Kribbeln (Dysästhesien) in Händen und Füßen: Ursachen & wann zum Arzt?
- Gesundheits-Doc
- 22. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
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Ein Kribbeln (Dysästhesien) in Händen oder Füßen kennen viele Menschen: Nach längerem Sitzen, beim Einschlafen auf dem Arm oder bei Kälte. In den meisten Fällen ist das harmlos und verschwindet rasch. Hält das Kribbeln jedoch an, tritt wiederholt auf oder geht mit weiteren Beschwerden einher, kann es ein Hinweis auf eine Störung der Nerven, der Durchblutung oder des Stoffwechsels sein. Medizinisch spricht man bei solchen Missempfindungen von Parästhesien. Entscheidend ist, zwischen vorübergehenden, gutartigen Ursachen und behandlungsbedürftigen Erkrankungen zu unterscheiden.
1) Was bedeutet „Kribbeln“ medizinisch?
Kribbeln, Ameisenlaufen, Brennen oder Taubheitsgefühle entstehen, wenn Nervenfasern gereizt, geschädigt oder vorübergehend in ihrer Funktion gestört sind. Dabei können sowohl periphere Nerven (in Armen und Beinen) als auch zentrale Strukturen (Rückenmark, Gehirn) betroffen sein. Auch Durchblutungsstörungen oder biochemische Veränderungen (z. B. Elektrolyt- oder Vitaminmangel) beeinflussen die Reizweiterleitung. Wichtig: Das subjektive Empfinden kann sehr unterschiedlich sein – die Ursache lässt sich daraus allein nicht sicher ableiten.
2) Häufige und meist harmlose Ursachen
Viele Kribbelgefühle haben banale Auslöser:
Druck auf Nerven: z. B. „eingeschlafener“ Arm oder Bein nach ungünstiger Haltung
Kälte oder schnelle Temperaturwechsel
Hyperventilation bei Stress oder Angst (veränderter Kalziumhaushalt)
Vorübergehende Durchblutungsminderung (z. B. enge Kleidung, langes Sitzen)
In diesen Fällen verschwindet das Kribbeln innerhalb von Minuten, spätestens nach Lagewechsel, Aufwärmen oder ruhiger Atmung. Eine ärztliche Abklärung ist hier in der Regel nicht notwendig.
3) Nervenbedingte Ursachen (häufig in der Praxis)
Persistierendes oder wiederkehrendes Kribbeln deutet häufig auf Nervenbeteiligung hin:
3.1 Periphere Polyneuropathie
Eine der häufigsten Ursachen für symmetrisches Kribbeln an Füßen (später auch Händen). Typisch sind „Socken-“ oder „Handschuh“-artige Missempfindungen. Häufige Auslöser:
Diabetes mellitus
Alkoholmissbrauch
Vitaminmangel (v. a. Vitamin B12)
Bestimmte Medikamente (z. B. Chemotherapeutika)
3.2 Engpasssyndrome
Hier werden Nerven lokal eingeengt:
Karpaltunnelsyndrom (Kribbeln/Taubheit in Daumen, Zeige-, Mittelfinger, v. a. nachts)
Ulnarisrinnen-Syndrom (Kleinfinger/Ringfinger)
Tarsaltunnel-Syndrom (Fußsohle)
3.3 Radikuläre Ursachen (Wirbelsäule)
Bandscheibenvorfälle oder degenerative Veränderungen können Nervenwurzeln reizen. Das Kribbeln folgt oft einem Dermatom (typische Ausbreitung), teils begleitet von Schmerzen oder Kraftminderung.
4) Stoffwechsel, Vitamine und innere Erkrankungen
Auch systemische Erkrankungen können Kribbeln verursachen:
Vitamin-B12-Mangel: häufig, oft schleichend; zusätzlich Müdigkeit, Gangunsicherheit, Gedächtnisprobleme
Diabetes mellitus: Nerven- und Gefäßschäden
Schilddrüsenerkrankungen
Elektrolytstörungen (Kalzium, Magnesium)
Nieren- oder Lebererkrankungen
Gerade Vitaminmängel werden häufig unterschätzt, sind aber gut behandelbar, wenn sie rechtzeitig erkannt werden.
