Geschwollene Beine: Ursachen erkennen & wann zum Arzt?
- Gesundheits-Doc
- 1. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Gesundheits-Doc | verständlich · praxisnah · evidenzbasiert

Geschwollene Beine gehören zu den häufigsten Beschwerden in der hausärztlichen Praxis. Viele Betroffene beobachten abends dickere Knöchel, ein Spannungsgefühl in den Waden oder eine sichtbare Schwellung, die morgens wieder abklingt. In vielen Fällen steckt eine harmlose Ursache dahinter – etwa langes Sitzen oder Stehen. Manchmal können geschwollene Beine jedoch auch Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung sein.
Dieser Beitrag hilft dabei, die häufigsten Ursachen einzuordnen, Warnzeichen zu erkennen und zu verstehen, wann eine ärztliche Abklärung unbedingt erforderlich ist.
Was bedeutet „geschwollene Beine“ medizinisch?
Medizinisch spricht man von einem Ödem, wenn sich Flüssigkeit im Gewebe ansammelt. Besonders betroffen sind die Unterschenkel, Knöchel und Füße, da hier die Schwerkraft eine große Rolle spielt.
Typische Merkmale:
sichtbare Schwellung
Spannungs- oder Schweregefühl
glänzende Haut
evtl. Druckdelle nach Fingerdruck („pitting edema“)
Ödeme sind kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom, dessen Ursache geklärt werden sollte.
Häufige harmlose Ursachen
2.1 Bewegungsmangel und langes Sitzen
lange Autofahrten oder Flüge
Büroarbeit ohne Bewegung
stehende Tätigkeiten
➡️ Der venöse Rückfluss ist vermindert, Flüssigkeit sammelt sich in den Beinen.
2.2 Hitze
Hohe Temperaturen führen zu:
Erweiterung der Blutgefäße
vermehrtem Flüssigkeitsaustritt ins Gewebe
Sommerliche Beinödeme sind häufig unangenehm, aber meist ungefährlich.
2.3 Hormonelle Einflüsse
Menstruationszyklus
Schwangerschaft
hormonelle Verhütungsmittel
Diese Veränderungen können die Flüssigkeitsverteilung im Körper beeinflussen.
Venöse Ursachen – sehr häufig
3.1 Chronische Venenschwäche
Eine der häufigsten Ursachen geschwollener Beine.
Typisch sind:
abendliche Schwellung
sichtbare Krampfadern
Schwere- und Müdigkeitsgefühl
Hautveränderungen bei längerem Verlauf
3.2 Thrombose – ein medizinischer Notfall
Eine tiefe Beinvenenthrombose ist eine ernsthafte Erkrankung.
Warnzeichen:
plötzlich einseitig geschwollenes Bein
Schmerzen, Spannungsgefühl
Überwärmung, Rötung
Umfangsdifferenz der Beine
➡️ Sofort ärztlich abklären!
Herzbedingte Ursachen
Bei einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) kann das Herz das Blut nicht mehr effektiv zurückpumpen.
Typische Hinweise:
beidseitige Beinödeme
Zunahme im Tagesverlauf
Atemnot bei Belastung oder nachts
Gewichtszunahme durch Wassereinlagerung
➡️ Geschwollene Beine können hier ein frühes Warnsignal sein.
Nieren- und Lebererkrankungen
5.1 Nierenerkrankungen
Die Nieren regulieren den Flüssigkeitshaushalt. Bei Funktionsstörungen kommt es zu:
Wassereinlagerungen
oft auch Schwellungen im Gesicht oder an den Augenlidern
5.2 Lebererkrankungen
Bei fortgeschrittener Lebererkrankung können auftreten:
Beinödeme
Aszites (Bauchwassersucht)
allgemeine Leistungsminderung
Lymphatische Ursachen
Ein Lymphödem entsteht durch einen gestörten Abfluss der Lymphflüssigkeit.
