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Haarausfall – Die wichtigsten Fragen & Antworten

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Haarausfall

Haarausfall ist eines der häufigsten Anliegen in der hausärztlichen und dermatologischen Praxis. Für viele Betroffene ist er mehr als ein kosmetisches Problem: Haare stehen für Identität, Attraktivität und Gesundheit. Entsprechend groß sind Verunsicherung und Leidensdruck, wenn sie dünner werden oder büschelweise ausfallen.

Die gute Nachricht: Nicht jeder Haarausfall ist krankhaft, und viele Formen lassen sich gezielt behandeln oder zumindest günstig beeinflussen. Entscheidend ist, die Ursache richtig einzuordnen. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Haarausfall – verständlich, praxisnah und evidenzbasiert.


Wie viele Haare darf man eigentlich verlieren?

Ein gewisser Haarverlust ist völlig normal.

  • Pro Tag fallen etwa 60–100 Haare aus

  • Jedes Haar durchläuft einen natürlichen Zyklus aus Wachstum, Übergang und Ruhe

Problematisch wird es, wenn:

  • deutlich mehr Haare ausfallen

  • sich sichtbare Lichtungen bilden

  • der Haarverlust über Wochen bis Monate anhält

Ein wichtiger Grundsatz: Nicht die Menge allein, sondern das Muster und der Verlauf sind entscheidend.


Welche Arten von Haarausfall gibt es?

Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall. Medizinisch unterscheidet man mehrere Hauptformen:

2.1 Androgenetische Alopezie (häufigste Form)

  • hormonell-genetisch bedingt

  • betrifft Männer und Frauen

  • bei Männern: Geheimratsecken, Tonsur

  • bei Frauen: diffuse Ausdünnung im Scheitelbereich

➡️ Die Haarfollikel reagieren empfindlich auf Dihydrotestosteron (DHT) und verkürzen ihre Wachstumsphase.

2.2 Diffuser Haarausfall

  • gleichmäßiger Haarverlust am ganzen Kopf

  • oft reversibel, wenn die Ursache behoben wird

Häufige Auslöser:

  • Eisenmangel

  • Schilddrüsenerkrankungen

  • Infekte, Operationen

  • Stress, psychische Belastung

  • hormonelle Umstellungen (z. B. nach Schwangerschaft)

2.3 Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

  • plötzlich auftretende, runde kahle Stellen

  • Autoimmunerkrankung

  • kann jede Altersgruppe betreffen

Der Verlauf ist unvorhersehbar – von spontaner Rückbildung bis zu chronischen Verläufen.

2.4 Vernarbender Haarausfall (selten)

  • irreversible Zerstörung der Haarfollikel

  • entzündliche oder autoimmune Ursachen

➡️ Hier ist eine frühe dermatologische Abklärung besonders wichtig, um weiteren Haarverlust zu stoppen.


Was sind die häufigsten Ursachen von Haarausfall?

Haarausfall ist ein Symptom, keine eigenständige Krankheit. Häufige Ursachen sind:

Hormonelle Faktoren

  • genetische Veranlagung

  • Schwangerschaft, Stillzeit

  • Wechseljahre

  • Absetzen hormoneller Verhütung

Mangelzustände

  • Eisenmangel (sehr häufig!)

  • Vitamin B12

  • Zink

  • Eiweißmangel

Erkrankungen

  • Schilddrüsenunter- oder -überfunktion

  • chronische Entzündungen

  • Autoimmunerkrankungen

Medikamente

  • Chemotherapie

  • bestimmte Blutdruckmedikamente

  • Antidepressiva

  • Retinoide

Lebensstil & Stress

  • anhaltender psychischer Stress

  • Crash-Diäten

  • Schlafmangel


Wann sollte Haarausfall ärztlich abgeklärt werden?

Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll bei:

  • anhaltendem Haarausfall > 3 Monate

  • plötzlichem, starkem Haarverlust

  • zusätzlichen Symptomen (Müdigkeit, Gewichtsveränderung, Zyklusstörungen)

  • Haarausfall bei Kindern oder Jugendlichen

  • Narben, Rötung oder Juckreiz der Kopfhaut

➡️ Ziel ist es, behandelbare Ursachen frühzeitig zu erkennen.


Diagnostik: Wie wird die Ursache gefunden?

