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Refluxkrankheit: Ursache, Diagnostik & Therapie

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Refluxkrankheit

Die Refluxkrankheit – medizinisch gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) – zählt zu den häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Viele Menschen kennen das unangenehme Brennen hinter dem Brustbein oder saures Aufstoßen, oft besonders im Liegen oder nach üppigen Mahlzeiten. Was harmlos beginnt, kann sich bei anhaltenden Beschwerden zu einer chronischen Erkrankung entwickeln, die die Lebensqualität erheblich einschränkt und unbehandelt auch Folgeerkrankungen nach sich ziehen kann.

Dieser Beitrag erläutert verständlich und evidenzbasiert, wie Reflux entsteht, wie die Diagnose gestellt wird und welche Therapieoptionen heute empfohlen werden – von Lebensstilmaßnahmen über Medikamente bis hin zu operativen Verfahren.


Was ist die Refluxkrankheit?

Bei der Refluxkrankheit fließt Magensäure (teilweise auch Galle oder Enzyme) aus dem Magen zurück in die Speiseröhre. Die Schleimhaut der Speiseröhre ist – im Gegensatz zum Magen – nicht für den Kontakt mit Säure ausgelegt. Wiederholter oder anhaltender Säurekontakt führt zu Reizung, Entzündung und typischen Beschwerden.

Man unterscheidet:

  • Nicht-erosive Refluxkrankheit (NERD): Beschwerden ohne sichtbare Schleimhautschäden

  • Erosive Refluxkrankheit: mit entzündlichen Veränderungen der Speiseröhre

  • Extraösophageale Refluxmanifestationen: Beschwerden außerhalb der Speiseröhre (z. B. Husten, Heiserkeit)


Ursachen: Warum kommt es zu Reflux?

Die Refluxkrankheit ist multifaktoriell. Zentrale Rolle spielt der untere Ösophagussphinkter (UÖS) – ein funktioneller Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen.

2.1 Funktionsstörung des Schließmuskels

  • verminderter Ruhedruck

  • häufige, unkoordinierte Erschlaffungen→ Magensaft kann leichter aufsteigen

2.2 Zwerchfellbruch (Hiatushernie)

Ein Teil des Magens rutscht durch das Zwerchfell in den Brustraum. Dadurch:

  • Verlust der natürlichen Barriere

  • verstärkter Reflux, besonders im Liegen

2.3 Weitere begünstigende Faktoren

  • Übergewicht (erhöhter Bauchdruck)

  • große, fettreiche Mahlzeiten

  • Alkohol, Nikotin

  • Kaffee, Schokolade, scharfe Speisen (individuell unterschiedlich)

  • Schwangerschaft

  • Medikamente (z. B. Calciumantagonisten, Nitrate, bestimmte Schmerzmittel)


Symptome: Mehr als nur Sodbrennen

3.1 Typische Symptome

  • Sodbrennen (retrosternales Brennen)

  • Saures Aufstoßen

  • Druck- oder Schmerzgefühl hinter dem Brustbein

  • Beschwerden verstärken sich im Liegen oder nach dem Essen

3.2 Atypische / extraösophageale Symptome

Reflux kann sich auch ganz anders äußern:

  • chronischer Husten

  • Heiserkeit, Räusperzwang

  • Globusgefühl („Kloß im Hals“)

  • Asthmaähnliche Beschwerden

  • Zahnschmelzschäden

Diese Symptome erschweren die Diagnose, da der Zusammenhang mit Reflux nicht immer offensichtlich ist.


Wann wird Reflux problematisch?

Gelegentliches Sodbrennen ist weit verbreitet und meist harmlos. Bedenklich wird es bei:

  • häufigen Beschwerden (≥2×/Woche)

  • nächtlichen Symptomen

  • fehlender Besserung trotz Maßnahmen

  • Warnzeichen (siehe unten)

Unbehandelt kann chronischer Reflux zu:

  • Refluxösophagitis

  • Strikturen (Verengungen)

  • Barrett-Ösophagus (Vorstufe von Speiseröhrenkrebs)führen.


Diagnostik: Wie wird Reflux abgeklärt?

5.1 Klinische Diagnose & Therapieversuch

Bei typischen Beschwerden ohne Warnzeichen ist ein probatorischer Therapieversuch mit Protonenpumpenhemmern (PPI) zulässig. Bessern sich die Symptome deutlich, spricht dies für eine Refluxerkrankung.

5.2 Gastroskopie (Magenspiegelung)

Empfohlen bei:

  • Alarmzeichen

  • länger bestehendem oder therapieresistentem Reflux

  • Schluckstörungen

  • Blutarmut, Gewichtsverlust

Sie dient dem Nachweis von:

  • Schleimhautschäden

  • Barrett-Ösophagus

  • anderen Ursachen (z. B. Tumoren)

5.3 Funktionelle Diagnostik (bei unklaren Fällen)

  • 24-h-pH-Metrie: misst Säurebelastung der Speiseröhre

  • Impedanz-pH-Metrie: erfasst auch nicht-sauren Reflux

  • Ösophagusmanometrie: beurteilt die Motilität

Diese Verfahren kommen v. a. bei:

  • unklarer Symptomatik

  • geplanter OP

  • fehlendem Ansprechen auf Therapiezum Einsatz.


