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Faktor-V-Leiden-Mutation: Ursachen, Risiken & moderne Prophylaxe

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Faktor-V-Leiden-Mutation

Die Faktor-V-Leiden-Mutation ist die häufigste angeborene Gerinnungsstörung in Europa. Viele Betroffene wissen lange nichts von ihrer genetischen Besonderheit, da sie im Alltag häufig symptomlos bleibt. Dennoch kann sie unter bestimmten Umständen das Risiko für venöse Thrombosen und Lungenembolien deutlich erhöhen. Gerade bei Operationen, längeren Reisen, Schwangerschaft oder hormoneller Therapie gewinnt dieses Thema große medizinische Relevanz.

Dieser Beitrag erklärt ausführlich, was hinter der Faktor-V-Leiden-Mutation steckt, wie sie entsteht, welche Risiken bestehen und welche modernen Strategien zur Behandlung und Vorbeugung heute empfohlen werden.


Was ist die Faktor-V-Leiden-Mutation?

Bei der Faktor-V-Leiden-Mutation handelt es sich um eine genetische Veränderung im Gerinnungssystem des Blutes. Betroffen ist der Gerinnungsfaktor V, ein Eiweiß, das eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung spielt. Normalerweise wird Faktor V durch ein körpereigenes Regulationssystem rechtzeitig „abgeschaltet“, um eine überschießende Gerinnung zu verhindern.

Bei der Mutation ist dieser Schutzmechanismus gestört. Der veränderte Faktor V wird langsamer abgebaut, wodurch die Blutgerinnung länger aktiv bleibt als vorgesehen. Das Blut gerinnt leichter – insbesondere in den Venen – was die Grundlage für ein erhöhtes Thromboserisiko darstellt.


Wie häufig ist die Mutation?

In Mitteleuropa tragen etwa 5–7 % der Bevölkerung diese genetische Veränderung. Die meisten Betroffenen sind heterozygot, das heißt, sie haben die Mutation nur auf einem der beiden Chromosomen. Eine homozygote Form, bei der beide Chromosomen betroffen sind, ist deutlich seltener, geht aber mit einem erheblich höheren Thromboserisiko einher.

Da die Mutation angeboren ist, besteht sie von Geburt an – unabhängig von Lebensstil oder Ernährung.


Ursachen: Warum entsteht die Faktor-V-Leiden-Mutation?

Die Ursache ist rein genetisch. Es handelt sich um eine Punktmutation im Faktor-V-Gen, die vererbt wird. Die Mutation kann von einem oder beiden Elternteilen weitergegeben werden. Umweltfaktoren spielen bei der Entstehung selbst keine Rolle, beeinflussen jedoch maßgeblich, ob und wann klinische Probleme auftreten.


Symptome und klinische Bedeutung

Viele Menschen mit Faktor-V-Leiden-Mutation bleiben lebenslang beschwerdefrei. Symptome treten meist erst dann auf, wenn zusätzliche Risikofaktoren hinzukommen. Typisch sind venöse Thrombosen, vor allem in den tiefen Beinvenen. In schweren Fällen kann es zu einer Lungenembolie kommen.

Bei Frauen kann die Mutation auch mit Schwangerschaftskomplikationen assoziiert sein, etwa wiederholten Fehlgeburten oder Schwangerschaftsthrombosen. Wichtig ist jedoch: Das Vorliegen der Mutation allein bedeutet nicht automatisch, dass Komplikationen auftreten.


Diagnostik: Wie wird Faktor-V-Leiden festgestellt?

Die Diagnose erfolgt durch eine Blutuntersuchung, meist im Rahmen einer Thromboseabklärung oder bei familiärer Vorbelastung. Zunächst kann ein funktioneller Gerinnungstest Hinweise liefern, die definitive Bestätigung erfolgt jedoch durch einen genetischen Test.

Eine Testung ist insbesondere sinnvoll bei jungen Patientinnen und Patienten mit Thrombose, bei ungewöhnlicher Lokalisation der Thrombose oder bei wiederholten Ereignissen ohne erkennbare Ursache.


