Haarausfall – Die wichtigsten Fragen & Antworten
- Gesundheits-Doc
- 29. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Gesundheits-Doc | verständlich · praxisnah · evidenzbasiert

Haarausfall ist eines der häufigsten Anliegen in der hausärztlichen und dermatologischen Praxis. Für viele Betroffene ist er mehr als ein kosmetisches Problem: Haare stehen für Identität, Attraktivität und Gesundheit. Entsprechend groß sind Verunsicherung und Leidensdruck, wenn sie dünner werden oder büschelweise ausfallen.
Die gute Nachricht: Nicht jeder Haarausfall ist krankhaft, und viele Formen lassen sich gezielt behandeln oder zumindest günstig beeinflussen. Entscheidend ist, die Ursache richtig einzuordnen. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Haarausfall – verständlich, praxisnah und evidenzbasiert.
Wie viele Haare darf man eigentlich verlieren?
Ein gewisser Haarverlust ist völlig normal.
Pro Tag fallen etwa 60–100 Haare aus
Jedes Haar durchläuft einen natürlichen Zyklus aus Wachstum, Übergang und Ruhe
Problematisch wird es, wenn:
deutlich mehr Haare ausfallen
sich sichtbare Lichtungen bilden
der Haarverlust über Wochen bis Monate anhält
Ein wichtiger Grundsatz: Nicht die Menge allein, sondern das Muster und der Verlauf sind entscheidend.
Welche Arten von Haarausfall gibt es?
Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall. Medizinisch unterscheidet man mehrere Hauptformen:
2.1 Androgenetische Alopezie (häufigste Form)
hormonell-genetisch bedingt
betrifft Männer und Frauen
bei Männern: Geheimratsecken, Tonsur
bei Frauen: diffuse Ausdünnung im Scheitelbereich
➡️ Die Haarfollikel reagieren empfindlich auf Dihydrotestosteron (DHT) und verkürzen ihre Wachstumsphase.
2.2 Diffuser Haarausfall
gleichmäßiger Haarverlust am ganzen Kopf
oft reversibel, wenn die Ursache behoben wird
Häufige Auslöser:
Eisenmangel
Schilddrüsenerkrankungen
Infekte, Operationen
Stress, psychische Belastung
hormonelle Umstellungen (z. B. nach Schwangerschaft)
2.3 Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
plötzlich auftretende, runde kahle Stellen
Autoimmunerkrankung
kann jede Altersgruppe betreffen
Der Verlauf ist unvorhersehbar – von spontaner Rückbildung bis zu chronischen Verläufen.
2.4 Vernarbender Haarausfall (selten)
irreversible Zerstörung der Haarfollikel
entzündliche oder autoimmune Ursachen
➡️ Hier ist eine frühe dermatologische Abklärung besonders wichtig, um weiteren Haarverlust zu stoppen.
Was sind die häufigsten Ursachen von Haarausfall?
Haarausfall ist ein Symptom, keine eigenständige Krankheit. Häufige Ursachen sind:
Hormonelle Faktoren
genetische Veranlagung
Schwangerschaft, Stillzeit
Wechseljahre
Absetzen hormoneller Verhütung
Mangelzustände
Eisenmangel (sehr häufig!)
Vitamin B12
Zink
Eiweißmangel
Erkrankungen
Schilddrüsenunter- oder -überfunktion
chronische Entzündungen
Autoimmunerkrankungen
Medikamente
Chemotherapie
bestimmte Blutdruckmedikamente
Antidepressiva
Retinoide
Lebensstil & Stress
anhaltender psychischer Stress
Crash-Diäten
Schlafmangel
Wann sollte Haarausfall ärztlich abgeklärt werden?
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll bei:
anhaltendem Haarausfall > 3 Monate
plötzlichem, starkem Haarverlust
zusätzlichen Symptomen (Müdigkeit, Gewichtsveränderung, Zyklusstörungen)
Haarausfall bei Kindern oder Jugendlichen
Narben, Rötung oder Juckreiz der Kopfhaut
➡️ Ziel ist es, behandelbare Ursachen frühzeitig zu erkennen.
Diagnostik: Wie wird die Ursache gefunden?
