top of page

Hypogonadismus: Ursachen verstehen & moderne Therapien nutzen

Gesundheits-Doc | verständlich · praxisnah · evidenzbasiert


Hypogonadismus

Der Hypogonadismus ist eine hormonelle Störung, die bei Männern wie bei Frauen auftreten kann und oft lange unerkannt bleibt. Betroffene leiden nicht selten unter unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit, Leistungsabfall, Libidoverlust oder depressiver Verstimmung, ohne dass die Ursache sofort klar wird. Dabei spielen die Sexualhormone eine zentrale Rolle für körperliche, seelische und sexuelle Gesundheit – weit über die Fortpflanzung hinaus.

Dieser Beitrag erklärt, was unter Hypogonadismus zu verstehen ist, wie häufig er vorkommt, welche Ursachen zugrunde liegen und welche modernen Therapien heute zur Verfügung stehen.


Was ist ein Hypogonadismus?

Der Begriff Hypogonadismus beschreibt eine unzureichende Funktion der Keimdrüsen. Bei Männern sind dies die Hoden, bei Frauen die Eierstöcke. Infolge dieser Funktionsstörung werden zu wenig Sexualhormone produziert – beim Mann vor allem Testosteron, bei der Frau Östrogene und Progesteron.

Die Hormonunterversorgung betrifft nicht nur Sexualfunktionen, sondern zahlreiche Körpersysteme. Knochenstoffwechsel, Muskelmasse, Fettverteilung, Blutbildung, Stimmung und kognitive Leistungsfähigkeit werden maßgeblich von Sexualhormonen beeinflusst.


Wie häufig ist Hypogonadismus?

Die Häufigkeit des Hypogonadismus wird oft unterschätzt. Besonders bei Männern nimmt die Prävalenz mit dem Lebensalter zu. Altersbedingte Hormonveränderungen können fließend verlaufen, sodass Beschwerden häufig anderen Ursachen zugeschrieben werden. Auch bei Frauen können hormonelle Störungen vor oder nach den Wechseljahren zu einem klinisch relevanten Hypogonadismus führen.

Zusätzlich treten hormonelle Funktionsstörungen vermehrt bei chronischen Erkrankungen, Adipositas, Diabetes mellitus oder nach onkologischen Therapien auf.


Ursachen: Warum entsteht Hypogonadismus?

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Hauptformen. Beim primären Hypogonadismus liegt die Ursache direkt in den Keimdrüsen. Diese sind nicht in der Lage, ausreichend Hormone zu produzieren. Auslöser können genetische Faktoren, Entzündungen, Autoimmunerkrankungen, Verletzungen oder operative Eingriffe sein.

Beim sekundären Hypogonadismus liegt die Störung im übergeordneten hormonellen Steuerzentrum, also im Hypothalamus oder in der Hirnanhangsdrüse. Diese regulieren über Botenstoffe die Hormonproduktion der Keimdrüsen. Tumoren, Entzündungen, schwere Allgemeinerkrankungen, Stress oder Medikamente können diese Achse beeinträchtigen.

In vielen Fällen spielen mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle, insbesondere bei erworbenen Formen im Erwachsenenalter.


Symptome – oft unspezifisch und schleichend

Die Beschwerden entwickeln sich häufig langsam. Beim Mann stehen Libidoverlust, Erektionsstörungen, Abnahme der Muskelkraft, Zunahme des Körperfetts und Antriebslosigkeit im Vordergrund. Auch Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmungen und Schlafprobleme sind häufig.

Bei Frauen äußert sich ein Hypogonadismus unter anderem durch Zyklusstörungen, verminderte sexuelle Lust, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und langfristig durch eine Abnahme der Knochendichte. In beiden Geschlechtern kann ein Hormonmangel das Risiko für Osteoporose und metabolische Störungen erhöhen.

Gerade weil viele Symptome unspezifisch sind, bleibt die Diagnose oft lange ungestellt.


Diagnostik: Wie wird Hypogonadismus festgestellt?

Die Diagnose stützt sich auf eine Kombination aus klinischer Symptomatik und Laboruntersuchungen. Entscheidend ist die Bestimmung der relevanten Hormone im Blut. Dabei ist der Zeitpunkt der Blutentnahme wichtig, da insbesondere Testosteron tageszeitlichen Schwankungen unterliegt.

