Appendizitis: Wann wird es gefährlich?
- Gesundheits-Doc
- 27. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
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Einleitung: Bauchschmerzen sind nicht gleich harmlos
Bauchschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden in der hausärztlichen und notfallmedizinischen Praxis. In vielen Fällen stecken harmlose Ursachen dahinter – von Magen-Darm-Infekten über Blähungen bis hin zu stressbedingten Reaktionen. Doch es gibt auch Situationen, in denen Bauchschmerzen ein ernstzunehmendes Warnsignal darstellen. Eine der wichtigsten und zugleich tückischsten Ursachen ist die Appendizitis, die Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis).
Die Appendizitis zählt zu den häufigsten Gründen für eine notfallmäßige Operation im Bauchraum. Besonders problematisch: Die Symptome können anfangs unspezifisch sein und werden daher oft unterschätzt oder fehlinterpretiert. Verzögert sich die Diagnose, drohen schwerwiegende Komplikationen wie ein Durchbruch des Blinddarms (Appendixperforation) mit lebensbedrohlicher Bauchfellentzündung.
Dieser Artikel erklärt verständlich, wie eine Appendizitis entsteht, welche Symptome typisch sind, wann es gefährlich wird und warum schnelles ärztliches Handeln entscheidend ist.
Was ist eine Appendizitis?
Die Appendizitis ist eine Entzündung des Wurmfortsatzes, einer kleinen, fingerförmigen Ausstülpung des Blinddarms (Caecum), der sich im rechten Unterbauch befindet. Trotz seines Namens hat der „Blinddarm“ selbst mit der Erkrankung nichts zu tun – betroffen ist ausschließlich der Wurmfortsatz.
Warum entzündet sich der Wurmfortsatz?
In den meisten Fällen kommt es zu einer Abflussstörung des engen Lumens der Appendix. Mögliche Auslöser sind:
Verhärteter Stuhl (Kotsteine, sogenannte Koprolithen)
Geschwollene Lymphfollikel, z. B. bei Infekten
Fremdkörper oder selten Parasiten
Tumoren (v. a. bei älteren Menschen)
Durch den gestörten Abfluss vermehren sich Bakterien, der Druck in der Appendix steigt, die Durchblutung wird schlechter – eine Entzündung entsteht. Bleibt sie unbehandelt, kann das Gewebe absterben und reißen.
Typische Symptome: So äußert sich eine Appendizitis
Eine Appendizitis entwickelt sich häufig schrittweise. Gerade diese Dynamik macht die Erkrankung gefährlich, da frühe Symptome oft nicht eindeutig sind.
Frühsymptome
Diffuse Bauchschmerzen, oft um den Bauchnabel
Appetitlosigkeit
Übelkeit, gelegentlich Erbrechen
Allgemeines Krankheitsgefühl
Typische Verlaufszeichen
Im weiteren Verlauf wandert der Schmerz meist in den rechten Unterbauch. Dort wird er:
Stechend oder drückend
Zunehmend stärker
Durch Bewegung, Husten oder Erschütterung verstärkt
Begleitend können auftreten:
Fieber (meist moderat, < 39 °C)
Verstopfung oder Durchfall
Erhöhte Herzfrequenz
Druckschmerz und Abwehrspannung der Bauchdecke
Besonders bei Kindern, älteren Menschen und Schwangeren kann das Beschwerdebild untypisch sein – was die Diagnose erschwert.
Wann wird eine Appendizitis gefährlich?
Gefährlich wird eine Appendizitis vor allem dann, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird.
Appendixperforation – der gefürchtete Durchbruch
Bleibt die Entzündung bestehen, kann es innerhalb von 24–72 Stunden zu einem Durchbruch der Appendix kommen. Dabei gelangen Bakterien und Darminhalt in die freie Bauchhöhle.
Mögliche Folgen:
Akute Bauchfellentzündung (Peritonitis)
Sepsis (Blutvergiftung)
Abszessbildung
Lebensbedrohlicher Zustand
Warnzeichen für eine komplizierte Appendizitis
Plötzliche Schmerzabnahme (Hinweis auf Perforation)
Rasch zunehmendes Krankheitsgefühl
Hohes Fieber
Harte, gespannte Bauchdecke
Kreislaufinstabilität
In diesen Fällen handelt es sich um einen medizinischen Notfall, der sofortige Behandlung erfordert.
Diagnose: Wie wird eine Appendizitis festgestellt?
Die Diagnose einer Appendizitis stützt sich auf mehrere Bausteine:
Ärztliche Untersuchung
Abtasten des Bauches (Druckschmerz, Loslassschmerz)
Schmerzprovokation durch bestimmte Bewegungen
Beurteilung des Allgemeinzustands
Laboruntersuchungen
Erhöhte Entzündungswerte (CRP)
Leukozytose
Gegebenenfalls Elektrolyt- und Nierenwerte
Bildgebung
Ultraschall: Methode der ersten Wahl, besonders bei Kindern
CT: Bei unklaren Befunden oder kompliziertem Verlauf
MRT: Alternative bei Schwangeren
Eine frühzeitige Diagnostik senkt das Risiko von Komplikationen erheblich.
Therapie: Operation oder abwarten?
Standardtherapie: Appendektomie
Die operative Entfernung der Appendix ist nach wie vor die Standardbehandlung. Sie kann:
Laparoskopisch (minimal-invasiv)
Oder offen chirurgisch erfolgen
Vorteile:
Schnelle Beschwerdelinderung
Vermeidung eines Durchbruchs
Sehr gute Prognose
Konservative Therapie – nur in ausgewählten Fällen
In bestimmten Situationen kann eine antibiotische Behandlung ohne Operation erwogen werden, z. B.:
Bei sehr mildem Verlauf
Bei hohem OP-Risiko
Diese Strategie ist jedoch mit einem höheren Rückfallrisiko verbunden und nicht für alle Patient:innen geeignet.
Prognose, Prävention & Fazit
Prognose
Bei frühzeitiger Behandlung ist die Prognose ausgezeichnet. Die meisten Patient:innen sind nach wenigen Tagen wieder belastbar. Komplikationen treten vor allem bei verspäteter Diagnose auf.
Kann man einer Appendizitis vorbeugen?
Eine sichere Prävention gibt es nicht. Eine ballaststoffreiche Ernährung und eine gesunde Darmfunktion gelten jedoch als günstig.
Fazit
Die Appendizitis ist eine häufige, aber potenziell gefährliche Erkrankung. Entscheidend ist, Warnzeichen ernst zu nehmen und bei anhaltenden oder zunehmenden Bauchschmerzen frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Häufige Fragen (FAQ)
1. Kann eine Appendizitis von selbst ausheilen? In seltenen milden Fällen ja – das Risiko eines Rückfalls bleibt jedoch hoch.
2. Wie schnell muss operiert werden? Bei gesicherter Diagnose meist zeitnah, um Komplikationen zu vermeiden.
3. Ist eine Appendizitis ansteckend? Nein, es handelt sich nicht um eine infektiöse Erkrankung im klassischen Sinne.
4. Gibt es typische Altersgruppen? Am häufigsten betroffen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
5. Wie lange dauert die Genesung nach einer OP? In der Regel 1–3 Wochen, je nach Operationsmethode.
6. Kann man ohne Appendix problemlos leben? Ja, der Wurmfortsatz ist für das Leben nicht notwendig.
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Quellenbox
Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV)
UpToDate®: Acute appendicitis in adults
Leitlinie „Akute Appendizitis“ – AWMF
Deutsches Ärzteblatt
Mayo Clinic: Appendicitis
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