Tennisellenbogen: Warum und was hilft?
- Gesundheits-Doc
- 31. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
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Der Tennisellenbogen gehört zu den häufigsten schmerzhaften Überlastungserkrankungen des Arms. Trotz seines Namens betrifft er längst nicht nur Tennisspieler – im Gegenteil: Die Mehrzahl der Betroffenen hat nie einen Tennisschläger in der Hand gehalten. Büroarbeit, handwerkliche Tätigkeiten, Gartenarbeit oder monotone Bewegungen im Alltag reichen aus, um die typischen Beschwerden auszulösen.
Viele Patientinnen und Patienten erleben einen langwierigen Verlauf mit wiederkehrenden Schmerzen, eingeschränkter Belastbarkeit und Unsicherheit darüber, was wirklich hilft. Dieser Artikel erklärt fundiert, warum ein Tennisellenbogen entsteht, wie die Diagnose gestellt wird und welche Therapieansätze nach aktuellem Wissensstand sinnvoll sind – und welche eher kritisch zu betrachten sind.
Was ist ein Tennisellenbogen?
Der Tennisellenbogen wird medizinisch als Epicondylitis lateralis humeri bezeichnet. Gemeint ist eine schmerzhafte Reizung bzw. Degeneration der Sehnenansätze an der Außenseite des Ellenbogens.
Betroffen sind vor allem:
die Sehnen der Hand- und Fingerstrecker
deren Ansatz am äußeren Oberarmknochen (lateraler Epicondylus)
Entscheidend ist:➡️ Es handelt sich meist nicht um eine klassische Entzündung, sondern um eine Überlastung mit strukturellen Veränderungen des Sehnengewebes.
Warum heißt es „Tennisellenbogen“?
Der Name stammt aus der Sportmedizin, da die Erkrankung ursprünglich häufig bei Tennisspielern beobachtet wurde – insbesondere bei:
falscher Schlagtechnik
ungeeignetem Schläger
häufiger Rückhandbelastung
Heute weiß man:➡️ Alltägliche Bewegungen sind der weitaus häufigere Auslöser.
Ursachen: Warum entsteht ein Tennisellenbogen?
Der Tennisellenbogen entsteht durch wiederholte, einseitige Belastungen, bei denen die Unterarmmuskulatur ständig aktiviert wird.
Häufige Auslöser im Alltag
langes Arbeiten mit Maus und Tastatur
handwerkliche Tätigkeiten (Schrauben, Hämmern, Streichen)
Gartenarbeit (Heckenschere, Schaufel)
Tragen schwerer Gegenstände
wiederholte Drehbewegungen des Unterarms
Pathophysiologisch betrachtet
Durch die Dauerbelastung kommt es zu:
Mikroverletzungen im Sehnenansatz
unzureichender Regeneration
strukturellem Umbau des Gewebes
Das Ergebnis ist ein chronischer Reizzustand, der bei Belastung schmerzt.
Typische Symptome
Der Tennisellenbogen zeigt meist ein sehr charakteristisches Beschwerdebild:
Schmerz an der Außenseite des Ellenbogens
Ausstrahlung in Unterarm oder Hand
Schmerzen bei:
Greifen
Heben
Drehbewegungen
Kraftverlust der Hand
Druckschmerz über dem Sehnenansatz
Im Verlauf können selbst einfache Tätigkeiten wie das Öffnen einer Flasche schmerzhaft werden.
Diagnostik: Wie wird ein Tennisellenbogen festgestellt?
5.1 Klinische Untersuchung
Die Diagnose ist meist eine klinische Diagnose:
gezielte Drucktests
Provokationstests (z. B. Streckung gegen Widerstand)
Vergleich beider Seiten
5.2 Bildgebung
In der Regel nicht notwendig, kann aber sinnvoll sein bei:
untypischem Verlauf
Therapieresistenz
Verdacht auf andere Ursachen
Mögliche Verfahren:
Ultraschall
MRT (bei komplexen Verläufen)
Was hilft wirklich? – Therapieoptionen im Überblick
Die gute Nachricht:➡️ Ein Tennisellenbogen heilt in den meisten Fällen aus.Die Herausforderung ist der oft langwierige Verlauf.