5) Durchblutungsstörungen und Gefäßerkrankungen
Kribbeln kann auch durch Minderdurchblutung entstehen:
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): v. a. bei Rauchern/Diabetikern, oft belastungsabhängige Beschwerden
Raynaud-Syndrom: anfallsweise Weiß- oder Blauverfärbung der Finger mit Kribbeln, ausgelöst durch Kälte oder Stress
6) Wann ist Kribbeln ein Warnsignal?
Eine zeitnahe ärztliche Abklärung ist wichtig bei:
anhaltendem Kribbeln (> Tage/Wochen)
zunehmender Intensität oder Ausbreitung
zusätzlicher Muskelschwäche, Koordinationsstörungen oder Gangunsicherheit
einseitigem Auftreten
Kribbeln nach Infekt, Unfall oder neu begonnener Medikation
begleitenden Allgemeinsymptomen (Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Fieber)
Plötzliches Kribbeln mit Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen ist ein Notfall (Verdacht auf Schlaganfall).
7) Diagnostik: Was macht die Ärztin / der Arzt?
In der hausärztlichen Praxis stehen zunächst Anamnese und körperliche Untersuchung im Vordergrund. Je nach Befund folgen:
Blutuntersuchungen (z. B. Blutzucker, Vitamin B12, Elektrolyte, Schilddrüse)
Neurologische Tests (Reflexe, Sensibilität)
Überweisung zur Neurologie (Nervenleitgeschwindigkeit, EMG)
Bildgebung (z. B. MRT der Wirbelsäule) bei Verdacht auf strukturelle Ursachen
Orientiert wird sich dabei u. a. an Empfehlungen der Deutsche Gesellschaft für Neurologie.
Gesundheits-Doc Empfehlung
Kribbeln in Händen und Füßen ist häufig – aber nicht immer harmlos. Wenn Beschwerden anhalten, zunehmen oder von weiteren Symptomen begleitet werden, lohnt sich eine frühzeitige Abklärung. Viele Ursachen sind gut behandelbar, insbesondere wenn sie rechtzeitig erkannt werden.
👉 Selbst-Check: Seit wann besteht das Kribbeln? Ist es beidseitig? Gibt es Schmerzen, Taubheit oder Kraftverlust?👉 Nächster Schritt: Lass anhaltende Missempfindungen hausärztlich abklären – und teile diesen Beitrag mit Menschen, die solche Symptome „einfach aushalten“.
FAQ – 6 häufige Fragen
1) Ist Kribbeln immer ein Nervenproblem? Nein. Auch Durchblutungsstörungen, Vitaminmängel oder Elektrolytverschiebungen kommen infrage.
2) Kann Stress Kribbeln auslösen? Ja, z. B. durch Hyperventilation oder Muskelverspannungen.
3) Ist Kribbeln bei Diabetes gefährlich? Es kann ein frühes Zeichen einer diabetischen Neuropathie sein und sollte abgeklärt werden.
4) Hilft Vitamin B12 einfach „auf Verdacht“? Eine Einnahme sollte gezielt nach Diagnostik erfolgen, um Ursachen nicht zu übersehen.
5) Wann ist Kribbeln ein Notfall? Bei plötzlichem Beginn mit Lähmung, Sprach- oder Sehstörung sofort den Notruf wählen.
6) Kann Kribbeln wieder verschwinden? Ja, insbesondere bei reversiblen Ursachen wie Mangelzuständen oder Nervenkompression.
Quellenbox (Auswahl)
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Leitlinien zu Polyneuropathien
MSD Manual: Parästhesien – Ursachen und Diagnostik
NICE Clinical Knowledge Summaries: Peripheral neuropathy
UpToDate Reviews: Evaluation of numbness and tingling
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