Wundzeichen, bei denen Du nicht warten solltest
- Gesundheits-Doc
- 10. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Jan.
Patientenfreundlicher Leitfaden – ohne Panik, aber mit klaren Warnsignalen

Eine kleine Schnittwunde, eine Schürfwunde, ein Insektenstich, ein OP-Schnitt oder eine Blase am Fuß – meistens heilt das unkompliziert ab. Manchmal entwickelt sich jedoch eine Wundinfektion oder eine tiefergehende Haut-/Weichteilinfektion (Cellulitis/Erysipel). Dann zählt Zeit: Je früher behandelt wird, desto geringer ist das Risiko für Komplikationen. (Guy's und St Thomas' NHS Trust)
Wichtig: Nicht jede Rötung bedeutet gleich „Infektion“. In den ersten 1–2 Tagen sind leichte Rötung, Wärme und Spannungsgefühl nach einer Verletzung durchaus normal. Entscheidend ist bei Wundzeichen die Dynamik: Wird es täglich besser – oder klar schlechter? (Universitätskliniken Sussex)
Erst kurz: Was ist „normal“ – und was nicht?
Normal in den ersten 24–48 Stunden kann sein:
leichte Rötung direkt am Rand
mildes Pochen/Spannung, das langsam nachlässt
klare Wundflüssigkeit (serös), die weniger wird (Universitätskliniken Sussex)
Nicht normal (Warnsignal):
Rötung breitet sich aus, Schmerzen nehmen zu, Eiter, Fieber, „rote Streifen“, starke Allgemeinsymptome. (Guy's und St Thomas' NHS Trust)
Die 5 Warnzeichen, bei denen du nicht abwarten solltest
1) Die Rötung breitet sich aus – und die Stelle wird heiß, geschwollen, zunehmend schmerzhaft
Wenn eine Rötung größer wird, die Haut warm/heiß ist und Schwellung sowie Schmerz zunehmen, kann das auf eine bakterielle Infektion der Haut (z. B. Cellulitis/Erysipel) hinweisen. (nhs.uk)
Praxis-Tipp: Markiere den Rand der Rötung mit einem Stift und notiere Datum/Uhrzeit. Wenn sich die Rötung innerhalb von Stunden weiter ausbreitet: ärztlich abklären.
2) Eiter, übel riechendes Sekret oder die Wunde geht wieder auf
Typische Infektzeichen sind:
gelb-grünes Sekret/Eiter
unangenehmer Geruch
die Wunde wird „matschig“, nässt stark oder öffnet sich wieder (Guy's und St Thomas' NHS Trust)
Das sind Situationen, in denen oft eine medizinische Einschätzung nötig ist (z. B. ob eine Reinigung/Spülung, ein Verbandwechsel-Konzept oder Antibiotika sinnvoll sind). Wichtig: Antibiotika sind nicht automatisch immer nötig – aber klare Infektzeichen sollten nicht ignoriert werden. (Universitätskliniken Sussex)
3) Fieber, Schüttelfrost, deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands
Wenn du dich mit einer Wunde plötzlich krank fühlst (Fieber, Schüttelfrost, starke Abgeschlagenheit), ist das ein wichtiges Warnsignal – denn Infektionen können sich im Körper ausbreiten. Sepsis ist eine medizinische Notfallsituation: Sie kann aus Infektionen (u. a. der Haut/Wunden) entstehen und braucht schnelle Behandlung. (CDC)
Alarmzeichen, die besonders ernst sind:
Verwirrtheit/Benommenheit
schnelle Atmung, schneller Puls
kalte, clammy/schweißige Haut, starkes Krankheitsgefühl (Restored CDC)
4) „Rote Streifen“ Richtung Körpermitte oder schmerzhafte Lymphknoten
Rote Streifen, die von der Wunde wegziehen (oft Richtung Achsel/Leiste), können ein Hinweis sein, dass sich die Entzündung entlang der Lymphbahnen ausbreitet. Auch geschwollene, schmerzhafte Lymphknoten passen dazu. (NCBI)
Das ist kein Grund zur Panik – aber ein klarer Grund, nicht zu warten.
5) Sehr starke Schmerzen, rasches Fortschreiten, Blasen oder violette Verfärbungen
Ein besonders wichtiges Warnzeichen ist: Schmerz, der „nicht zur Wunde passt“ oder sehr schnell schlimmer wird. In Kombination mit rasch zunehmender Schwellung, Blasen, dunklen/violetten Flecken oder deutlichen Kreislaufzeichen kann das auf eine schwere Weichteilinfektion hindeuten (selten, aber gefährlich). Hier sollte sofort ärztlich beurteilt werden; Leitlinien empfehlen bei Verdacht auf nekrotisierende Infektionen eine dringende chirurgische Abklärung. (IDSA)
Wer sollte besonders früh reagieren?
Bei diesen Situationen gilt: lieber früher abklären, weil Komplikationen häufiger sind:
Diabetes (v. a. Fußwunden/Neuropathie)
Durchblutungsstörungen (pAVK), „Raucherbein“
Immunsuppression (z. B. Kortison hochdosiert, Biologika, nach Transplantation)
Wunden nach Tier- oder Menschenbiss
Wunden mit Fremdkörper/Schmutz oder tiefe Stichverletzungen (nhs.uk)
Was du sofort selbst tun kannst bei Wundzeichen (wenn keine Notfallzeichen vorliegen)
Das ersetzt keine Diagnose, hilft aber oft im Alltag:
Reinigen: Mit sauberem Wasser/NaCl spülen, sichtbaren Schmutz entfernen.
Abdecken: sterile Wundauflage, regelmäßig wechseln.
Schonung & Hochlagern (bei Schwellung).
Beobachten: Foto + Rand markieren + Temperatur messen.
Tetanusschutz prüfen (bei verschmutzten/tiefen Wunden besonders wichtig – im Zweifel ärztlich klären). (nhs.uk)
Wann ist es ein Notfall?
Sofort 112 (oder Notaufnahme), wenn zu einer Wunde/Entzündung dazukommt:
Verwirrtheit, starke Benommenheit
Atemnot, sehr schneller Puls/Atmung
sehr hohes Fieber, Schüttelfrost, Kreislaufprobleme
violette Hautflecken/Blasen, rasche Verschlechterung (nhs.uk)
Empfehlung von Gesundheits-Doc
Wenn eine Wunde zunehmend schmerzt, Eiter bildet, die Rötung sich ausbreitet oder du dich krank fühlst: nicht abwarten. Viele Probleme lassen sich früh deutlich einfacher behandeln – und du vermeidest unnötige Risiken. (Guy's und St Thomas' NHS Trust)
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Quellenbox (Auswahl)
NHS – Cuts and grazes (Warnzeichen, wann Hilfe holen) (nhs.uk)
NHS – Cellulitis (Notfallzeichen/sofortige Abklärung) (nhs.uk)
CDC – About Sepsis / Signs & symptoms (Sepsis als medizinischer Notfall, Warnzeichen) (CDC)
IDSA – Skin and Soft Tissue Infections Guideline (schwere Infektionen, Verdacht auf nekrotisierende Fasziitis → chirurgische Abklärung) (IDSA)
NCBI InformedHealth – Erysipelas/Cellulitis (z. B. rote Streifen als Hinweis auf Ausbreitung) (NCBI)
Guy’s & St Thomas’ NHS – Signs of a wound infection (Eiter, Rötung, Fieber etc.) (Guy's und St Thomas' NHS Trust)






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