6.1 Schonung – aber richtig
Komplette Ruhigstellung ist selten sinnvoll. Ziel ist:
Belastungsreduktion, nicht Inaktivität
Vermeidung schmerzauslösender Bewegungen
Anpassung von Arbeitsabläufen
6.2 Physiotherapie & gezieltes Training
Eine der wichtigsten Therapiesäulen.
Wirksam sind insbesondere:
exzentrisches Training der Unterarmmuskulatur
Dehnübungen
Koordinations- und Kraftaufbau
➡️ Passive Maßnahmen allein (z. B. Massage) reichen meist nicht aus.
6.3 Bandagen und Orthesen
Sogenannte Epicondylitis-Spangen können:
den Sehnenansatz entlasten
Schmerzen im Alltag reduzieren
Sie sind eine unterstützende Maßnahme, ersetzen aber keine aktive Therapie.
6.4 Schmerzmedikamente
NSAR (z. B. Ibuprofen) können kurzfristig helfen
sinnvoll bei akuter Schmerzphase
⚠️ Nicht als Dauerlösung geeignet, da sie die Ursache nicht beheben.
6.5 Injektionstherapien – kritisch betrachtet
Kortisoninjektionen können kurzfristig Schmerzen lindern
langfristig jedoch:
höhere Rückfallrate
schlechtere Gewebeheilung
➡️ Heute wird Kortison eher zurückhaltend eingesetzt.
Andere Verfahren (z. B. PRP, Stoßwelle) zeigen teils positive Effekte, die Studienlage ist jedoch uneinheitlich.
6.6 Operation – nur selten erforderlich
Eine Operation ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll:
Beschwerden > 12 Monate
Versagen konservativer Therapie
deutliche funktionelle Einschränkung
Der überwiegende Teil der Betroffenen kommt ohne Operation aus.
Wie lange dauert die Heilung?
Geduld ist entscheidend:
viele Verläufe: 3–6 Monate
manche Fälle: bis zu 12 Monate
➡️ Eine langsame Besserung ist typisch und kein Zeichen einer falschen Therapie.
Was kann man selbst tun?
ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
regelmäßige Pausen
gezielte Kräftigungsübungen
Belastungen variieren
frühes Reagieren bei ersten Schmerzen
Frühe Maßnahmen verhindern häufig einen chronischen Verlauf.
Prognose
Die Prognose ist insgesamt sehr gut:
die meisten Betroffenen werden wieder schmerzfrei
vollständige Belastbarkeit ist meist erreichbar
Rückfälle sind möglich, aber vermeidbar durch Prävention
Empfehlung von Gesundheits-Doc
Der Tennisellenbogen ist eine häufige, meist gutartige Überlastungserkrankung mit oft langem, aber günstigen Verlauf. Entscheidend sind eine frühe Diagnose, eine aktive Therapie mit gezieltem Training und Geduld. Passive Maßnahmen allein reichen selten aus. Mit konsequenter Behandlung lassen sich Schmerzen lindern und die Funktion in den allermeisten Fällen vollständig wiederherstellen.
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FAQ – Häufige Fragen (6)
1) Ist ein Tennisellenbogen eine Entzündung? Meist nein – es handelt sich überwiegend um eine degenerative Überlastung.
2) Muss man den Arm ruhigstellen? Nein, gezielte Bewegung ist wichtiger als komplette Schonung.
3) Helfen Kortisonspritzen? Kurzfristig ja, langfristig eher kritisch zu bewerten.
4) Kann ein Tennisellenbogen chronisch werden? Ja, insbesondere bei fortgesetzter Überlastung.
5) Ist Sport erlaubt? Ja, sofern schmerzadaptierte Belastung eingehalten wird.
6) Wann ist eine OP nötig? Nur selten, bei langanhaltenden, therapieresistenten Beschwerden.
Quellenbox (Auswahl)
Deutsches Ärzteblatt: Epicondylitis lateralis – Diagnostik und Therapie
Cochrane Reviews: Conservative treatments for lateral elbow pain
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie
Aktuelle Übersichtsarbeiten zur exzentrischen Trainingstherapie






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