Die Diagnostik erfolgt meist schrittweise:
5.1 Anamnese
Beginn und Verlauf
familiäre Belastung
Stress, Infekte, Schwangerschaft
Medikamente, Diäten
5.2 Klinische Untersuchung
Verteilungsmuster
Haarzugtest
Zustand der Kopfhaut
5.3 Laboruntersuchungen (je nach Situation)
Blutbild
Ferritin (Eisenspeicher!)
TSH (Schilddrüse)
Vitamin B12
ggf. Zink, Entzündungsparameter
Nicht jede Patientin und jeder Patient braucht „alle Werte“ – die Auswahl erfolgt gezielt.
Therapie: Was hilft wirklich bei Haarausfall?
Die Therapie richtet sich immer nach der Ursache.
6.1 Androgenetischer Haarausfall
Minoxidil (topisch):
gut untersucht
kann Haarverlust verlangsamen
Wirkung nur bei kontinuierlicher Anwendung
Finasterid (nur für Männer, oral):
hemmt DHT-Bildung
wirksam, aber mögliche Nebenwirkungen
individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich
➡️ Wichtig: Die Therapie wirkt nicht sofort – erste Effekte nach Monaten.
6.2 Diffuser Haarausfall
Behandlung der Grunderkrankung
Ausgleich von Mangelzuständen
Stressreduktion
Hier sind die Heilungschancen oft sehr gut.
6.3 Kreisrunder Haarausfall
lokale Kortisontherapie
immunmodulierende Verfahren
bei schweren Verläufen spezialisierte Therapie
Nicht jede Therapie wirkt bei jedem – Geduld ist erforderlich.
6.4 Nahrungsergänzungsmittel – sinnvoll oder nicht?
nur bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll
„Haarkapseln“ ohne Mangel bringen meist keinen Zusatznutzen
Überdosierungen können sogar schaden
Was kann man selbst tun?
Auch unabhängig von der Ursache können Betroffene unterstützend handeln:
ausgewogene, eiweißreiche Ernährung
ausreichender Schlaf
Stressmanagement
schonende Haarpflege
keine radikalen Diäten
➡️ Wichtig: Realistische Erwartungen – Haare wachsen langsam.
Psychische Belastung ernst nehmen
Haarausfall kann das Selbstwertgefühl erheblich beeinträchtigen. Ärztliche Gespräche sollten daher nicht nur medizinisch, sondern auch empathisch geführt werden. Bei starkem Leidensdruck kann auch psychosoziale Unterstützung sinnvoll sein.
Empfehlung von Gesundheits-Doc
Haarausfall ist häufig, vielgestaltig und oft gut behandelbar – wenn die Ursache erkannt wird. Entscheidend ist eine strukturierte Abklärung statt vorschneller Selbsttherapie. Viele Formen sind vorübergehend oder lassen sich zumindest stabilisieren. Wichtig ist, frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen, um realistische Erwartungen und ein individuelles Therapiekonzept zu entwickeln.
Leidest du unter anhaltendem oder starkem Haarausfall? Nutze unsere Gesundheits-Doc-Checkliste „Haarausfall richtig abklären“ und sprich gezielt mit deiner Hausarzt- oder Dermatologie-Praxis über Ursachen, Diagnostik und sinnvolle Therapien.
FAQ – Häufige Fragen (6)
1) Ist Haarausfall immer krankhaft? Nein. Ein gewisser Haarverlust ist normal und altersabhängig.
2) Kann Stress Haarausfall verursachen? Ja. Besonders diffuser Haarausfall ist häufig stressbedingt.
3) Wachsen ausgefallene Haare wieder nach? Oft ja – abhängig von Ursache und Dauer.
4) Helfen spezielle Shampoos? Sie können die Kopfhaut pflegen, stoppen aber meist keinen krankhaften Haarausfall.
5) Wann wirkt eine Therapie frühestens? Nach 3–6 Monaten, manchmal später.
6) Sollte man bei Haarausfall sofort Nahrungsergänzungsmittel nehmen? Nein. Nur bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll.
Quellenbox (Auswahl)
S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Haarausfalls“ – Deutsche Dermatologische Gesellschaft
European Dermatology Forum (EDF) Guidelines on Alopecia
Cochrane Reviews zu Minoxidil und Finasterid
UpToDate: Evaluation and management of hair loss
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