Helicobacter-Gastritis: Symptome und Therapie
- Gesundheits-Doc
- 28. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
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Die Helicobacter-pylori-Gastritis ist eine der häufigsten chronischen Infektionen des Magen-Darm-Trakts weltweit. Das Bakterium Helicobacter pylori besiedelt die Magenschleimhaut und kann dort über Jahre eine Entzündung verursachen – oft unbemerkt. Gleichzeitig ist es ein entscheidender Risikofaktor für Magengeschwüre, Zwölffingerdarmgeschwüre und langfristig auch für Magenkrebs.
Die gute Nachricht: H. pylori lässt sich in den meisten Fällen zuverlässig behandeln. Entscheidend sind eine korrekte Diagnostik, eine leitliniengerechte Eradikationstherapie und der Nachweis des Therapieerfolgs.
Was ist Helicobacter pylori – und warum ist das Bakterium so besonders?
Helicobacter pylori ist ein spiralig geformtes, bewegliches Bakterium, das sich an das extrem saure Milieu des Magens angepasst hat. Mithilfe des Enzyms Urease spaltet es Harnstoff zu Ammoniak und schafft sich so eine „Schutzzone“ in der Magenschleimhaut.
Dadurch kann es:
die Schleimhautbarriere schädigen
eine chronische Entzündung (Gastritis) unterhalten
die Säureproduktion beeinflussen (je nach Befallsmuster)
Langfristig kann die chronische Entzündung zu Schleimhautatrophie, intestinaler Metaplasie und in seltenen Fällen zu Malignomen führen.
Übertragung und Häufigkeit
Die Infektion erfolgt meist:
oral-oral oder fäkal-oral
häufig bereits im Kindesalter
Risikofaktoren sind:
enge Wohnverhältnisse
schlechte hygienische Bedingungen
niedriges sozioökonomisches Umfeld
In Deutschland sind etwa 30–40 % der Erwachsenen infiziert, bei älteren Menschen deutlich mehr. Viele Betroffene bleiben lebenslang asymptomatisch.
Symptome: Wie äußert sich eine Helicobacter-Gastritis?
3.1 Häufige Symptome
Die Beschwerden sind oft unspezifisch und können schleichend beginnen:
Druck- oder Schmerzgefühl im Oberbauch
Völlegefühl, frühe Sättigung
Übelkeit, gelegentlich Erbrechen
Aufstoßen, Blähungen
Appetitlosigkeit
Typisch ist, dass die Symptome nicht zwingend nahrungsabhängig sind und über längere Zeit bestehen.
3.2 Mögliche Komplikationen
Bei fortbestehender Infektion können auftreten:
Ulcus ventriculi (Magengeschwür)
Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür)
Blutungen (Teerstuhl, Anämie)
Eisenmangel ohne andere erkennbare Ursache
selten: MALT-Lymphom oder Magenkarzinom
3.3 Wichtig zu wissen
Ein erheblicher Teil der Infizierten hat keine Beschwerden. Dennoch kann eine Behandlung sinnvoll oder empfohlen sein – abhängig von Begleiterkrankungen und individuellen Risiken.
Diagnostik: Wie wird Helicobacter pylori nachgewiesen?
Die Diagnostik erfolgt nicht-invasiv oder invasiv – abhängig von Alter, Symptomen und Warnzeichen.
4.1 Nicht-invasive Tests
Geeignet bei jüngeren Patientinnen und Patienten ohne Alarmsymptome:
¹³C-Harnstoff-Atemtest
sehr zuverlässig
auch ideal zur Therapiekontrolle
Stuhlantigen-Test
ebenfalls gut geeignet
etwas praxisabhängig in der Genauigkeit
⚠️ Wichtig: Protonenpumpenhemmer (PPI) müssen vor diesen Tests meist mindestens 2 Wochen pausiert werden, sonst drohen falsch-negative Ergebnisse.
4.2 Invasive Diagnostik (Gastroskopie)
Empfohlen bei:
Warnzeichen (z. B. Gewichtsverlust, Anämie, Blutung)
höherem Lebensalter
Therapieversagen
Verdacht auf Ulkus oder Tumor
Möglichkeiten:
Urease-Schnelltest aus Biopsie
Histologie
Kultur (selten, v. a. bei Resistenzen)
Therapie: Wie wird Helicobacter pylori behandelt?
