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Lymphödem der Beine: Ursachen, Symptome & Behandlung

Lymphödeme


Geschwollene Beine sind häufig – aber nicht jede Schwellung ist „Wassereinlagerung“. Ein Lymphödem entsteht, wenn das Lymphgefäßsystem Flüssigkeit und Eiweiße aus dem Gewebe nicht mehr ausreichend abtransportieren kann. Das führt zu einer chronischen Schwellung, die unbehandelt zu Bindegewebsvermehrung (Fibrose), Hautveränderungen und einem erhöhten Infektionsrisiko (z. B. Erysipel/Cellulitis) führen kann.

Die gute Nachricht: Mit der richtigen Therapie lässt sich ein Lymphödem meist deutlich bessern und stabil halten – besonders, wenn früh begonnen wird.


1) Was ist ein Lymphödem – kurz verständlich

Das Lymphsystem sammelt Flüssigkeit, Eiweiße und Zellreste aus dem Gewebe ein und transportiert sie über Lymphgefäße und Lymphknoten zurück in den Blutkreislauf. Wenn Lymphgefäße oder Lymphknoten angeboren zu schwach sind oder erworben geschädigt wurden, staut sich die Lymphe – das Bein „läuft zu“.

Typisch: Das Ödem ist oft einseitig oder asymmetrisch, beginnt schleichend, macht ein Schwere-/Spannungsgefühl und verändert sich im Verlauf (von „weich eindrückbar“ zu „fester“).


2) Ursachen: primär vs. sekundär

Primäres Lymphödem (angeboren)

Hier ist das Lymphsystem von Geburt an fehlangelegt oder unterentwickelt. Beschwerden können in Kindheit, Pubertät oder erst im Erwachsenenalter auftreten.

Sekundäres Lymphödem (erworben) – die häufigere Form

Ursachen sind z. B.:

  • Operationen oder Bestrahlung (z. B. nach Tumorerkrankungen, Lymphknotenentfernung)

  • Entzündungen/Infektionen, Narben, Verletzungen

  • Starkes Übergewicht, Bewegungsmangel (als Verstärker)

  • Kombination mit venösen Problemen (chronische Venenschwäche) ist häufig


3) Typische Zeichen und Stadien

Häufige Symptome

  • Schwellung am Fuß/Knöchel/Unterschenkel, später auch Oberschenkel

  • Spannungsgefühl, „schweres Bein“, schneller Ermüdung

  • Druckstellen von Socken/Schuhen, Ringe/Schuhe passen schlechter

  • Haut kann trockener werden; im Verlauf: Verdickung/Verhärtung

Stadien (vereinfacht nach ISL)

  • Früh: weiche, oft eindrückbare Schwellung, noch gut rückbildungsfähig

  • Fortgeschritten: festere Schwellung, Fibrose

  • Schwer: deutliche Umfangszunahme, Hautveränderungen (z. B. Verhornung)


4) Wichtig: Abgrenzung zu anderen Ursachen geschwollener Beine

Das ist entscheidend, weil sich die Behandlung unterscheidet.

Lymphödem vs. Lipödem (häufige Verwechslung)

  • Lipödem: meist beidseitig symmetrisch, schmerzhaft, blaue Flecken, Füße typischerweise ausgespart („Hosenbein“-Eindruck).

  • Lymphödem: oft Fußrücken/Zehen mitbetroffen, Haut kann „teigig“ werden, später fester.

Lymphödem vs. venöses Ödem

  • Venös: oft mehr abends, besser nach Hochlagern, sichtbare Krampfadern/„Schweregefühl“.

  • Lymphatisch: eher dauerhaft, Fußrücken häufig mitbetroffen, langfristig Strukturveränderungen.

Sofort abklären: Thrombose-Verdacht

Plötzliche, einseitige Schwellung + Schmerz/Wärme/Verfärbung kann eine tiefe Beinvenenthrombose sein → zeitnah medizinisch abklären.

Ebenfalls dringlich: Hautinfektion (Cellulitis/Erysipel)

Warnzeichen: Rötung, Überwärmung, Schmerz, Fieber/Schüttelfrost, rasche Zunahme der Schwellung → ärztlich, oft Antibiotika nötig.


5) Diagnostik: so wird ein Lymphödem abgeklärt

In der Praxis läuft das meist so:

  1. Anamnese: Beginn, Verlauf, Auslöser (OP/Bestrahlung?), Infekte, Gewicht, Schmerzen

  2. Klinische Untersuchung: Verteilung (Fußrücken ja/nein), Eindrückbarkeit, Haut, Umfangmessung/Verlauf

  3. Ausschluss anderer Ursachen (häufig per Ultraschall/Venencheck, je nach Befund)

  4. Bei Bedarf spezielle Verfahren (z. B. lymphologische Diagnostik)


6) Behandlung: Was hilft wirklich?

