Lymphödem der Beine: Ursachen, Symptome & Behandlung
- Gesundheits-Doc
- 9. Jan.
- 4 Min. Lesezeit

Geschwollene Beine sind häufig – aber nicht jede Schwellung ist „Wassereinlagerung“. Ein Lymphödem entsteht, wenn das Lymphgefäßsystem Flüssigkeit und Eiweiße aus dem Gewebe nicht mehr ausreichend abtransportieren kann. Das führt zu einer chronischen Schwellung, die unbehandelt zu Bindegewebsvermehrung (Fibrose), Hautveränderungen und einem erhöhten Infektionsrisiko (z. B. Erysipel/Cellulitis) führen kann.
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Therapie lässt sich ein Lymphödem meist deutlich bessern und stabil halten – besonders, wenn früh begonnen wird.
1) Was ist ein Lymphödem – kurz verständlich
Das Lymphsystem sammelt Flüssigkeit, Eiweiße und Zellreste aus dem Gewebe ein und transportiert sie über Lymphgefäße und Lymphknoten zurück in den Blutkreislauf. Wenn Lymphgefäße oder Lymphknoten angeboren zu schwach sind oder erworben geschädigt wurden, staut sich die Lymphe – das Bein „läuft zu“.
Typisch: Das Ödem ist oft einseitig oder asymmetrisch, beginnt schleichend, macht ein Schwere-/Spannungsgefühl und verändert sich im Verlauf (von „weich eindrückbar“ zu „fester“).
2) Ursachen: primär vs. sekundär
Primäres Lymphödem (angeboren)
Hier ist das Lymphsystem von Geburt an fehlangelegt oder unterentwickelt. Beschwerden können in Kindheit, Pubertät oder erst im Erwachsenenalter auftreten.
Sekundäres Lymphödem (erworben) – die häufigere Form
Ursachen sind z. B.:
Operationen oder Bestrahlung (z. B. nach Tumorerkrankungen, Lymphknotenentfernung)
Entzündungen/Infektionen, Narben, Verletzungen
Starkes Übergewicht, Bewegungsmangel (als Verstärker)
Kombination mit venösen Problemen (chronische Venenschwäche) ist häufig
3) Typische Zeichen und Stadien
Häufige Symptome
Schwellung am Fuß/Knöchel/Unterschenkel, später auch Oberschenkel
Spannungsgefühl, „schweres Bein“, schneller Ermüdung
Druckstellen von Socken/Schuhen, Ringe/Schuhe passen schlechter
Haut kann trockener werden; im Verlauf: Verdickung/Verhärtung
Stadien (vereinfacht nach ISL)
Früh: weiche, oft eindrückbare Schwellung, noch gut rückbildungsfähig
Fortgeschritten: festere Schwellung, Fibrose
Schwer: deutliche Umfangszunahme, Hautveränderungen (z. B. Verhornung)
4) Wichtig: Abgrenzung zu anderen Ursachen geschwollener Beine
Das ist entscheidend, weil sich die Behandlung unterscheidet.
Lymphödem vs. Lipödem (häufige Verwechslung)
Lipödem: meist beidseitig symmetrisch, schmerzhaft, blaue Flecken, Füße typischerweise ausgespart („Hosenbein“-Eindruck).
Lymphödem: oft Fußrücken/Zehen mitbetroffen, Haut kann „teigig“ werden, später fester.
Lymphödem vs. venöses Ödem
Venös: oft mehr abends, besser nach Hochlagern, sichtbare Krampfadern/„Schweregefühl“.
Lymphatisch: eher dauerhaft, Fußrücken häufig mitbetroffen, langfristig Strukturveränderungen.
Sofort abklären: Thrombose-Verdacht
Plötzliche, einseitige Schwellung + Schmerz/Wärme/Verfärbung kann eine tiefe Beinvenenthrombose sein → zeitnah medizinisch abklären.
Ebenfalls dringlich: Hautinfektion (Cellulitis/Erysipel)
Warnzeichen: Rötung, Überwärmung, Schmerz, Fieber/Schüttelfrost, rasche Zunahme der Schwellung → ärztlich, oft Antibiotika nötig.
5) Diagnostik: so wird ein Lymphödem abgeklärt
In der Praxis läuft das meist so:
Anamnese: Beginn, Verlauf, Auslöser (OP/Bestrahlung?), Infekte, Gewicht, Schmerzen
Klinische Untersuchung: Verteilung (Fußrücken ja/nein), Eindrückbarkeit, Haut, Umfangmessung/Verlauf
Ausschluss anderer Ursachen (häufig per Ultraschall/Venencheck, je nach Befund)
Bei Bedarf spezielle Verfahren (z. B. lymphologische Diagnostik)
6) Behandlung: Was hilft wirklich?