Therapie: Was hilft wirklich?

Die Therapie folgt einem Stufenkonzept und richtet sich nach Schweregrad, Beschwerdebild und individuellen Faktoren.

6.1 Lebensstilmaßnahmen – die Basis

Für viele Betroffene sehr wirksam:

  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht

  • kleinere, fettärmere Mahlzeiten

  • kein spätes Abendessen (≥3 h vor dem Schlafen)

  • Oberkörperhochlagerung nachts

  • Verzicht auf Nikotin

  • individuelle Trigger identifizieren und meiden

Diese Maßnahmen sind evidenzbasiert und sollten immer Teil der Therapie sein.

6.2 Medikamentöse Therapie

Protonenpumpenhemmer (PPI)

  • Goldstandard der Refluxtherapie

  • hemmen die Säureproduktion effektiv

  • Einnahme meist vor dem Frühstück

Beispiele: Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol

H2-Rezeptorblocker

  • schwächer als PPI

  • eher als Ergänzung oder bei leichten Verläufen

Antazida / Alginatpräparate

  • neutralisieren oder „überdecken“ Säure

  • kurzfristige Symptomlinderung

  • sinnvoll bei gelegentlichem Reflux

Wichtig: PPI sollten in niedrigster wirksamer Dosis und regelmäßig überprüft eingesetzt werden.

6.3 Langzeittherapie – Nutzen und Risiken

Bei chronischer GERD kann eine Dauertherapie notwendig sein. Wichtig ist:

  • regelmäßige Nutzen-Risiko-Abwägung

  • ggf. „Step-down“-Versuche

  • keine eigenmächtige Daueranwendung ohne ärztliche Kontrolle

6.4 Operative und interventionelle Verfahren

Bei:

  • therapieresistentem Reflux

  • Wunsch nach dauerhafter medikamentenfreier Lösung

  • anatomischer Ursache (z. B. große Hiatushernie)

Möglichkeiten:

  • Fundoplicatio (klassische Antireflux-OP)

  • minimal-invasive Verfahren (z. B. magnetischer Sphinkter)

Eine sorgfältige Diagnostik vor OP ist zwingend erforderlich.


Warnzeichen: Wann sollte man unbedingt zum Arzt?

Bitte zeitnah ärztlich abklären lassen bei:

  • Schluckbeschwerden

  • Blut im Stuhl oder Erbrechen von Blut

  • ungeklärtem Gewichtsverlust

  • anhaltender Heiserkeit

  • neu aufgetretenem Reflux im höheren Lebensalter

  • fehlender Wirkung der Therapie

Diese Symptome können auf Komplikationen oder andere Erkrankungen hinweisen.


Empfehlung von Gesundheits-Doc

Die Refluxkrankheit ist häufig, gut behandelbar – und sollte dennoch ernst genommen werden. Eine Kombination aus Lebensstilmaßnahmen und zielgerichteter medikamentöser Therapie ist meist sehr effektiv. Entscheidend ist, Warnzeichen nicht zu übersehen und bei anhaltenden Beschwerden eine strukturierte Diagnostik durchführen zu lassen, um Komplikationen frühzeitig zu vermeiden.


Leidest du regelmäßig unter Sodbrennen oder unspezifischen Beschwerden wie Husten oder Heiserkeit? Nutze unsere Gesundheits-Doc-Checkliste „Reflux & Sodbrennen“ und sprich gezielt mit deiner Hausarzt- oder Facharztpraxis über die nächsten sinnvollen Schritte.


FAQ – Häufige Fragen (6)

1) Ist Reflux gefährlich? Meist nicht – unbehandelt kann er jedoch zu Entzündungen und Komplikationen führen.

2) Hilft Milch gegen Sodbrennen? Kurzzeitig eventuell, langfristig kann sie die Säureproduktion sogar steigern.

3) Sind PPI auf Dauer schädlich? Sie sind gut untersucht. Eine dauerhafte Einnahme sollte jedoch regelmäßig überprüft werden.

4) Kann Stress Reflux auslösen? Ja. Stress beeinflusst Magenbewegung und Säuresekretion.

5) Was ist ein Barrett-Ösophagus? Eine Schleimhautveränderung der Speiseröhre als Folge chronischen Refluxes – mit erhöhtem Krebsrisiko.

6) Reicht Ernährung allein aus? Bei mildem Reflux oft ja, bei stärkerem Verlauf meist nicht.


Quellenbox (Auswahl)
  • S2k-Leitlinie „Gastroösophageale Refluxkrankheit“ – Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS)
  • ACG Clinical Guideline: Diagnosis and Management of GERD
  • European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) – Refluxdiagnostik
  • Cochrane Reviews zur PPI-Therapie bei GERD

Die auf der Seite Gesundheits-Doc wiedergegebenen Inhalte dienen der allgemeinen Information zu gesundheitsbezogenen Themen und ersetzen keine ärztliche Konsultation.

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