrankung mit häufigen Erkältungszeichen; möglich sind auch Kurzatmigkeit/Atemnot sowie weitere (seltener) systemische Symptome. (Infektionsschutz)

Eher dafür spricht: Kontakt zu bestätigtem Fall, Ausbruchsituation, und/oder auffällige Atemnot/Belastungsdyspnoe – oder es „fühlt sich wie Grippe an“, ohne dass es typisch abrupt startet.

D) RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus)

Typisch:

  • oft zunächst Erkältungssymptome (Schnupfen, trockener Husten, ggf. Fieber)

  • kann auf die unteren Atemwege übergreifen → stärkerer Husten, ggf. Atemnot

Bei gesunden Erwachsenen verläuft RSV häufig mild; bei Säuglingen, älteren Menschen und Personen mit Vorerkrankungen kann RSV jedoch schwerer verlaufen. (Robert Koch-Institut)

Eher dafür spricht: Erkältungsstart, dann zunehmender Husten/Atemprobleme – besonders relevant bei Risikogruppen (z. B. hohes Alter, chronische Herz-/Lungenerkrankung).


3) Entscheidend: Verlauf und Schweregrad – nicht der „Name“ des Virus

In der Hausarztmedizin gilt: Bei akutem Husten sind Virusinfektionen die häufigste Ursache. Bei unauffälligen Vitalparametern und normaler Auskultation ist eine Pneumonie unwahrscheinlich – trotzdem müssen Red Flags konsequent beachtet werden.

Praktische Faustregeln:

  • Erkältung: meist milder, langsamer Beginn, nach 2–5 Tagen deutlich besser (Husten kann länger bleiben).

  • Grippe: häufig abrupt und „haut dich um“. (Robert Koch-Institut)

  • COVID-19/RSV: sehr variabel; entscheidend ist, ob Atemnot entsteht oder der Zustand sich deutlich verschlechtert. (Infektionsschutz)


4) Warnzeichen: Wann du ärztliche Hilfe brauchst

Die DEGAM-Leitlinie nennt zentrale Red Flags, bei denen eine zeitnahe Abklärung wichtig ist. Dazu zählen u. a.:

  • Stridor (pfeifendes Atemgeräusch),

  • Dyspnoe, Tachypnoe, Zyanose,

  • neu auftretender relevanter Abfall der Sauerstoffsättigung,

  • Tachykardie,

  • Thoraxschmerz,

  • Hämoptysen (Bluthusten),

  • schaumiger Auswurf,

  • kürzliches Thoraxtrauma oder Rauchgas-Inhalation.

Pulsoximeter zu Hause?Die DEGAM-Leitlinie weist darauf hin, dass die Oxygenierung (Pulsoxymetrie) zur Risikoeinschätzung bei Verdacht auf Influenza- oder COVID-19-Pneumonie gemessen werden sollte; eine periphere Sauerstoffsättigung < 90–92 % ist mit ungünstiger Prognose assoziiert.

Zusätzliche Gründe für ärztliche Abklärung (besonders, wenn neu oder zunehmend):

  • hohes Fieber über mehrere Tage oder erneute Verschlechterung nach kurzer Besserung

  • deutliche Trinkschwäche/Dehydratationszeichen

  • starke Verwirrtheit/Benommenheit

  • schwere Grunderkrankungen (Herz, Lunge, Immunsuppression) oder Schwangerschaft


5) Wer sollte frühzeitig ärztlichen Rat suchen?