Die Diagnostik erfolgt meist schrittweise:

5.1 Anamnese

  • Beginn und Verlauf

  • familiäre Belastung

  • Stress, Infekte, Schwangerschaft

  • Medikamente, Diäten

5.2 Klinische Untersuchung

  • Verteilungsmuster

  • Haarzugtest

  • Zustand der Kopfhaut

5.3 Laboruntersuchungen (je nach Situation)

  • Blutbild

  • Ferritin (Eisenspeicher!)

  • TSH (Schilddrüse)

  • Vitamin B12

  • ggf. Zink, Entzündungsparameter

Nicht jede Patientin und jeder Patient braucht „alle Werte“ – die Auswahl erfolgt gezielt.


Therapie: Was hilft wirklich bei Haarausfall?

Die Therapie richtet sich immer nach der Ursache.

6.1 Androgenetischer Haarausfall

  • Minoxidil (topisch):

    • gut untersucht

    • kann Haarverlust verlangsamen

    • Wirkung nur bei kontinuierlicher Anwendung

  • Finasterid (nur für Männer, oral):

    • hemmt DHT-Bildung

    • wirksam, aber mögliche Nebenwirkungen

    • individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich

➡️ Wichtig: Die Therapie wirkt nicht sofort – erste Effekte nach Monaten.

6.2 Diffuser Haarausfall

  • Behandlung der Grunderkrankung

  • Ausgleich von Mangelzuständen

  • Stressreduktion

Hier sind die Heilungschancen oft sehr gut.

6.3 Kreisrunder Haarausfall

  • lokale Kortisontherapie

  • immunmodulierende Verfahren

  • bei schweren Verläufen spezialisierte Therapie

Nicht jede Therapie wirkt bei jedem – Geduld ist erforderlich.

6.4 Nahrungsergänzungsmittel – sinnvoll oder nicht?

  • nur bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll

  • „Haarkapseln“ ohne Mangel bringen meist keinen Zusatznutzen

  • Überdosierungen können sogar schaden


Was kann man selbst tun?

Auch unabhängig von der Ursache können Betroffene unterstützend handeln:

  • ausgewogene, eiweißreiche Ernährung

  • ausreichender Schlaf

  • Stressmanagement

  • schonende Haarpflege

  • keine radikalen Diäten

➡️ Wichtig: Realistische Erwartungen – Haare wachsen langsam.


Psychische Belastung ernst nehmen

Haarausfall kann das Selbstwertgefühl erheblich beeinträchtigen. Ärztliche Gespräche sollten daher nicht nur medizinisch, sondern auch empathisch geführt werden. Bei starkem Leidensdruck kann auch psychosoziale Unterstützung sinnvoll sein.


Empfehlung von Gesundheits-Doc

Haarausfall ist häufig, vielgestaltig und oft gut behandelbar – wenn die Ursache erkannt wird. Entscheidend ist eine strukturierte Abklärung statt vorschneller Selbsttherapie. Viele Formen sind vorübergehend oder lassen sich zumindest stabilisieren. Wichtig ist, frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen, um realistische Erwartungen und ein individuelles Therapiekonzept zu entwickeln.


Leidest du unter anhaltendem oder starkem Haarausfall? Nutze unsere Gesundheits-Doc-Checkliste „Haarausfall richtig abklären“ und sprich gezielt mit deiner Hausarzt- oder Dermatologie-Praxis über Ursachen, Diagnostik und sinnvolle Therapien.


FAQ – Häufige Fragen (6)

1) Ist Haarausfall immer krankhaft? Nein. Ein gewisser Haarverlust ist normal und altersabhängig.

2) Kann Stress Haarausfall verursachen? Ja. Besonders diffuser Haarausfall ist häufig stressbedingt.

3) Wachsen ausgefallene Haare wieder nach? Oft ja – abhängig von Ursache und Dauer.

4) Helfen spezielle Shampoos? Sie können die Kopfhaut pflegen, stoppen aber meist keinen krankhaften Haarausfall.

5) Wann wirkt eine Therapie frühestens? Nach 3–6 Monaten, manchmal später.

6) Sollte man bei Haarausfall sofort Nahrungsergänzungsmittel nehmen? Nein. Nur bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll.


Quellenbox (Auswahl)
  • S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Haarausfalls“ – Deutsche Dermatologische Gesellschaft
  • European Dermatology Forum (EDF) Guidelines on Alopecia
  • Cochrane Reviews zu Minoxidil und Finasterid
  • UpToDate: Evaluation and management of hair loss

Die auf der Seite Gesundheits-Doc wiedergegebenen Inhalte dienen der allgemeinen Information zu gesundheitsbezogenen Themen und ersetzen keine ärztliche Konsultation.

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