Prostatahypertrophie: Ursache, Diagnostik, Therapie
- Gesundheits-Doc
- 28. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
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Die Prostatahypertrophie – medizinisch korrekt benigne Prostatahyperplasie (BPH) – ist eine der häufigsten altersassoziierten Erkrankungen des Mannes. Mit zunehmendem Lebensalter vergrößert sich bei vielen Männern die Prostata, was zu Beschwerden beim Wasserlassen führen kann. Wichtig ist die klare Abgrenzung: Die BPH ist gutartig und kein Prostatakrebs. Dennoch kann sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und unbehandelt zu Komplikationen führen.
Dieser Beitrag erklärt, warum die Prostata wächst, wie die Diagnose gestellt wird und welche Therapieoptionen heute – evidenzbasiert und leitliniengerecht – zur Verfügung stehen.
Was ist eine Prostatahypertrophie?
Die Prostata liegt unterhalb der Harnblase und umschließt die Harnröhre. Bei der benignen Prostatahyperplasie kommt es zu einer gutartigen Vermehrung von Drüsen- und Stromagewebe, vor allem in der sogenannten Transitionszone. Durch das Wachstum kann die Harnröhre eingeengt werden – mit Folgen für den Harnfluss.
Man unterscheidet zwei Problemkomponenten:
Statische Komponente: das vergrößerte Prostatavolumen
Dynamische Komponente: erhöhter Muskeltonus in Prostata und Blasenhals (α-adrenerg vermittelt)
Beide Anteile sind therapeutisch relevant.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Mechanismen sind komplex, folgende Faktoren spielen eine zentrale Rolle:
Alter und Hormone
Zunehmendes Alter ist der wichtigste Risikofaktor
Androgene (v. a. Dihydrotestosteron, DHT) fördern das Prostatawachstum
Ein verändertes Verhältnis von Androgenen zu Östrogenen im Alter begünstigt die Hyperplasie
Genetische Faktoren
Familiäre Häufung, besonders bei früher Symptomatik
Metabolische Faktoren
Übergewicht, metabolisches Syndrom
Diabetes mellitus
Bewegungsmangel
Diese Faktoren erklären, warum BPH heute häufig mit kardiovaskulären Erkrankungen assoziiert ist.
Symptome: Wie macht sich eine BPH bemerkbar?
Die Beschwerden werden als LUTS (Lower Urinary Tract Symptoms) zusammengefasst und in zwei Gruppen unterteilt:
Obstruktive Symptome (Entleerungsstörung)
abgeschwächter Harnstrahl
Startschwierigkeiten beim Wasserlassen
Pressen zur Miktion
Nachträufeln
Gefühl unvollständiger Blasenentleerung
Irritative Symptome (Speicherstörung)
häufiger Harndrang (Pollakisurie)
nächtliches Wasserlassen (Nykturie)
imperativer Harndrang
gelegentlich Dranginkontinenz
Achtung: Akuter Harnverhalt, wiederholte Harnwegsinfekte, Blasensteine oder Nierenschädigungen sind Warnzeichen und erfordern eine rasche urologische Abklärung.
Diagnostik: Wie wird eine Prostatahypertrophie abgeklärt?
Die Diagnostik verfolgt drei Ziele:
Beschwerden objektivieren
Komplikationen erkennen
Differenzialdiagnosen ausschließen (v. a. Prostatakarzinom)
4.1 Anamnese & Symptomscore (IPSS)
Der International Prostate Symptom Score (IPSS) ist Standard:
0–7: leicht
8–19: mittelgradig
20–35: schwer
Zusätzlich wird die subjektive Lebensqualität abgefragt.
4.2 Körperliche Untersuchung
Digitale rektale Untersuchung (DRU): Größe, Konsistenz, Abgrenzbarkeit
glatt-elastisch → typisch für BPH
derb/unregelmäßig → Karzinomverdacht
4.3 Labor
PSA-Wert (prostata-spezifisches Antigen)
kein BPH-spezifischer Marker
hilfreich zur Abschätzung des Prostatavolumens und des Progressionsrisikos
Urinstatus (Infekt, Hämaturie)
4.4 Apparative Diagnostik
Sonographie (transabdominal/transrektal):
Prostatavolumen
Restharnmenge
Nierenstau?