Die Schwelle zur Abklärung ist niedriger bei:

  • Menschen ab höherem Alter (v. a. gebrechlich)

  • chronischen Herz-/Lungenerkrankungen, Diabetes mit Komplikationen, Nierenerkrankungen

  • Immunsuppression

  • Schwangerschaft

  • Säuglingen und kleinen Kindern (insbesondere bei RSV)

Für RSV betont das RKI: Bei bestimmten Risikokonstellationen (z. B. Vorerkrankungen/Frühgeborene) sollten bereits frühe Warnzeichen ärztlich abgeklärt werden; bei Erwachsenen ist der Verlauf oft mild, kann aber bei Risikogruppen schwerer sein. (Robert Koch-Institut)

Bei Influenza kann in Einzelfällen eine spezifische Therapie (Antiviralia) erwogen werden – besonders bei Personen mit erhöhtem Risiko; sinnvoll ist dies typischerweise früh, möglichst innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn. (Infektionsschutz)


6) Was du zu Hause tun kannst (sicher und sinnvoll)

Basismaßnahmen (für fast alle unkomplizierten Verläufe)

  • Schonung und Schlaf (der Körper braucht Energie fürs Immunsystem)

  • ausreichend trinken (Wasser, Tee, Brühe)

  • Fieber/Schmerzen: nach Bedarf geeignete Schmerz-/Fiebermittel in korrekter Dosierung (wenn verträglich; bei Vorerkrankungen/Medikamenten besser Rücksprache)

  • Nase frei bekommen: Kochsalzspray/-spülung; abschwellendes Nasenspray nur kurzzeitig (einige Tage)

  • Husten lindern: warme Getränke, ggf. Honig (nicht für Kinder < 1 Jahr), Luft befeuchten; Husten ist oft Schutzreflex – völlige „Ausschaltung“ ist nicht immer sinnvoll.

Was meist nicht hilft (und manchmal schadet)

  • Antibiotika bei Erkältung/akuter Bronchitis ohne Red Flags: in der Regel nicht sinnvoll, da meist viral.

  • „Durchpowern“ trotz starker Symptome: erhöht das Risiko für längere Verläufe und Komplikationen.


7) Testen – wann ist es sinnvoll?

Ein Test ist besonders sinnvoll, wenn:

  • du engen Kontakt zu Risikopersonen hast (Pflege, Immunsuppression, hohes Alter)

  • du im Gesundheits-/Pflegebereich arbeitest oder vulnerable Menschen betreust

  • du vor einem Besuch in Gemeinschaftseinrichtungen/bei revealing Symptomen Klarheit brauchst

  • du gezielt Maßnahmen zum Schutz anderer treffen willst

Für die medizinische Behandlung ist häufig nicht der Erregername entscheidend, sondern Schweregrad, Risikoprofil und Warnzeichen – dennoch kann die Erregerklärung (z. B. SARS-CoV-2, Influenza) je nach Situation therapeutische und organisatorische Konsequenzen haben. (Infektionsschutz)


8) Vorbeugung: Die wirksamsten Hebel

  • Händehygiene, Husten-/Niesetikette, bei Symptomen Abstand/Masken in Risikosituationen

  • Lüften, besonders in Innenräumen

  • Impfungen nach Empfehlung (v. a. Influenza; bei Risikogruppen auch weitere) – sie senken das Risiko schwerer Verläufe.


Fazit

  • Erkältung, Grippe, COVID-19 und RSV können sich ähnlich anfühlen – Symptome überschneiden sich. (Infektionsschutz)

  • Achte vor allem auf Verlauf, Schweregrad und Warnzeichen (Atemnot, Brustschmerz, Blut im Auswurf, niedrige Sättigung etc.).

  • Bei Risikogruppen gilt: lieber früher ärztlich abklären. (Robert Koch-Institut)


Quellen (Auswahl)

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
Buch: Symptome richtig verstehen

Symptome richtig verstehen

Ihr medizinischer Komplettkurs für mehr Sicherheit im Alltag

Operatives Team

Hüftarthrose - Wann eine OP erforderlich ist

Hüftarthrose ist ein fortschreitender Verschleiss des Hüftgelenks, ...

Stethoskop im Buch

Medizin & Gesundheit - Was sich 2026 ändert

Viele Reformen im deutschen Gesundheitswesen sind nicht als ....

bottom of page