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Helicobacter-Gastritis: Symptome und Therapie

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Helicobacter

Die Helicobacter-pylori-Gastritis ist eine der häufigsten chronischen Infektionen des Magen-Darm-Trakts weltweit. Das Bakterium Helicobacter pylori besiedelt die Magenschleimhaut und kann dort über Jahre eine Entzündung verursachen – oft unbemerkt. Gleichzeitig ist es ein entscheidender Risikofaktor für Magengeschwüre, Zwölffingerdarmgeschwüre und langfristig auch für Magenkrebs.

Die gute Nachricht: H. pylori lässt sich in den meisten Fällen zuverlässig behandeln. Entscheidend sind eine korrekte Diagnostik, eine leitliniengerechte Eradikationstherapie und der Nachweis des Therapieerfolgs.


Was ist Helicobacter pylori – und warum ist das Bakterium so besonders?

Helicobacter pylori ist ein spiralig geformtes, bewegliches Bakterium, das sich an das extrem saure Milieu des Magens angepasst hat. Mithilfe des Enzyms Urease spaltet es Harnstoff zu Ammoniak und schafft sich so eine „Schutzzone“ in der Magenschleimhaut.

Dadurch kann es:

  • die Schleimhautbarriere schädigen

  • eine chronische Entzündung (Gastritis) unterhalten

  • die Säureproduktion beeinflussen (je nach Befallsmuster)

Langfristig kann die chronische Entzündung zu Schleimhautatrophie, intestinaler Metaplasie und in seltenen Fällen zu Malignomen führen.


Übertragung und Häufigkeit

Die Infektion erfolgt meist:

  • oral-oral oder fäkal-oral

  • häufig bereits im Kindesalter

Risikofaktoren sind:

  • enge Wohnverhältnisse

  • schlechte hygienische Bedingungen

  • niedriges sozioökonomisches Umfeld

In Deutschland sind etwa 30–40 % der Erwachsenen infiziert, bei älteren Menschen deutlich mehr. Viele Betroffene bleiben lebenslang asymptomatisch.


Symptome: Wie äußert sich eine Helicobacter-Gastritis?

3.1 Häufige Symptome

Die Beschwerden sind oft unspezifisch und können schleichend beginnen:

  • Druck- oder Schmerzgefühl im Oberbauch

  • Völlegefühl, frühe Sättigung

  • Übelkeit, gelegentlich Erbrechen

  • Aufstoßen, Blähungen

  • Appetitlosigkeit

Typisch ist, dass die Symptome nicht zwingend nahrungsabhängig sind und über längere Zeit bestehen.

3.2 Mögliche Komplikationen

Bei fortbestehender Infektion können auftreten:

  • Ulcus ventriculi (Magengeschwür)

  • Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür)

  • Blutungen (Teerstuhl, Anämie)

  • Eisenmangel ohne andere erkennbare Ursache

  • selten: MALT-Lymphom oder Magenkarzinom

3.3 Wichtig zu wissen

Ein erheblicher Teil der Infizierten hat keine Beschwerden. Dennoch kann eine Behandlung sinnvoll oder empfohlen sein – abhängig von Begleiterkrankungen und individuellen Risiken.


Diagnostik: Wie wird Helicobacter pylori nachgewiesen?

Die Diagnostik erfolgt nicht-invasiv oder invasiv – abhängig von Alter, Symptomen und Warnzeichen.

4.1 Nicht-invasive Tests

Geeignet bei jüngeren Patientinnen und Patienten ohne Alarmsymptome:

  • ¹³C-Harnstoff-Atemtest

    • sehr zuverlässig

    • auch ideal zur Therapiekontrolle

  • Stuhlantigen-Test

    • ebenfalls gut geeignet

    • etwas praxisabhängig in der Genauigkeit

⚠️ Wichtig: Protonenpumpenhemmer (PPI) müssen vor diesen Tests meist mindestens 2 Wochen pausiert werden, sonst drohen falsch-negative Ergebnisse.

4.2 Invasive Diagnostik (Gastroskopie)

Empfohlen bei:

  • Warnzeichen (z. B. Gewichtsverlust, Anämie, Blutung)

  • höherem Lebensalter

  • Therapieversagen

  • Verdacht auf Ulkus oder Tumor

Möglichkeiten:

  • Urease-Schnelltest aus Biopsie

  • Histologie

  • Kultur (selten, v. a. bei Resistenzen)


Therapie: Wie wird Helicobacter pylori behandelt?

Ziel ist die vollständige Eradikation des Bakteriums.

