Refluxkrankheit: Ursache, Diagnostik & Therapie
- Gesundheits-Doc
- 28. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
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Die Refluxkrankheit – medizinisch gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) – zählt zu den häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Viele Menschen kennen das unangenehme Brennen hinter dem Brustbein oder saures Aufstoßen, oft besonders im Liegen oder nach üppigen Mahlzeiten. Was harmlos beginnt, kann sich bei anhaltenden Beschwerden zu einer chronischen Erkrankung entwickeln, die die Lebensqualität erheblich einschränkt und unbehandelt auch Folgeerkrankungen nach sich ziehen kann.
Dieser Beitrag erläutert verständlich und evidenzbasiert, wie Reflux entsteht, wie die Diagnose gestellt wird und welche Therapieoptionen heute empfohlen werden – von Lebensstilmaßnahmen über Medikamente bis hin zu operativen Verfahren.
Was ist die Refluxkrankheit?
Bei der Refluxkrankheit fließt Magensäure (teilweise auch Galle oder Enzyme) aus dem Magen zurück in die Speiseröhre. Die Schleimhaut der Speiseröhre ist – im Gegensatz zum Magen – nicht für den Kontakt mit Säure ausgelegt. Wiederholter oder anhaltender Säurekontakt führt zu Reizung, Entzündung und typischen Beschwerden.
Man unterscheidet:
Nicht-erosive Refluxkrankheit (NERD): Beschwerden ohne sichtbare Schleimhautschäden
Erosive Refluxkrankheit: mit entzündlichen Veränderungen der Speiseröhre
Extraösophageale Refluxmanifestationen: Beschwerden außerhalb der Speiseröhre (z. B. Husten, Heiserkeit)
Ursachen: Warum kommt es zu Reflux?
Die Refluxkrankheit ist multifaktoriell. Zentrale Rolle spielt der untere Ösophagussphinkter (UÖS) – ein funktioneller Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen.
2.1 Funktionsstörung des Schließmuskels
verminderter Ruhedruck
häufige, unkoordinierte Erschlaffungen→ Magensaft kann leichter aufsteigen
2.2 Zwerchfellbruch (Hiatushernie)
Ein Teil des Magens rutscht durch das Zwerchfell in den Brustraum. Dadurch:
Verlust der natürlichen Barriere
verstärkter Reflux, besonders im Liegen
2.3 Weitere begünstigende Faktoren
Übergewicht (erhöhter Bauchdruck)
große, fettreiche Mahlzeiten
Alkohol, Nikotin
Kaffee, Schokolade, scharfe Speisen (individuell unterschiedlich)
Schwangerschaft
Medikamente (z. B. Calciumantagonisten, Nitrate, bestimmte Schmerzmittel)
Symptome: Mehr als nur Sodbrennen
3.1 Typische Symptome
Sodbrennen (retrosternales Brennen)
Saures Aufstoßen
Druck- oder Schmerzgefühl hinter dem Brustbein
Beschwerden verstärken sich im Liegen oder nach dem Essen
3.2 Atypische / extraösophageale Symptome
Reflux kann sich auch ganz anders äußern:
chronischer Husten
Heiserkeit, Räusperzwang
Globusgefühl („Kloß im Hals“)
Asthmaähnliche Beschwerden
Zahnschmelzschäden
Diese Symptome erschweren die Diagnose, da der Zusammenhang mit Reflux nicht immer offensichtlich ist.
Wann wird Reflux problematisch?
Gelegentliches Sodbrennen ist weit verbreitet und meist harmlos. Bedenklich wird es bei:
häufigen Beschwerden (≥2×/Woche)
nächtlichen Symptomen
fehlender Besserung trotz Maßnahmen
Warnzeichen (siehe unten)
Unbehandelt kann chronischer Reflux zu:
Refluxösophagitis
Strikturen (Verengungen)
Barrett-Ösophagus (Vorstufe von Speiseröhrenkrebs)führen.
Diagnostik: Wie wird Reflux abgeklärt?
5.1 Klinische Diagnose & Therapieversuch
Bei typischen Beschwerden ohne Warnzeichen ist ein probatorischer Therapieversuch mit Protonenpumpenhemmern (PPI) zulässig. Bessern sich die Symptome deutlich, spricht dies für eine Refluxerkrankung.
5.2 Gastroskopie (Magenspiegelung)
Empfohlen bei:
Alarmzeichen
länger bestehendem oder therapieresistentem Reflux
Schluckstörungen
Blutarmut, Gewichtsverlust
Sie dient dem Nachweis von:
Schleimhautschäden
Barrett-Ösophagus
anderen Ursachen (z. B. Tumoren)
5.3 Funktionelle Diagnostik (bei unklaren Fällen)
24-h-pH-Metrie: misst Säurebelastung der Speiseröhre
Impedanz-pH-Metrie: erfasst auch nicht-sauren Reflux
Ösophagusmanometrie: beurteilt die Motilität
Diese Verfahren kommen v. a. bei:
unklarer Symptomatik
geplanter OP
fehlendem Ansprechen auf Therapiezum Einsatz.