Die Standardtherapie: Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE / CDT)
Die KPE ist die wichtigste konservative Behandlung und besteht aus mehreren Bausteinen, die zusammenwirken:
Manuelle Lymphdrainage (MLD)
Kompression (Bandagierung/Kompressionsstrümpfe, meist flachgestrickt)
Entstauende Bewegung/Training
Hautpflege (Infektionsschutz)
Patientenschulung/Selbstmanagement
Wichtig: Lymphdrainage ohne Kompression bringt meist nur kurz etwas – die Kompression hilft, das Ergebnis zu halten.
Zwei Phasen: Entstauung und Erhaltung
Intensivphase: häufigere Termine + Bandagierung zur Umfangreduktion
Erhaltungsphase: maßgefertigte Strümpfe, Übungen, Hautpflege, ggf. MLD nach Bedarf
Bewegung: „Muskelpumpe“ aktivieren
Regelmäßig, sanft und konsequent:
Gehen, Radfahren, Wassergymnastik
gezielte Fuß-/Wadenpumpe, Atemübungen. Kompression + Bewegung ist oft besonders effektiv.
Hautpflege & Infektionsschutz
Bei Lymphödem ist das Risiko für Cellulitis/Erysipel erhöht. Deshalb:
Haut täglich eincremen (Risse vermeiden)
kleine Verletzungen sofort versorgen/desinfizieren
Fußpflege, Pilzbehandlung (z. B. zwischen den Zehen) ernst nehmen
Apparative intermittierende Kompression (AIK)
Kann ergänzend sinnvoll sein (v. a. in der Erhaltungsphase) – individuell entscheiden, nicht „blind“ anwenden.
Medikamente?
„Entwässerungstabletten“ helfen beim reinen Lymphödem meist nicht dauerhaft (Ausnahme: wenn zusätzlich Herz-/Nierenprobleme o. ä. vorliegen). Das ist ein häufiger Irrtum.
Operationen (bei ausgewählten Fällen)
In spezialisierten Zentren kommen mikrochirurgische Verfahren (z. B. lymphovenöse Anastomosen) oder andere Eingriffe infrage – meist als Ergänzung, oft weiterhin mit Kompression.
7) Alltagstipps: Was du selbst tun kannst
Kompression konsequent tragen (wenn verordnet) – besonders bei langem Sitzen/Stehen
Beine bewegen: jede Stunde 2–3 Minuten Wadenpumpe/kurz gehen
Gewicht reduzieren, wenn Übergewicht besteht (entlastet das Lymphsystem)
Hitze meiden (Sauna/heißes Bad) kann Schwellung verstärken
Kleidung/Schuhe nicht einschnüren lassen
Auf Reisen: Kompression + regelmäßig aufstehen, trinken, Fußpumpe
8) Warnzeichen: Wann du nicht abwarten solltest
Bitte zeitnah ärztlich abklären bei:
Plötzlicher einseitiger Schwellung + Schmerz/Wärme/Verfärbung (Thromboseverdacht)
Roter, heißer, schmerzhafter Bereich am Bein + Fieber/Schüttelfrost (Cellulitis/Erysipel)
Atemnot/Brustschmerz nach Beinbeschwerden (Notfall)
Empfehlung von Gesundheits-Doc
Gesundheits-Doc empfiehlt: Wenn die Beinschwellung länger anhält oder wiederkehrt, lohnt sich eine gezielte Abklärung – besonders, um Lymphödem, Lipödem, venöse Ursachen oder Thrombose sauber zu unterscheiden. Ein bestätigtes Lymphödem sollte frühzeitig mit KPE + konsequenter Kompression + Bewegung + Hautpflege behandelt werden – das ist die wirksamste Strategie, um Fortschreiten und Infektionen zu vermeiden.
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Quellenbox (Auswahl)
AWMF S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Lymphödeme“ (Reg.-Nr. 058-001, PDF)
International Society of Lymphology (ISL): The Diagnosis and Treatment of Peripheral Lymphedema – 2020 Consensus Document
Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) Patientenratgeber 2025 „Lymphödem und Lipödem“
Deutsche Gesellschaft für Phlebologie: Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) – Patienteninfo
Mayo Clinic: Lymphedema – Diagnosis & treatment (u. a. Infektionsrisiko/Cellulitis)
NHS: Lymphoedema & Cellulitis (Warnzeichen/Behandlung)
Mayo Clinic: Deep vein thrombosis – Symptoms (Abgrenzung/Red Flags)
AWMF S2k-Leitlinie Lipödem (Differenzialdiagnose)






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