5.1 Wann sollte behandelt werden?

Eine Therapie wird empfohlen bei:

  • nachgewiesener H.-pylori-Infektion und

    • Ulkuskrankheit

    • MALT-Lymphom

    • positiver Familienanamnese für Magenkarzinom

    • chronischer Gastritis

    • ungeklärtem Eisenmangel

    • langfristiger NSAR- oder ASS-Therapie (je nach Konstellation)

In vielen Leitlinien gilt: „Test and treat“ – wer getestet und positiv ist, sollte in der Regel behandelt werden.

5.2 Standard-Eradikationstherapie

Da Resistenzen zugenommen haben, werden heute bevorzugt Vierfachtherapien eingesetzt.

Bismut-basierte Vierfachtherapie (10–14 Tage):

  • Protonenpumpenhemmer (PPI)

  • Bismut

  • Tetracyclin

  • Metronidazol

Alternativ (je nach regionaler Resistenzlage):

  • konkomitante Vierfachtherapie

    • PPI + Amoxicillin + Clarithromycin + Metronidazol

Die Therapietreue ist entscheidend: alle Medikamente vollständig und korrekt einnehmen.

5.3 Nebenwirkungen

Häufig, aber meist harmlos:

  • metallischer Geschmack

  • Übelkeit, Durchfall

  • dunkler Stuhl (bei Bismut)

Ein vorzeitiger Abbruch gefährdet den Therapieerfolg und begünstigt Resistenzen.


Therapiekontrolle: Wurde das Bakterium wirklich beseitigt?

Eine Erfolgskontrolle ist zwingend empfohlen, in der Regel:

  • 4–8 Wochen nach Therapieende

  • mittels Atemtest oder Stuhltest

Ohne Kontrolle bleibt unklar, ob:

  • die Infektion fortbesteht

  • ein Rezidiv droht

  • Komplikationen verhindert wurden


Was tun bei Therapieversagen?

Wenn der Eradikationsversuch nicht erfolgreich war:

  • erneute Therapie mit anderem Antibiotika-Schema

  • ggf. Kultur und Resistenztestung

  • enge ärztliche Begleitung

Mehrere Therapieversuche sind möglich – wichtig ist ein strukturiertes Vorgehen.


Empfehlung von Gesundheits-Doc

Eine Helicobacter-Gastritis ist häufig, oft lange unauffällig – aber medizinisch relevant. Bei nachgewiesener Infektion sollte die Eradikation konsequent durchgeführt und kontrolliert werden. Damit lassen sich Ulzera, Blutungen und langfristige Komplikationen zuverlässig vermeiden. Entscheidend sind eine passende Teststrategie, eine leitliniengerechte Antibiotikatherapie und der sichere Nachweis des Therapieerfolgs.


Leidest du unter anhaltenden Oberbauchbeschwerden oder hast einen positiven Helicobacter-Test erhalten? Nutze unsere Gesundheits-Doc-Checkliste „Magenbeschwerden & Helicobacter“ und kläre gemeinsam mit deiner Hausarzt- oder Gastroenterologie-Praxis Diagnostik, Therapie und Kontrolle.


FAQ – Häufige Fragen (6)

1) Ist Helicobacter pylori ansteckend? Ja, vermutlich über engen Kontakt. Eine gezielte Isolation ist im Alltag aber nicht erforderlich.

2) Muss jeder positive Test behandelt werden? In den meisten Fällen ja – insbesondere bei Gastritis, Ulkus oder Risikokonstellationen.

3) Kann Helicobacter von selbst verschwinden? Sehr selten. Ohne Therapie bleibt die Infektion meist lebenslang bestehen.

4) Reicht ein Säureblocker allein aus? Nein. PPI lindern Symptome, beseitigen das Bakterium aber nicht.

5) Ist die Therapie gefährlich? Nein. Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend – der Nutzen überwiegt deutlich.

6) Kann Helicobacter nach erfolgreicher Therapie zurückkommen? Ein echtes Wiederauftreten ist selten. Meist handelt es sich um eine unvollständige Eradikation.


Quellenbox (Auswahl)
  • S2k-Leitlinie „Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit“ – Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS)
  • Maastricht VI/Florence Consensus Report on the Management of Helicobacter pylori Infection
  • Cochrane Reviews zur H.-pylori-Eradikation
  • Nationale VersorgungsLeitlinie Dyspepsie

Die auf der Seite Gesundheits-Doc wiedergegebenen Inhalte dienen der allgemeinen Information zu gesundheitsbezogenen Themen und ersetzen keine ärztliche Konsultation.


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