Merkmale:
meist einseitig
harte, pralle Schwellung
später keine Druckdelle mehr
Hautverdickung im Verlauf
➡️ Lymphödeme erfordern eine spezialisierte Therapie.
Medikamentenbedingte Ödeme
Bestimmte Medikamente können Beinödeme begünstigen, z. B.:
Blutdruckmedikamente (z. B. Kalziumantagonisten)
Schmerzmittel
Hormonpräparate
➡️ Wichtig: Medikamente nicht eigenständig absetzen, sondern Rücksprache halten.
Wann sind geschwollene Beine gefährlich?
Eine ärztliche Abklärung ist dringend erforderlich, wenn:
die Schwellung plötzlich auftritt
nur ein Bein betroffen ist
Schmerzen, Rötung oder Überwärmung bestehen
Atemnot hinzukommt
die Schwellung morgens nicht zurückgeht
zusätzliche Symptome wie Herzrasen, Brustschmerz oder Fieber auftreten
Diagnostik: Was macht die Ärztin / der Arzt?
Die Abklärung erfolgt schrittweise:
ausführliches Gespräch (Anamnese)
körperliche Untersuchung
Blutuntersuchungen
ggf. Ultraschall der Beinvenen
Herz- oder Nierenabklärung bei Bedarf
In vielen Fällen kann die Ursache bereits in der Hausarztpraxis geklärt werden.
Was hilft bei geschwollenen Beinen?
Allgemeine Maßnahmen
regelmäßige Bewegung
Beine hochlagern
Kompressionsstrümpfe (bei venösen Ursachen)
Gewichtsnormalisierung
salzbewusste Ernährung
Die Therapie richtet sich immer nach der Ursache – nicht jedes Ödem wird gleich behandelt.
Empfehlung von Gesundheits-Doc
Geschwollene Beine sind ein häufiges Symptom mit vielen möglichen Ursachen – von harmlos bis behandlungsbedürftig. Entscheidend ist eine sorgfältige Einordnung der Begleitsymptome. Während hitze- oder bewegungsbedingte Schwellungen oft unproblematisch sind, können einseitige oder plötzlich auftretende Ödeme auf ernsthafte Erkrankungen hinweisen. Eine frühzeitige ärztliche Abklärung schafft Sicherheit und ermöglicht gezielte Behandlung.
Hast du wiederholt geschwollene Beine oder neue, ungeklärte Schwellungen bemerkt? Nutze die Gesundheits-Doc-Orientierungshilfe „Ödeme richtig einschätzen“ und sprich frühzeitig mit deiner Hausarztpraxis.
FAQ – Häufige Fragen (6)
1) Sind geschwollene Beine immer gefährlich? Nein, oft sind sie harmlos – aber sie sollten beobachtet werden.
2) Warum sind Beine abends stärker geschwollen? Durch Schwerkraft und Tagesbelastung sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe.
3) Helfen Kompressionsstrümpfe immer? Vor allem bei venösen Ursachen – nicht bei jeder Ödemform.
4) Können Medikamente Beinödeme verursachen? Ja, einige Wirkstoffe begünstigen Wassereinlagerungen.
5) Wann sollte ich sofort zum Arzt? Bei plötzlicher, einseitiger Schwellung oder Atemnot.
6) Gehen Ödeme von allein wieder weg? Harmlose Ödeme oft ja – krankhafte Ursachen benötigen Behandlung.
Quellenbox (Auswahl)
Deutsches Ärzteblatt: Ödeme – Ursachen und Diagnostik
Leitlinien zur chronischen Venenerkrankung
Nationale Versorgungsleitlinie Herzinsuffizienz
Übersichtsarbeiten zu Lymphödemen und Venenerkrankungen
Die auf der Seite Gesundheits-Doc wiedergegebenen Inhalte dienen der allgemeinen Information zu gesundheitsbezogenen Themen und ersetzen keine ärztliche Konsultation.




Kommentare