Therapie: Was hilft wirklich?
Die Therapie folgt einem Stufenkonzept und richtet sich nach Schweregrad, Beschwerdebild und individuellen Faktoren.
6.1 Lebensstilmaßnahmen – die Basis
Für viele Betroffene sehr wirksam:
Gewichtsreduktion bei Übergewicht
kleinere, fettärmere Mahlzeiten
kein spätes Abendessen (≥3 h vor dem Schlafen)
Oberkörperhochlagerung nachts
Verzicht auf Nikotin
individuelle Trigger identifizieren und meiden
Diese Maßnahmen sind evidenzbasiert und sollten immer Teil der Therapie sein.
6.2 Medikamentöse Therapie
Protonenpumpenhemmer (PPI)
Goldstandard der Refluxtherapie
hemmen die Säureproduktion effektiv
Einnahme meist vor dem Frühstück
Beispiele: Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol
H2-Rezeptorblocker
schwächer als PPI
eher als Ergänzung oder bei leichten Verläufen
Antazida / Alginatpräparate
neutralisieren oder „überdecken“ Säure
kurzfristige Symptomlinderung
sinnvoll bei gelegentlichem Reflux
Wichtig: PPI sollten in niedrigster wirksamer Dosis und regelmäßig überprüft eingesetzt werden.
6.3 Langzeittherapie – Nutzen und Risiken
Bei chronischer GERD kann eine Dauertherapie notwendig sein. Wichtig ist:
regelmäßige Nutzen-Risiko-Abwägung
ggf. „Step-down“-Versuche
keine eigenmächtige Daueranwendung ohne ärztliche Kontrolle
6.4 Operative und interventionelle Verfahren
Bei:
therapieresistentem Reflux
Wunsch nach dauerhafter medikamentenfreier Lösung
anatomischer Ursache (z. B. große Hiatushernie)
Möglichkeiten:
Fundoplicatio (klassische Antireflux-OP)
minimal-invasive Verfahren (z. B. magnetischer Sphinkter)
Eine sorgfältige Diagnostik vor OP ist zwingend erforderlich.
Warnzeichen: Wann sollte man unbedingt zum Arzt?
Bitte zeitnah ärztlich abklären lassen bei:
Schluckbeschwerden
Blut im Stuhl oder Erbrechen von Blut
ungeklärtem Gewichtsverlust
anhaltender Heiserkeit
neu aufgetretenem Reflux im höheren Lebensalter
fehlender Wirkung der Therapie
Diese Symptome können auf Komplikationen oder andere Erkrankungen hinweisen.
Empfehlung von Gesundheits-Doc
Die Refluxkrankheit ist häufig, gut behandelbar – und sollte dennoch ernst genommen werden. Eine Kombination aus Lebensstilmaßnahmen und zielgerichteter medikamentöser Therapie ist meist sehr effektiv. Entscheidend ist, Warnzeichen nicht zu übersehen und bei anhaltenden Beschwerden eine strukturierte Diagnostik durchführen zu lassen, um Komplikationen frühzeitig zu vermeiden.
Leidest du regelmäßig unter Sodbrennen oder unspezifischen Beschwerden wie Husten oder Heiserkeit? Nutze unsere Gesundheits-Doc-Checkliste „Reflux & Sodbrennen“ und sprich gezielt mit deiner Hausarzt- oder Facharztpraxis über die nächsten sinnvollen Schritte.
FAQ – Häufige Fragen (6)
1) Ist Reflux gefährlich? Meist nicht – unbehandelt kann er jedoch zu Entzündungen und Komplikationen führen.
2) Hilft Milch gegen Sodbrennen? Kurzzeitig eventuell, langfristig kann sie die Säureproduktion sogar steigern.
3) Sind PPI auf Dauer schädlich? Sie sind gut untersucht. Eine dauerhafte Einnahme sollte jedoch regelmäßig überprüft werden.
4) Kann Stress Reflux auslösen? Ja. Stress beeinflusst Magenbewegung und Säuresekretion.
5) Was ist ein Barrett-Ösophagus? Eine Schleimhautveränderung der Speiseröhre als Folge chronischen Refluxes – mit erhöhtem Krebsrisiko.
6) Reicht Ernährung allein aus? Bei mildem Reflux oft ja, bei stärkerem Verlauf meist nicht.
Quellenbox (Auswahl)
S2k-Leitlinie „Gastroösophageale Refluxkrankheit“ – Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS)
ACG Clinical Guideline: Diagnosis and Management of GERD
European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) – Refluxdiagnostik
Cochrane Reviews zur PPI-Therapie bei GERD
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