Ziel ist die vollständige Eradikation des Bakteriums.
5.1 Wann sollte behandelt werden?
Eine Therapie wird empfohlen bei:
nachgewiesener H.-pylori-Infektion und
Ulkuskrankheit
MALT-Lymphom
positiver Familienanamnese für Magenkarzinom
chronischer Gastritis
ungeklärtem Eisenmangel
langfristiger NSAR- oder ASS-Therapie (je nach Konstellation)
In vielen Leitlinien gilt: „Test and treat“ – wer getestet und positiv ist, sollte in der Regel behandelt werden.
5.2 Standard-Eradikationstherapie
Da Resistenzen zugenommen haben, werden heute bevorzugt Vierfachtherapien eingesetzt.
Bismut-basierte Vierfachtherapie (10–14 Tage):
Protonenpumpenhemmer (PPI)
Bismut
Tetracyclin
Metronidazol
Alternativ (je nach regionaler Resistenzlage):
konkomitante Vierfachtherapie
PPI + Amoxicillin + Clarithromycin + Metronidazol
Die Therapietreue ist entscheidend: alle Medikamente vollständig und korrekt einnehmen.
5.3 Nebenwirkungen
Häufig, aber meist harmlos:
metallischer Geschmack
Übelkeit, Durchfall
dunkler Stuhl (bei Bismut)
Ein vorzeitiger Abbruch gefährdet den Therapieerfolg und begünstigt Resistenzen.
Therapiekontrolle: Wurde das Bakterium wirklich beseitigt?
Eine Erfolgskontrolle ist zwingend empfohlen, in der Regel:
4–8 Wochen nach Therapieende
mittels Atemtest oder Stuhltest
Ohne Kontrolle bleibt unklar, ob:
die Infektion fortbesteht
ein Rezidiv droht
Komplikationen verhindert wurden
Was tun bei Therapieversagen?
Wenn der Eradikationsversuch nicht erfolgreich war:
erneute Therapie mit anderem Antibiotika-Schema
ggf. Kultur und Resistenztestung
enge ärztliche Begleitung
Mehrere Therapieversuche sind möglich – wichtig ist ein strukturiertes Vorgehen.
Empfehlung von Gesundheits-Doc
Eine Helicobacter-Gastritis ist häufig, oft lange unauffällig – aber medizinisch relevant. Bei nachgewiesener Infektion sollte die Eradikation konsequent durchgeführt und kontrolliert werden. Damit lassen sich Ulzera, Blutungen und langfristige Komplikationen zuverlässig vermeiden. Entscheidend sind eine passende Teststrategie, eine leitliniengerechte Antibiotikatherapie und der sichere Nachweis des Therapieerfolgs.
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FAQ – Häufige Fragen (6)
1) Ist Helicobacter pylori ansteckend? Ja, vermutlich über engen Kontakt. Eine gezielte Isolation ist im Alltag aber nicht erforderlich.
2) Muss jeder positive Test behandelt werden? In den meisten Fällen ja – insbesondere bei Gastritis, Ulkus oder Risikokonstellationen.
3) Kann Helicobacter von selbst verschwinden? Sehr selten. Ohne Therapie bleibt die Infektion meist lebenslang bestehen.
4) Reicht ein Säureblocker allein aus? Nein. PPI lindern Symptome, beseitigen das Bakterium aber nicht.
5) Ist die Therapie gefährlich? Nein. Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend – der Nutzen überwiegt deutlich.
6) Kann Helicobacter nach erfolgreicher Therapie zurückkommen? Ein echtes Wiederauftreten ist selten. Meist handelt es sich um eine unvollständige Eradikation.
Quellenbox (Auswahl)
S2k-Leitlinie „Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit“ – Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS)
Maastricht VI/Florence Consensus Report on the Management of Helicobacter pylori Infection
Cochrane Reviews zur H.-pylori-Eradikation
Nationale VersorgungsLeitlinie Dyspepsie
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