Die Standardtherapie: Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE / CDT)

Die KPE ist die wichtigste konservative Behandlung und besteht aus mehreren Bausteinen, die zusammenwirken:

  1. Manuelle Lymphdrainage (MLD)

  2. Kompression (Bandagierung/Kompressionsstrümpfe, meist flachgestrickt)

  3. Entstauende Bewegung/Training

  4. Hautpflege (Infektionsschutz)

  5. Patientenschulung/Selbstmanagement

Wichtig: Lymphdrainage ohne Kompression bringt meist nur kurz etwas – die Kompression hilft, das Ergebnis zu halten.

Zwei Phasen: Entstauung und Erhaltung

  • Intensivphase: häufigere Termine + Bandagierung zur Umfangreduktion

  • Erhaltungsphase: maßgefertigte Strümpfe, Übungen, Hautpflege, ggf. MLD nach Bedarf

Bewegung: „Muskelpumpe“ aktivieren

Regelmäßig, sanft und konsequent:

  • Gehen, Radfahren, Wassergymnastik

  • gezielte Fuß-/Wadenpumpe, Atemübungen. Kompression + Bewegung ist oft besonders effektiv.

Hautpflege & Infektionsschutz

Bei Lymphödem ist das Risiko für Cellulitis/Erysipel erhöht. Deshalb:

  • Haut täglich eincremen (Risse vermeiden)

  • kleine Verletzungen sofort versorgen/desinfizieren

  • Fußpflege, Pilzbehandlung (z. B. zwischen den Zehen) ernst nehmen

Apparative intermittierende Kompression (AIK)

Kann ergänzend sinnvoll sein (v. a. in der Erhaltungsphase) – individuell entscheiden, nicht „blind“ anwenden.

Medikamente?

„Entwässerungstabletten“ helfen beim reinen Lymphödem meist nicht dauerhaft (Ausnahme: wenn zusätzlich Herz-/Nierenprobleme o. ä. vorliegen). Das ist ein häufiger Irrtum.

Operationen (bei ausgewählten Fällen)

In spezialisierten Zentren kommen mikrochirurgische Verfahren (z. B. lymphovenöse Anastomosen) oder andere Eingriffe infrage – meist als Ergänzung, oft weiterhin mit Kompression.


7) Alltagstipps: Was du selbst tun kannst

  • Kompression konsequent tragen (wenn verordnet) – besonders bei langem Sitzen/Stehen

  • Beine bewegen: jede Stunde 2–3 Minuten Wadenpumpe/kurz gehen

  • Gewicht reduzieren, wenn Übergewicht besteht (entlastet das Lymphsystem)

  • Hitze meiden (Sauna/heißes Bad) kann Schwellung verstärken

  • Kleidung/Schuhe nicht einschnüren lassen

  • Auf Reisen: Kompression + regelmäßig aufstehen, trinken, Fußpumpe


8) Warnzeichen: Wann du nicht abwarten solltest

Bitte zeitnah ärztlich abklären bei:

  • Plötzlicher einseitiger Schwellung + Schmerz/Wärme/Verfärbung (Thromboseverdacht)

  • Roter, heißer, schmerzhafter Bereich am Bein + Fieber/Schüttelfrost (Cellulitis/Erysipel)

  • Atemnot/Brustschmerz nach Beinbeschwerden (Notfall)


Empfehlung von Gesundheits-Doc

Gesundheits-Doc empfiehlt: Wenn die Beinschwellung länger anhält oder wiederkehrt, lohnt sich eine gezielte Abklärung – besonders, um Lymphödem, Lipödem, venöse Ursachen oder Thrombose sauber zu unterscheiden. Ein bestätigtes Lymphödem sollte frühzeitig mit KPE + konsequenter Kompression + Bewegung + Hautpflege behandelt werden – das ist die wirksamste Strategie, um Fortschreiten und Infektionen zu vermeiden.


👉 Möchtest du eine kostenlose 1-seitige „Lymphödem-Alltagscheckliste“ (PDF) mit:

  • Kompressions-Reminder

  • Hautpflege-Plan

  • 5-Minuten-Übungsprogramm (Wade/Fuß)

  • Warnzeichen-Karte (Cellulitis/Thrombose)

Dann schreibe einfach „LYMPH-CHECK“ – ich erstelle sie dir im Gesundheits-Doc


Quellenbox (Auswahl)
  • AWMF S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Lymphödeme“ (Reg.-Nr. 058-001, PDF)
  • International Society of Lymphology (ISL): The Diagnosis and Treatment of Peripheral Lymphedema – 2020 Consensus Document
  • Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) Patientenratgeber 2025 „Lymphödem und Lipödem“
  • Deutsche Gesellschaft für Phlebologie: Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) – Patienteninfo
  • Mayo Clinic: Lymphedema – Diagnosis & treatment (u. a. Infektionsrisiko/Cellulitis)
  • NHS: Lymphoedema & Cellulitis (Warnzeichen/Behandlung)
  • Mayo Clinic: Deep vein thrombosis – Symptoms (Abgrenzung/Red Flags)
  • AWMF S2k-Leitlinie Lipödem (Differenzialdiagnose)

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