Behandlung: Wann ist eine Therapie notwendig?

Eine dauerhafte medikamentöse Behandlung ist nicht bei allen Betroffenen erforderlich. Die Therapie richtet sich nach dem individuellen Risiko und danach, ob bereits eine Thrombose aufgetreten ist.

Nach einem thromboembolischen Ereignis wird in der Regel eine zeitlich begrenzte oder – in bestimmten Fällen – langfristige Antikoagulation durchgeführt. Moderne Gerinnungshemmer ermöglichen heute eine effektive und vergleichsweise sichere Behandlung.


Prophylaxe: Wie lässt sich das Risiko senken?

Der wichtigste Ansatz bei der Faktor-V-Leiden-Mutation ist die situationsabhängige Prophylaxe. In Phasen erhöhten Risikos, etwa bei Operationen, längerer Immobilisation oder Langstreckenflügen, können vorbeugende Maßnahmen sinnvoll sein.

Dazu gehören medikamentöse Thromboseprophylaxe nach ärztlicher Empfehlung sowie nicht-medikamentöse Maßnahmen wie ausreichende Bewegung, Flüssigkeitszufuhr und das Vermeiden zusätzlicher Risikofaktoren. Bei Frauen ist eine individuelle Beratung zur hormonellen Verhütung besonders wichtig.


Leben mit Faktor-V-Leiden

Für die meisten Betroffenen bedeutet die Diagnose keine wesentliche Einschränkung im Alltag. Entscheidend ist das Wissen um die eigene genetische Situation, um in Risikosituationen angemessen reagieren zu können. Eine gute Aufklärung hilft, unnötige Ängste zu vermeiden und gleichzeitig gefährliche Situationen rechtzeitig zu erkennen.


Prognose

Die Prognose ist insgesamt gut. Mit einer angepassten Prophylaxe und ärztlicher Begleitung lassen sich thromboembolische Komplikationen in vielen Fällen verhindern. Moderne Medizin ermöglicht eine individuelle Risikoabschätzung und maßgeschneiderte Vorsorgestrategien.


Empfehlung von Gesundheits-Doc

Die Faktor-V-Leiden-Mutation ist häufig, aber gut beherrschbar. Entscheidend sind eine fundierte Diagnostik, realistische Einschätzung des individuellen Risikos und eine gezielte Prophylaxe in Risikosituationen. Eine dauerhafte Therapie ist nur in ausgewählten Fällen notwendig. Wissen und Aufklärung sind der wichtigste Schutz.


Gab es in deiner Familie Thrombosen oder hattest du selbst schon ein thrombotisches Ereignis? Nutze die Gesundheits-Doc-Checkliste „Thromboserisiko richtig einschätzen“ und besprich mit deiner Hausarztpraxis oder einem Facharzt, ob eine Abklärung sinnvoll ist.


FAQ – Häufige Fragen (6)

1. Ist Faktor-V-Leiden eine Krankheit? Nein, es handelt sich um eine genetische Variante mit erhöhtem Thromboserisiko.

2. Muss jeder Betroffene Blutverdünner einnehmen? Nein, nur bei bestimmten Konstellationen oder nach Thrombose.

3. Ist die Mutation heilbar? Nein, aber die Risiken lassen sich gut kontrollieren.

4. Dürfen Frauen mit Faktor-V-Leiden hormonell verhüten? Das sollte individuell ärztlich entschieden werden.

5. Ist Sport erlaubt? Ja, regelmäßige Bewegung ist sogar empfehlenswert.

6. Sollten Angehörige getestet werden? Bei familiärer Häufung kann eine Testung sinnvoll sein.


Quellenbox (Auswahl)
  • Deutsches Ärzteblatt: Thrombophilien und Faktor-V-Leiden
  • AWMF-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der venösen Thrombose
  • Deutsche Gesellschaft für Angiologie
  • Aktuelle Übersichtsarbeiten zur Thromboseprophylaxe

Die auf der Seite Gesundheits-Doc wiedergegebenen Inhalte dienen der allgemeinen Information zu gesundheitsbezogenen Themen und ersetzen keine ärztliche Konsultation.

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