Ergänzend werden weitere Hormone gemessen, um zwischen primärem und sekundärem Hypogonadismus zu unterscheiden. Je nach Befund können bildgebende Verfahren oder weitere internistische Abklärungen notwendig sein. Ziel ist es, die Ursache möglichst genau zu identifizieren.


Moderne Therapieansätze

Die Therapie des Hypogonadismus richtet sich nach Ursache, Ausprägung und individuellen Bedürfnissen. Ziel ist es, den Hormonmangel auszugleichen und Beschwerden zu lindern, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Bei gesichertem Hormonmangel kann eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein. Moderne Therapiekonzepte legen großen Wert auf eine individuelle Dosierung und regelmäßige Kontrollen. Dadurch lassen sich Nebenwirkungen minimieren und positive Effekte auf Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und Knochengesundheit erzielen.

Bei sekundären Formen steht zusätzlich die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. In manchen Fällen kann sich die Hormonproduktion dadurch teilweise oder vollständig erholen.


Lebensstil und Begleitmaßnahmen

Neben medikamentösen Therapien spielen Lebensstilfaktoren eine wichtige Rolle. Körperliche Aktivität, Gewichtsnormalisierung, ausreichend Schlaf und Stressreduktion wirken sich positiv auf den Hormonhaushalt aus. Auch die Behandlung begleitender Erkrankungen ist ein zentraler Bestandteil eines ganzheitlichen Therapiekonzepts.


Risiken und Grenzen der Therapie

Eine Hormonersatztherapie ist nicht für jede Person geeignet und sollte immer sorgfältig abgewogen werden. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind essenziell, um Wirksamkeit und Sicherheit zu gewährleisten. Eine unkritische oder eigenständige Einnahme von Hormonen ist dringend abzulehnen.


Prognose

Die Prognose des Hypogonadismus ist bei frühzeitiger Diagnose und adäquater Therapie in der Regel gut. Viele Betroffene berichten über eine deutliche Verbesserung ihrer Beschwerden. Entscheidend ist eine individuelle, langfristig begleitete Behandlung.


Empfehlung von Gesundheits-Doc

Hypogonadismus ist eine häufige, aber oft übersehene hormonelle Störung mit weitreichenden Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität. Eine gezielte Diagnostik und moderne, individuell angepasste Therapien ermöglichen heute eine wirksame Behandlung. Wichtig ist eine ärztliche Begleitung, die sowohl hormonelle als auch allgemeingesundheitliche Aspekte berücksichtigt.


Leidest du unter anhaltender Müdigkeit, Libidoverlust oder Leistungsabfall ohne erkennbare Ursache? Nutze die Gesundheits-Doc-Orientierungshilfe „Hormonmangel richtig einschätzen“ und sprich mit deiner Hausarztpraxis oder Endokrinologie über eine gezielte Abklärung.


FAQ – Häufige Fragen (6)

1) Ist Hypogonadismus eine Alterserscheinung? Er kann altersabhängig auftreten, ist aber nicht automatisch normal.

2) Betrifft Hypogonadismus nur Männer? Nein, auch Frauen können betroffen sein.

3) Ist eine Hormonersatztherapie immer notwendig? Nicht immer – sie hängt von Ursache und Beschwerden ab.

4) Kann sich ein Hypogonadismus zurückbilden? Bei sekundären Formen teilweise ja, abhängig von der Ursache.

5) Sind Hormone gefährlich? Bei fachgerechter Anwendung und Kontrolle sind sie meist sicher.

6) Wer behandelt Hypogonadismus? Hausärzte, Endokrinologen, Urologen oder Gynäkologen – je nach Fall.


Quellenbox (Auswahl)
  • Deutsches Ärzteblatt: Hypogonadismus – Diagnostik und Therapie
  • Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
  • Leitlinien zur Testosteron-Substitution
  • Übersichtsarbeiten zu hormonellen Störungen im Erwachsenenalter

Die auf der Seite Gesundheits-Doc wiedergegebenen Inhalte dienen der allgemeinen Information zu gesundheitsbezogenen Themen und ersetzen keine ärztliche Konsultation.

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
Buch: Symptome richtig verstehen

Symptome richtig verstehen

Ihr medizinischer Komplettkurs für mehr Sicherheit im Alltag

Operatives Team

Hüftarthrose - Wann eine OP erforderlich ist

Hüftarthrose ist ein fortschreitender Verschleiss des Hüftgelenks, ...

Stethoskop im Buch

Medizin & Gesundheit - Was sich 2026 ändert

Viele Reformen im deutschen Gesundheitswesen sind nicht als ....

bottom of page