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pAVK – Ursachen, Folgen & Therapie

Aktualisiert: 22. Jan.

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pAVK

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ist eine häufige, aber oft unterschätzte Gefäßerkrankung. Sie entsteht durch eine fortschreitende Arteriosklerose der Bein- (seltener Arm-)Arterien und führt zu einer Minderdurchblutung der Muskulatur. Typisch ist die sogenannte „Schaufensterkrankheit“: Schmerzen beim Gehen zwingen zum Stehenbleiben, die Beschwerden lassen in Ruhe nach. Entscheidend ist jedoch: pAVK ist nicht nur ein lokales Beinproblem, sondern ein Marker für ein hohes Herz- und Schlaganfallrisiko. Eine frühe Diagnose und konsequente Therapie verbessern Gehstrecke, Lebensqualität und Prognose deutlich.

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1) Was ist pAVK und wie entsteht sie?

Pathophysiologisch liegt der pAVK fast immer eine Atherosklerose zugrunde. Fett- und Kalkablagerungen verengen die Arterien, der Blutfluss reicht unter Belastung nicht mehr aus. Zu Beginn kompensieren Kollateralgefäße, später treten Symptome auf. Die Erkrankung verläuft meist schleichend und wird deshalb häufig erst spät erkannt.

Hauptrisikofaktoren sind Rauchen (stärkster Einzelrisikofaktor), Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, höheres Lebensalter und familiäre Belastung. Männer sind etwas häufiger betroffen, Frauen werden jedoch oft später diagnostiziert. Wichtig: Viele Betroffene haben keine oder atypische Symptome – das Risiko wird unterschätzt.


2) Symptome, Stadien und Folgen

Die klassische Einteilung erfolgt nach Fontaine:

  • Stadium I: keine Beschwerden

  • Stadium II: belastungsabhängige Schmerzen (IIa >200 m, IIb <200 m Gehstrecke)

  • Stadium III: Ruheschmerzen (v. a. nachts, Besserung im Hängenlassen des Beins)

  • Stadium IV: Gewebeschäden (Ulkus, Gangrän)

Mit Fortschreiten drohen chronische Wunden, Infektionen und im Extremfall Amputationen. Systemisch ist pAVK besonders relevant, weil sie mit einer deutlich erhöhten Rate an Myokardinfarkt und Schlaganfall einhergeht. Daher gilt: Jede pAVK ist ein kardiovaskuläres Hochrisiko.

3) Diagnostik: einfach, strukturiert, aussagekräftig

Die Basisdiagnostik ist unkompliziert und aussagekräftig:

  • Anamnese & klinische Untersuchung (Pulse, Haut, Wunden)

  • Knöchel-Arm-Index (ABI): Verhältnis Knöchel- zu Oberarmdruck; <0,9 spricht für pAVK

  • Doppler-/Duplexsonografie: Lokalisation und Ausmaß der Stenosen

  • Belastungstests (Gehstrecke) zur Funktionsbeurteilung

Bei geplanter Intervention folgen CTA/MRA oder Angiografie. Wichtig ist außerdem die systematische Risikoevaluation (Blutzucker, Lipide, Blutdruck), denn Therapieziele gehen über das Bein hinaus.

4) Therapie I: Basismaßnahmen und Medikamente

Die Therapie beruht auf drei Säulen:

1) Lebensstil & Training

  • Rauchstopp: wichtigste Einzelmaßnahme

  • Strukturiertes Gehtraining (mind. 3×/Woche, 30–45 Min.): verbessert Gehstrecke und Prognose

  • Bewegung, Gewichtsnormalisierung, ausgewogene Ernährung

2) Medikamentöse Sekundärprävention

  • Thrombozytenhemmung (z. B. ASS oder Clopidogrel)

  • Statine (LDL-Zielwert konsequent senken)

  • Blutdruck- und Diabeteskontrolle

  • Bei ausgewählten Patient:innen Kombinationstherapien zur weiteren Risikoreduktion

Diese Maßnahmen sind für alle Stadien essenziell – auch vor und nach Eingriffen.

5) Therapie II: Interventionen, Prognose und Nachsorge

Interventionelle/operative Verfahren kommen bei anhaltenden Beschwerden trotz optimaler Basistherapie oder bei kritischer Ischämie zum Einsatz:

  • Endovaskulär: Ballonangioplastie, Stent

  • Chirurgisch: Bypassoperation

Die Wahl hängt von Lokalisation, Ausdehnung, Begleiterkrankungen und Patientenpräferenz ab. Moderne Verfahren sind oft schonend und effektiv.

Prognose & Nachsorge: Mit konsequenter Therapie lassen sich Beschwerden deutlich lindern und Amputationen vermeiden. Regelmäßige Kontrollen, Training und Risikofaktormanagement bleiben entscheidend. Die Langzeitprognose wird maßgeblich durch die kardiovaskuläre Prävention bestimmt.

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Gesundheits-Doc Empfehlung

Wer belastungsabhängige Beinschmerzen, kalte Füße oder schlecht heilende Wunden bemerkt – insbesondere bei Rauchen oder Diabetes – sollte frühzeitig abklären lassen. pAVK ist gut behandelbar, wenn sie rechtzeitig erkannt und ganzheitlich therapiert wird.


👉 Selbst-Check: Schmerzen beim Gehen, die in Ruhe verschwinden?👉 Nächster Schritt: ABI messen lassen und gemeinsam einen Trainings- und Präventionsplan starten. Teile diesen Beitrag mit Menschen, die „Beinschmerzen beim Gehen“ kennen.

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FAQ – 6 häufige Fragen

1) Ist pAVK heilbar? Nein, aber der Verlauf ist gut kontrollierbar – Symptome und Risiken lassen sich deutlich reduzieren.

2) Hilft Gehtraining wirklich? Ja. Strukturiertes Gehtraining ist eine der wirksamsten Therapien zur Verbesserung der Gehstrecke.

3) Muss jeder mit pAVK operiert werden? Nein. Viele profitieren von Training und Medikamenten; Eingriffe sind selektiv indiziert.

4) Warum ist Rauchstopp so wichtig? Rauchen beschleunigt die Arteriosklerose massiv und verschlechtert die Prognose.

5) Was sagt der ABI aus? Er misst die Durchblutung der Beine; ein niedriger Wert weist auf pAVK hin.

6) Betrifft pAVK nur die Beine? Nein. Sie zeigt ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall an.

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Quellenbox (Auswahl)
  • Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) – Leitlinien zur pAVK
  • European Society of Cardiology (ESC) – Leitlinien zur peripheren arteriellen Erkrankung
  • NICE – Peripheral arterial disease: diagnosis and management
  • Übersichtsarbeiten in Circulation, European Heart Journal

Die auf der Seite Gesundheits-Doc wiedergegebenen Inhalte dienen der allgemeinen Information zu gesundheitsbezogenen Themen und ersetzen keine ärztliche Konsultation.




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