Uroflowmetrie: maximale Harnflussrate (Qmax)
ggf. Zystoskopie bei unklaren Befunden oder vor operativer Therapie
Therapie: Was hilft wirklich?
Die Therapie richtet sich nach Symptomstärke, Leidensdruck, Prostatavolumen und Komplikationen.
5.1 Abwartendes Beobachten („Watchful Waiting“)
Geeignet bei:
leichten Symptomen
geringem Leidensdruck
fehlenden Komplikationen
Empfohlen werden:
Trinkmengensteuerung
Reduktion abendlicher Flüssigkeit
Vermeidung von Alkohol und Koffein
regelmäßige Verlaufskontrollen
5.2 Medikamentöse Therapie
α-Blocker (z. B. Tamsulosin, Alfuzosin)
entspannen die glatte Muskulatur
rasche Symptomlinderung (Tage–Wochen)
keine Volumenreduktion
Nebenwirkungen: Schwindel, orthostatische Beschwerden, Ejakulationsstörungen
5-α-Reduktasehemmer (Finasterid, Dutasterid)
hemmen DHT-Bildung
verkleinern die Prostata (nach Monaten)
senken Progressions- und Harnverhaltsrisiko
Geeignet v. a. bei größerem Prostatavolumen (>30–40 ml)
Kombinationstherapie
α-Blocker + 5-α-Reduktasehemmer
besonders effektiv bei mittelgradiger/schwerer BPH mit großem Volumen
Weitere Optionen (selektiv)
Anticholinergika oder β3-Agonisten bei dominierenden Speicherbeschwerden
Phytotherapeutika: Wirkung uneinheitlich, keine einheitliche Leitlinienempfehlung
5.3 Interventionelle und operative Therapie
Indiziert bei:
Therapieversagen der Medikation
rezidivierendem Harnverhalt
wiederholten Infekten, Steinen, Nierenschädigung
stark eingeschränkter Lebensqualität
Verfahren (Auswahl):
TUR-P (transurethrale Resektion der Prostata) – klassischer Goldstandard
Laserverfahren (z. B. HoLEP)
Minimal-invasive Techniken (z. B. UroLift®, Rezūm®) bei ausgewählten Patienten
Die Wahl hängt von Prostatagröße, Begleiterkrankungen, Antikoagulation und Patientenpräferenz ab.
Prognose und Verlauf
Die BPH ist chronisch, aber gut beherrschbar. Viele Männer profitieren jahrelang von medikamentöser Therapie. Entscheidend ist die regelmäßige Kontrolle, um Progression oder Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Empfehlung von Gesundheits-Doc
Eine Prostatahypertrophie ist häufig, gutartig und heute sehr gut behandelbar. Entscheidend ist eine strukturierte Diagnostik und eine individuell abgestimmte Therapie – abgestimmt auf Beschwerden, Prostatagröße und persönliche Lebensqualität. Frühzeitige Abklärung verhindert unnötige Einschränkungen und Komplikationen.
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FAQ – Häufige Fragen (6)
1) Ist eine Prostatahypertrophie Krebs? Nein. Die BPH ist gutartig und unabhängig vom Prostatakarzinom.
2) Ab welchem Alter tritt BPH auf? Häufig ab dem 50. Lebensjahr, mit steigender Häufigkeit im Alter.
3) Muss jede BPH behandelt werden? Nein. Bei milden Beschwerden reicht oft Beobachtung und Verlaufskontrolle.
4) Senkt eine Therapie das Krebsrisiko? Nein. Die Behandlung zielt auf Symptome und Komplikationen, nicht auf Krebsprävention.
5) Ist eine Operation immer dauerhaft wirksam? In der Regel ja, wobei auch nach Jahren erneute Beschwerden auftreten können.
6) Beeinflusst die BPH die Sexualfunktion? Die Erkrankung selbst selten – Medikamente oder Operationen können jedoch Ejakulationsstörungen verursachen.
Quellenbox (Auswahl)
S2e-Leitlinie „Benignes Prostatasyndrom (BPS)“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU)
EAU Guidelines on Management of Non-neurogenic Male LUTS, including BPH
Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) – Urologische Basisdiagnostik
Cochrane Reviews zu medikamentöser und operativer BPH-Therapie
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